OK, um das zu verstehen, muss ich etwas ausholen…

Ich habe lange Jahre für ein Unternehmen in Karlsfeld bei München gearbeitet, welches Flugzeugtriebwerke produziert. Es sei vorweggenommen ein sehr guter Arbeitgeber, um den es auch nicht wirklich geht. Aber nun zum Thema, alle Jahre so Ende September Anfang Oktober wurden wir von einem wichtigen amerikanischen Partner auditiert. Natürlich hatte der gewählte Zeitraum nie was mit dem Oktoberfest zutun und dennoch war es immer derselbe Ablauf:
Alle IT Verantwortlichen wurden im großen Besprechungszimmer vereinigt, nach einer kurzen Vorstellung wurde über die sehr innovative IT gesprochen und dann wurde diese auch den Besuchern gezeigt! Ja wir sind in einer Delegation durch das RZ gelaufen und haben die diversen Switche, Router, USV, Dieselaggregate, Server, Klimaanlagen und Racks angesehen und bestaunt, der Abschluss war unser sensationeller Bandroboter für das Backup.

Im Anschluss ging es dann – wie zu vermuten war – auf die Theresienwiese wo zufällig das größte Volksfest der Welt seine Pforten geöffnet hatte.
Für alle, die sich mit den Anwendern beschäftigt haben, sprich für die Clients oder Office zuständig waren, waren diese Termine immer ganz toll, denn über Anerkennung müssen wir an dieser Stelle nicht nachdenken! Ja, 300 Server sind einfach toller, wie 7500 Clients an denen dann eben auch 8000 Mitarbeiter arbeiten.

Das letzte Mal habe ich die RZ Führung 1999 erlebt und nun kommen plötzlich andere IT’ler ,die sagen, wir können RZ viel billiger und eigentlich ist das nicht wichtig, denn es geht nur darum, dass die Anwender arbeiten können! JA, JA, JA Ihr sprecht mir aus der Seele, auch 1999 waren die Anwender wichtiger als die Server, nur waren die Server schöner, eindrucksvoller und an einer Stelle.

Nun zum Titel, heute ist das mit der Cloud und den IT’lern wie, wenn Du einem Kleinkind seinen Lolli wegnimmst und ihm dafür Hustensaft gibst. Hustensaft ist viel besser für die Zähne und gesünder als ein Lolli und dennoch schmeckt Hustensaft nicht! Die Cloud ist an vielen Stellen besser und billiger, nur schmeckt sie eben manchen IT’ler nicht.

Nun zurückgedacht, definiert sich die IT seit vielen Jahren über Hochleistungssysteme in einem klimatisierten Raum, das geht mir auch nicht anders, schließlich bin ich auch schon seit OS/2 Version 1.3 und/oder Windows 3.2 mit Digital Pathworks dabei. Zum Start meiner beruflichen Laufbahn haben wir noch an HOB Bildschirmen die Fertigungsdaten in eine ASCI basierte Maske in den Großrechner – Mainframe – geklopft. Mit der Einführung von OS/2 konnten dieselben Daten wenigstens in einer grafischen Oberfläche bearbeitet werden. Es ist, wie es ist, in der Vergangenheit hat sich vieles nur um das RZ gedreht, es (ist) war die IT, eine teure Investition.
Um beim Titel zu bleiben, es wird sich was verändern! Die Frage ist nicht mehr ob wir den Hustensaft trinken oder nicht, die Frage ist wann. Denn auch Früher war es so, wenn der kleine Karl seinen Hustensaft nicht getrunken hat, hat Mami gesagt, warte nur bis Papi nachhause kommt. Was will ich uns damit sagen? Als 1998-2000 die IT’ler in Deutschland am Höhepunkt der Gehaltslisten standen und dennoch die Firmen um jeden einzelnen Mitarbeiter gekämpft haben, hat auch keiner geglaubt, dass es vor der Rente noch einmal zu einer signifikanten Veränderung kommt. Doch dann wurden viele von den neuen Schlagworten „Kernkompetenz“ und „Outsourcing“ überrannt, nur wenige IT’ler waren in die Outsourcing-Pläne der Unternehmen involviert, die IT war der “Leittragende“.

Nun an alle IT’ler da draußen im Netz, wartet nicht bis „Papi“ heimkommt und ihr den Hustensaft schlucken müsst. Denn eines ist klar, eine Entscheidung ob Cloud oder nicht treffen eben andere und denen ist der Serverraum bestenfalls egal. An der Stelle sei ein chinesisches Sprichwort zitiert, wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Schutzmauern und die anderen Windmühlen.

„Karl Gerber: Ein Auto, ein Computer, ein Mann“

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Karl Gerber
Karl Gerber ist seit Mai 2017 Gastautor auf Denkhandwerker. Nach sehr unterschiedlichen Stationen im Daimler Konzern hat Herr Gerber sich im Jahre 2000 entschlossen den sicheren Schoß dieses tollen Unternehmens zu verlassen und sich auf den Weg in die weite Welt der IT zu machen. Seitdem ist er im Vorstand der IT Competence Group.