Blockchain verbessert eingestaubte Geschäftsprozesse

Trotz vieler geschäftlicher und technologischer Neuerungen wurde der grundlegende Prozess, wie Menschen und Organisationen Vereinbarungen untereinander treffen und ausführen, noch nicht systematisch über die einzelnen Prozessbeteiligten hinweg verbessert. Statt Geschäfte zu vereinfachen, wächst mit jeder Generation die Komplexität: mehr Mittelsmänner, mehr Prozesse, mehr Bürokratie für formale Interaktionen und insbesondere bei Finanztransaktionen. Gerade die Bürokratie der modernen Gesellschaft „kostet“ die Weltwirtschaft und Unternehmen jährlich Milliarden.

Zur Reduzierung von Kosten und Komplexität gibt es eine Technologie, die trotz einiger Publizität außerhalb eines noch kleinen Expertenkreises noch immer wenig verstanden wird – die Blockchain. Mit Blockchains kann digitales Vermögen (z.B. Zahlungen, Verträge, aber auch Fotos) schnell zwischen zwei oder mehr Parteien ausgetauscht werden und das auf risikoarme und nachprüfbare Weise, ohne Mittelsmann. Durch ihren dezentralisierten, sicheren, transparenten, konsensbasierten und flexiblen Charakter können Blockchains Arbeitsabläufe effektiver gestalten.

Das Verfahren basiert auf einem digitalen Hauptbuch mit eingebauten Regeln und Verträgen, das über ein Netzwerk gemeinsam genutzt wird und von dessen Datensätzen jeder eine eigene Kopie hat. Wenn eine Vereinbarung getroffen oder abgeschlossen ist, wird dies eingetragen – unauslöschlich, nachvollziehbar und nur für die Befugten sichtbar. Die eingebauten Regeln erlauben es, Verträge automatisiert zu prozessieren. Die heute üblichen Prozessbrüche mit vielen manuellen Schritten werden dadurch beseitigt. Es ist eine völlig neuartige Architektur, um Geschäfte zu machen – eine Grundlage, um eine neue Generation von Transaktionsanwendungen aufzubauen, die Vertrauen und Transparenz schafft, während Geschäftsprozesse rationalisiert werden.

Ein Beispiel: Ein Asia-Spezialitätenrestaurant in Deutschland möchte seinen Lieferanten in Fernost bezahlen. Die beiden Unternehmen nutzen verschiedene Banken, Logistikunternehmen, Währungen und sind anderen Regierungssystemen unterstellt. Ihre scheinbar einfache Transaktion wird zu einer langen Kette aus Interaktionen zwischen Banken, Vermittlern und Wirtschaftsprüfern. Dabei behält jede Partei ihre eigenen Aufzeichnungssysteme bei. Das Ergebnis ist ein komplexer, ineffizienter Prozess, der teuer und zeitaufwändig ist.

Mit Blockchain könnte der gesamte Prozess über ein kryptographisch abgesichertes Verfahren über verteilte Systeme abgewickelt werden, welches die Gefahr von menschlichen Fehlern oder strafbaren Handlungen minimiert. Und der gesamte Prozess könnte in wenigen Minuten anstatt in Tagen abgeschlossen werden.

Wir glauben, dass Blockchain die Offenheit und Hyper-Effizienz realisieren kann, die das Internet-Zeitalter verspricht. Deshalb engagieren wir uns für das Technologie-Wunder: Forschungs- und Entwicklungsteams von IBM arbeiten schon an Versionen von Blockchain, die für den Einsatz im Unternehmen an unterschiedlichen Stellen geeignet sind.

Denn viele Blockchain-Implementierungen und Werkzeuge sind noch nicht komplett bereit zur Verwendung für ernsthafte Geschäftszwecke. Das Konzept und die Architektur nehmen weiter Form an, aber einige wichtige Funktionen und Standards fehlen noch oder entstehen gerade erst. Beispielsweise erfordern viele Unternehmensanwendungen ein höheres Sicherheitsvermögen, als die meisten der heutigen Blockchain-Implementierungen bieten.

Blockchain sollte auf offenen Technologiestandards basieren, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen und die Kompatibilität und Interoperabilität der Systeme zu gewährleisten – nur so kann Blockchain breit angewendet werden und sich weiterentwickeln.

Dabei ist es wichtig, mit Unternehmen jeder Branche zu kooperieren, um Einsatzmöglichkeiten und Anwendungsmuster zu erfassen und zu lernen, wo der Blockchain-Ansatz funktioniert und wo nicht.

So entstehen Ideen und die Chance, vorhandene Lücken zu füllen. Ziel ist es, eine neue Generation von leistungsstarken Plattform-Technologien und Anwendungen aufzubauen, die die nächste Ära von Transaktionen prägen werden.

Thomas Harrer
Thomas Harrer ist seit September 2016 Gastautor bei Denkhandwerker.Er  ist als Chief Technical Officer für Systems Hardware verantwortlich für die technische Strategie des IBM Hardwarevertriebs in DACH. Als Diplom-Informatiker und IBM Executive Architekt arbeitet Thomas Harrer an interdisziplinären Aufgabenstellungen, bei denen die IT einen Beitrag zu Geschäfts-Innovationen für die Unternehmen leistet. Sein Spezialgebiet sind Architekturen für die IT Infrastruktur.