Auf Crowdinvesting Plattformen stattdessen werden die Startups durch die Plattformbetreiber i.d.R. vorselektiert. Dass muss nicht zwangsläufig Erfolg versprechen, aber zumindest sind die dort vorgestellten „Ideen“ aus den Kinderschuhen bereits draußen.

Als wir mit unserem Startup nach diversen öffentlichen Förderungen an den Punkt kamen, dass wir ohne externe Finanzierung nicht lange werden weitermachen können, startete bei uns ein Jahr voller bangen und hoffen. Wir pitchten auf verschieden Business-Angels Veranstaltungen, auf Konferenzen und Wettbewerben und sendeten unser Pitch-Deck an alle die den „Fehler“ machten Ihre Kontaktdaten öffentlich preiszugeben oder uns Ihre Visitenkarte zusteckten. Heraus kamen einige sehr interessierte potentielle Kapitalgeber. Wir merkten aber schnell, dass es ohne Umsatz und im jungen Alter sehr schwierig ist, eine zufriedenstellende Bewertung zu erreichen. Auch vermag die Erfahrung der mehrheitlich reiferen Kapitalgeber dem Wunsch der freien Gestaltung der Gründer wiedersprechen. Wir haben uns deshalb dazu entschieden, unser Schicksal ganz modern in die Hände der Crowd zu legen.

Die Vorteile einer Finanzierung durch die Crowd ist, dass man mit Erreichen der gewünschten Summe bereits ein Proof of Concept hat bzw. besser: einen deutlich größeren Vertrauensvorschuss als wie z.B. durch einen einzigen Investor. Dabei gewinnt man auch gleich viele Multiplikatoren die gerne Werbung für das verbundene Unternehmen machen. Auch muss man durch die meisten Finanzierungsformen keine Anteile abgeben, sondern verpflichtet sich die Crowd am Erfolg teilhaben zu lassen. Überaus fair wie ich finde.
Trotzdem bleibt das Geld teuer. Mit Prämien lockt man für Investments. Die Gebühren an den Plattformbetreiber, sonstige Kosten wie ein tolles Video aber vor allem auch die Umsatzbeteiligen tun weh. Grob überschlagen haben wir mit Abschluss des Fundings 30 % der eingeworbenen Summe bereits mit Überweisung dieser ausgegeben. Die Zinsen sowie die Tilgung kommen dann noch oben drauf und übersteigen die Darlehenssumme in den kommenden Jahren um ein Mehrfaches.

Für uns bedeutete das Crowdinvesting, das wir in einer frühen Phase, bevor wir unser Produkt verkaufen konnten und durften (Medizinprodukt), bereits Geld zu einer marktgerechten Bewertung einsammeln konnten. Dieses Geld wird für den erfolgreichen Marktstart verwendet. Mit den ersten Umsätzen können wir dann einer weitere Finanzierungsrunde aus einer viel besseren Verhandlungsbasis durchführen. Die Entscheidung zu einem Crowdinvesting hängt also oftmals vom Zeitpunkt ab.

Wir danken aescuvest.de dass sie als Plattformbetreiber unserem ello (elektrischer Rollator) Ihr Vertrauen geschenkt haben und uns zu uns zu der Zielsumme von fast 250.000 Euro geführt haben.

 

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Benjamin Rudolph
Benjamin Rudolph ist seit November 2016 Gastautor bei Denkhandwerker.Benjamin Rudolph (MBA UofL), geboren am 5. Mai 1988 in Ludwigsburg bei Stuttgart, ist seit über 2 Jahren überzeugter Unternehmer. Nach seiner Ausbildung zum Fachinformatiker bei der LBBW (Landesbank Baden-Württemberg) arbeitete er über drei Jahre in zwei deutschlandweiten agierenden Unternehmensberatungen, u.a. als Projektleiter, und studierte berufsbegleitend Wirtschaftsinformatik. Im Jahr 2014 schloss er einen MBA mit dem Schwerpunkt Entrepreneurship und Global Business an der University of Louisville in Kentucky, USA ab.