Als Jeff Bezos seinen Webshop „Amazon“ im Jahr 1994 gelaunched hat, war schon eines von Anfang an (für ihn) klar: eine globale Plattform zu erschaffen, auf der irgendwann einmal jedes nur denkbare, physische Produkt angeboten und verkauft werden kann, dass es auf der Welt gibt. Heute, 23 Jahre später, hat Bezos sein Ziel nahezu erreicht. Amazon ist in der westlichen Hemisphäre DER Platzhirsch im Onlinehandel. Wer nicht auf Amazon vertreten ist, der wird in absehbarer Zeit immer weniger verkaufen und vielleicht irgendwann ganz zu Grunde gehen – so scheint sich die Haltung vieler Onlineshop-Betreiber in den Köpfen festzusetzen.

Tatsächlich hat eine Studie gerade erst belegt, dass Amazon auch aus Kundensicht in Sachen Produktrecherche Google vom Thron gestoßen hat: 55 % der Befragten gaben an, dass sie ihre Produktsuche ohne Umwege direkt bei Amazon starteten – Tendenz steigend. Der Grund dafür ist im Prinzip einfach: allein auf der deutschen Plattform Amazon.de tummeln sich über 90.000 Händler die weit über 100 Millionen Produkte zum Verkauf anbieten. Prime-Produkte werden binnen kürzester Zeit angeliefert, die 1-Click-Option macht die Bestellung einfacher und die vielen Rezensionen gewähren einen tiefen Einblick, wie andere Käufer den Artikel einschätzen.

Dazu kommt, dass Amazon praktisch ALLES für ein perfektes Kauferlebnis aus Kundensicht unternimmt und die Messlatte für Händler enorm hochhängt. Warum also sollte man dann noch seine Bestellung mühsam in unzähligen kleinen Webshops zusammensuchen, unterschiedliche Zahlungs- und Lieferbedingungen akzeptieren, mit verschiedenen Retoure-Optionen klarkommen und zig Accounts verwalten? Amazon bietet all das aus einer Hand – aus Kundensicht ein Onlineshopping-Schlaraffenland.

Chance oder Risiko – Amazon SEO und FBA richtig umsetzen

Aus Verkäufersicht ist Amazon allerdings nicht immer nur ein Sales-Eldorado. Keine Fragen: als Vertriebskanal ist der Marktplatz eine attraktive Möglichkeit, seine Waren an den Mann und/oder die Frau zu bringen. Setzt man dann als Onlinehändler noch auf das „Rund-um-sorglos-Paket“ FBA (Fulfillment by Amazon), erspart man sich sogar noch Logistik und Lagerhaltung und kommt in den Genuss, kostengünstig am Prime-Programm teilzunehmen, das nachweislich wesentlich besser konvertiert, als der normale Selbstversand der Produkte aus dem eigenen Lager.

Mit dem Aufkommen von „Amazon SEO“ und dem Bekanntwerden, das man auf dem Marktplatz seine Produkte ähnlich optimieren kann, wie dies bei Google mit Websites möglich ist, stieg der Hype um den Marktplatz deutlich an. Dank Alibaba und Co. war es noch nie so einfach, Produkte in Fernost zu sourcen, mit einem Logo zu versehen und als „eigenes“ Produkt mittels FBA direkt auf Amazon zum Verkauf anzubieten. Kein Lager, keine Mitarbeiter, kaum Kundensupport – dafür aber kräftig Sales und in kürzester Zeit ein passives Einkommen generieren und reich werden. Aber ist das wirklich so einfach?

Knappe Antwort: in den wenigsten Fällen. Zwar gibt es immer wieder Success-Stories von Händlern, die mit überschaubarem Aufwand einen gutgehenden Onlinehandel mit sogenannten „PrivateLabel-Produkten“ aufgebaut haben, aber nicht wenige sind gescheitert oder haben finanziell oder rechtlich einige blaue Flecken kassiert. Das Importieren von Produkten aus China birgt deutlich mehr Tücken und Risiken, als den meisten Händlern bewusst ist. Einfuhrbedingungen, Patentrecht, Geschmackmuster und vieles mehr kann schnell zu einem Desaster führen und Existenzen gefährden.

Und selbst wenn alles gut anläuft, muss eine rasche Skalierbarkeit gewährleistet werden können: 100 Produkte zu verkaufen ist ein ganz anderer Schnack als 10.000 oder 1.000.000 Artikel über Amazon zu veräußern. Zuverlässigkeit und gleichbleibende Qualität sind bekanntermaßen nicht unbedingt die Stärke der chinesischen Supplier und auch Amazon selbst kann einem schnell zwischen die Beine grätschen, wenn es gerade gut läuft. Mit der richtigen Vorbereitung und dem Wissen, was alles auf dem Weg zum Top-Verkäufer schief gehen kann, lassen sich viele Stolpersteine allerdings im Vorfeld vermeiden.

 

 

 

merchantday in Hannover – die E-Commerce-Konferenz für Amazon-Seller

Genau darum geht es bei der Amazon-Konferenz merchantday in Hannover: sieben Top-Speaker der Branche geben einen Tag lang ihre Insides und Best Practices zum Thema „Verkaufen auf Amazon“ zum Besten. Mit dabei ist u.a. eine erfahrene Rechtsanwältin, die erklärt, wie man mit Markenrechtsverstößen bei Amazon umgeht. Ebenfalls am Start sind Speaker, die schon seit Jahren erfolgreich auf dem Marktplatz mit Private-Label-Produkten unterwegs sind und eine tiefen Einblick in ihr Erfolgsgeheimnis gewähren.

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Ronny Marx
Ronny Marx ist studierter Kommunikationsdesigner und bereits seit mehr als 10 Jahren im Bereich Onlinemarketing unterwegs. Er berät mittelständische Unternehmen und internationale Konzerne in Punkte SEO-Strategie, kreativer Konzeption und erarbeitet dabei nutzerzentrierte Usability-Konzepte für komplexe Websites und Software-Tools. Als Gründer und Head of SEO leitet er ein Agenturservice für Amazon-Händler und bloggt leidenschaftlich gerne über seine Kernkompetenz E-Commerce & Suchmaschinen.