Schon heute sind die Auswirkungen der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt in vielfältiger Art und Weise spürbar. Neben den Auswirkungen des demographischen Wandels und der Globalisierung birgt gerade die Digitalisierung das Potential, die Arbeitswelt in den kommenden Jahren entscheidend zu verändern. Die Digitalisierung ermöglicht dabei die individuelle Lösungsfindung für Herausforderungen, die aus den anderen beiden Potentialen entstehen.

Die zentrale Frage, mit der sich Unternehmen, Gesellschaft und Politik dabei zu beschäftigen haben, ist wie wir mit der Digitalisierung umgehen wollen und inwieweit wir den Veränderungen offen gegenüberstehen.

Die Vorstellung, dass heute noch präventive Konzepte für den Umgang mit digitalen Veränderungen geschaffen werden können, ist dabei nicht mehr aktuell. Fakt ist, dass die Digitalisierung schon lange in unserer Arbeitswelt angekommen ist.

Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft beschäftigen sich so zum Beispiel schon heute 40% der deutschen Unternehmen intensiv mit den Auswirkungen der Digitalisierung. Home-Office, Crowdworking und Robotik sind keine Zukunftsmusik, sondern haben schon lange Einzug in unsere Wirtschaft gefunden.

Für den Arbeitnehmer ergeben sich hierdurch besonders im Dienstleistungsgewerbe viele Vorteile. So steht in vielen Bereichen der deutschen Wirtschaft heute nicht mehr die Zeit am Arbeitsplatz, sondern das „outcome“ im Mittelpunkt. Im Rahmen einer outcome-fokussierten Tätigkeit, sind Arbeitszeit und –ort  nicht mehr die entscheidenden Faktoren, solange das Arbeitsergebnis fristgerecht vorliegt. Dies bietet vielfältige Verbesserungen für die Work-Life-Balance und die Gestaltung der Lebensentwürfe der Arbeitnehmer.

Das Potential der räumlich und zeitlich entkoppelten Arbeit zeigt sich unter anderem für Familien mit Kindern. So bietet sich beispielsweise für Mütter nach der Geburt die Möglichkeit, die Präsenzzeit im Unternehmen durch eine Home-Office Tätigkeit zu kompensieren und somit das Wohl des Kindes und die berufliche Tätigkeit zu kombinieren.

Die örtliche und zeitliche Flexibilität stellt für Arbeitnehmer allgemein eine Erleichterung dar: Pendler können so zum Beispiel ihre Arbeit auch im Zug oder im Flugzeug verrichten und private Termine können leichter in den Arbeitstag integriert werden.

Wenn von Arbeit 4.0 die Rede ist, muss aber auch die Arbeitsmarktentwicklung genauer betrachtet werden. Heutzutage werden vielfach Ängste geschürt, die Digitalisierung würde langfristig Arbeitsplätze kosten.

Diese Aussage muss allerdings differenziert betrachtet werden. Aufgrund der Komplexität digitaler Strukturen wird der Bedarf an Ingenieuren, Technikern, Programmierern und Mathematikern beispielsweise mit zunehmendem Grad der Digitalisierung weiter steigen. Andererseits gibt es besonders im Handwerk und im Dienstleistungsgewerbe, wie der Gastronomie und der Pflege weiterhin einen hohen Bedarf an qualifizierten Arbeitnehmern.

Es wird Berufsfelder geben, welche aufgrund der Digitalisierung zunehmend an Wichtigkeit und Bedarf verlieren. Arbeitnehmer, welche in solchen Beschäftigungsverhältnissen stehen, werden mit der Zeit umgeschult oder anderweitig eingesetzt werden müssen. Qualifizieren statt entlassen ist hier das Stichwort!

In Anbetracht des demographischen Wandels, bietet die Digitalisierung allerdings auch die Chance, mit einem geringeren Anteil an Arbeitnehmern, gemessen an der Gesamtbevölkerung, die Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik Deutschland stabil zu halten. Somit birgt die Digitalisierung tatsächlich die Gelegenheit, den demographischen Wandel zu relativieren. Hierzu sind Politik und Gesellschaft aber schon heute gefragt, um die richtigen Weichen zu stellen, damit Deutschland als digitaler Wirtschaftsstandort und als Sozialstaat auch zukünftig bestehen kann.

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Maik Beermann
Maik Beermann ist Bundestagsabgeordneter der CDU für den Wahlkries Nienburg II-Schaumburg im ländlichen Niedersachsen. Er ist Mitglied im Ausschuss für Digitale Agenda und im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In diesen Ausschüssen betreut er die Themen „Digitalisierung des Gesundheitswesens“, „Digitalisierung der Landwirtschaft“ und „Arbeit 4.0“ federführend für die CDU/CSU-Fraktion. Der gelernte Sparkassen-Betriebswirt ist der Auffassung, dass die Digitalisierung die Gesellschaft entscheidend verändern wird. Die Chancen, die aus digitalen Konzepten und Anwendungen erwachsen, sind vielfältig und zukunftsweisend. Als Bundestagsabgeordneter aus dem ländlichen Raum sieht er das Potential, dass Versorgungsengpässe auf dem Land zunehmend auch mit Hilfe digitaler Innovationen beseitigt werden können. Andererseits hat auch der richtige Umgang mit den entstehenden Daten für Beermann Priorität. Daten als „Rohstoff des 21. Jahrhunderts“ müssen rechtlich eindeutig zugeordnet werden, um Missbrauch vorzubeugen.