In den Vor-iPhone-Zeiten spielte das kaum eine Geige. Die IT-Abteilung stellte einfach nur das zur Verfügung, was sie wollte, nicht unbedingt das, was die Anwender bevorzugten. Also dominierten (und dominieren sehr oft noch) Lösungen von Microsoft, SAP oder auch IBM die Unternehmens-IT – und drangsalieren sehr oft die Endanwender.

Wie hat es neulich auf der Marketingmesse dmexco ein junger „Middle-Manager“ zu mir gesagt? „Bleibt mir weg mit M.. S..point oder auch I.. …tions. Das ist eine Frechheit. Ich will Tools, die wirklich einfach und benutzerbar sind, beispielsweise wie Trello funktionieren.“ Gut, ich konnte ihn dann beschwichtigen, indem ich mobile, sexy Apps, Videokonferenzen und gemeinsame Textbearbeitung dort gezeigt habe. Bei den „normalen“ Desktop- und Browser-Anwendungen hat besagter Besucher mehr oder weniger angewidert weggeschaut.

Aber was sagt mir das? Bring your own device ist schon lange nicht mehr das Thema. Stattdessen sind wir schon lange bei Bring your own application. Warum setzen die Anwender Dropbox, Box, Slack, HipChat und so weiter und so fort ein? Weil sie mit den Lösungen der Unternehmens-IT einfach unzufrieden sind. Die Office’e dieser Welt funktionieren einfach nicht so, wie gerade die Innovativen es wollen. Sie kotzen ab, wenn sie Tabellen, Präsentationen und in Programmen das vierte Untermenü aufmachen müssen.

Klar, es gibt die unbelehrbaren Excel-ionisten und Folienpinsler dieser Welt, oft im mittleren Management verortet. Viele Mitglieder dieser Nomenklatura leben von und in Tabellen und unlesbaren Powerpoints. Das ist ihre Daseinsberechtigung und die verteidigen sie mit Händen und Klauen. Und das bisher noch erfolgreich. Bisher. Doch die Zeiten ändern sich unaufhaltsam. Langsam, aber unaufhaltsam, auch wenn sich die Softies dieser Welt dagegen stemmen.

iPhone, Smart Phones und Tablets generell, vor allem aber Apps haben die Anwender grundlegend und unwiderruflich versaut – siehe oben meinen „Middle Manager“ auf der dmexco. Eben unterdessen auch das neue mittlere Management und nicht mehr „nur“ Otto Normalanwender. Die Leute oder die Generation, die wie auf dem Smart Phone arbeiten will, tragen unterdessen Verantwortung und sind nicht mehr nur ein kleines Rädchen. Genau deshalb werden es Möchte-gern-Monopolisten schwer haben, Anwender 365 Tage des Jahres in ihren Office-Anwendungen zu knebeln. Diese Zeiten neigen sich unaufhaltsam dem Ende, auch wenn sich IT und mittleres Management im Gleichklang zu wehren versuchen.

In Zukunft geht es darum, den Anwendern die Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, die sie benutzen wollen. Anbieter wie Apple oder Facebook und vor allem ganz neue Allianzen und Ökosysteme erhöhen den Druck auf Noch-Monopolisten. Tim Cook und Ginni Rometty, CEO’s von Apple und IBM, vereinbaren eine Allianz und die beiden Unternehmen entwickeln zusammen mehr als 100 mobile Apps. Apple schließt weitere Kooperationen mit Cisco und Deloitte und drängt in den Unternehmensmarkt. Cisco und IBM kooperieren und Cisco will IBM Watson in seine Lösungen einbauen. Ehemalige Wettbewerber kooperieren. Und Consumer Brands wie Facebook versuchen mit Workplace by Facebook in die Firmen zu kommen. Oder ist Facebook gar schon da, weil Anwender dort – und an anderen Stellen – schon Unternehmensdaten austauschen und über Unternehmensbelange sprechen? Da rächen sich Ge-yammer-e und unklare Produktstrategie gar manchen Herstellers.

In der Zukunft sollte es endlich darum gehen, wie die Anwender ihre Arbeit vernünftig erledigt bekommen. Der Druck ist da. Es geht nicht mehr nur um Unternehmenssoftware versus Apps, die die Anwender kennen und lieben. Auch die IT-Elefanten werden lernen müssen, mit neuen Partnern und auch ehemaligen Marktbegleitern zu tanzen. Sie müssen den Rhythmus finden, die Grundschritte kennen und ihre Schrittfolgen synchronisieren, um sich so in die Gesamtchoreographie einfinden. In der API-, App- und mobilen „Economy“ geht es darum, ein funktionierendes Ökosystem zu schaffen, das produktives Arbeit endlich erleichtert, ja ermöglicht. Neben wirklicher Benutzerfreundlichkeit sind Integration und Schnittstellen das entscheidende Thema. Und als Sahnehäubchen kommen dann noch Systeme der künstlichen Intelligenz ins Spiel, die Anwender in ihrer täglichen Arbeit unterstützen (müssen). Aber das ist ein anderes Thema und eines anderen Blogbeitrag wert.

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Stefan Pfeiffer
Stefan Pfeiffer ist seit Oktober 2016 Gastautor bei Denkhandwerker. Der ehemalige Journalist ist bei der IBM Deutschland-Österreich-Schweiz für das CIO Marketing zuständig und bloggt als CIOKurator und DigitalNaiv.