Die digitale Evolution der Gesellschaft

Und bevor nun falsche Erwartungen aufkommen in welche Richtung dieser Beitrag geht, sei deutlich gesagt, dass es mir nicht um die Analyse der ökonomischen Potentiale des Crowdfundings geht. Darüber gibt es bereits ausreichende öffentlich zugängliche Lektüre und ebenso viele Meinungen. Mir geht es um den Meinungsbildungsprozess am Beispiel Crowdfunding, sein gesellschaftliches Potential. Persönlich bin ich seit meinem ersten Kontakt mit Crowdfunding fasziniert von dieser Idee, deren klares Plus darin besteht auf einer öffentlichen Plattform Macher, Finanziers und potentielle Kunden zu vernetzen. Die weniger attraktive Alternative wäre es monatelang an Geschäftsplänen zu arbeiten, dabei keine Zeit mehr für die eigentliche Idee zu haben und dass alles „nur“, um einen Kapital – „Bürokrieger“ von dem künftigen Business zu überzeugen. Das ist natürlich etwas überspitzt dargestellt aber die meisten Visionäre sind nun mal mit der Führung einer Firma eher überfordert, als nur gefordert. Es wird dann aber recht schnell auch dem unbedarften Nutzer des Crowdfundings bewusst, dass am Ende des Tages die Idee nur dann umgesetzt werden kann, wenn alle notwendigen Erfolgsfaktoren passen. Jetzt werden Sie sicher sagen, dass nicht jede Idee eine ganze Firma zur Umsetzung benötigt – ja. Möchte uns zum Beispiel ein genialer Künstler mit einem besonderen Kunstwerk beglücken, dessen kreativer Umsetzung lediglich die von ihm nicht leistbaren Kosten im Wege stehen, dann kann auch hier Crowdfunding helfen.

Und so kommen wir auch schon zu den Faktoren die einfach passen müssen, um Crowdfunding Plattformen erfolgreich nutzen zu können. Obgleich die Zielsetzung des Erfolgs zuweilen zwei Blickwinkel erlaubt. Zum einen das Ziel des nach der Crowd suchenden Akteurs und dem Ziel (oder den Zielen) der Crowd selbst. Willkommen in der schönen neuen Welt des Crowdfundings. Welcher persönlichen Überzeugung sich auch immer folgen, welche Projekte im Fokus von Crowdfunding stehen sollten, unterliegt letztendlich auch hier dem Markgesetz von Angebot und Nachfrage. Damit wären wir auch schon bei 3 wesentlichen Gesichtspunkt vom Crowdfunding:

Punkt 1
Wenn sich nicht ausreichend viele in der Crowd für eine Idee interessieren, dann wird es auch kein Erfolg. Die Aufmerksamkeit will also geweckt werden. Hier sollte man nicht davor zurückschrecken sich Erfolgskonzepte professioneller Marketingakteure etwas genauer anzuschauen.

Punkt 2
Ob und welche Gegenleistung die Crowd als angemessen für deren Engagement empfindet hängt von dem Projektgegenstand selbst ab und was man von der Crowd als Unterstützung erwartet.

Punkt 3
Die Versprechen an die Crowd dann auch nach erfolgreichem Funding zu erfüllen, wird nicht nur Rückwirkungen auf Ihre Glaubwürdigkeit haben, sondern auch auf das Crowdfunding selbst. Achten Sie also bitte stets darauf, dass Crowdfunding kein Puppentheater ist. Mit dem nötigen Respekt vor diesem Tool sichern Sie auch die Nutzbarkeit für weitere Anwender.

Diese drei Punkte zu beachten und zu meistern ist nicht weniger anspruchsvoll als einen Businessplan aufzustellen. Und sie unterscheiden sich auch nicht im Geringsten von den ohnehin bekannten Marktgesetzen. Ich möchte Ihnen damit keines Wegs den Mut nehmen auf Crowdfunding zu setzen. Sie sollten sich im Gegenteil immer vor Augen halten, dass es am Ende darum geht, wie immer, andere Menschen für Ihre Idee zu überzeugen. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht darüber philosophieren, wie sich eine Crowdfunding Plattform für andere Ziele zweckentfremden lässt. Und da spreche ich bewusst nicht von Missbrauch, da Missbrauch durch falschen oder schlechten Gebrauch definiert wird. Ein falscher Gebrauch von Crowdfunding Plattformen lässt sich nur aus den Nutzungsbedingungen ableiten und ein schlechter Gebrauch wird individuell subjektiv bewertet. Und das bietet genug Stoff für eigene Beiträge. In jedem Fall kann ich nur an Sie appellieren nicht in die Versuchung zu kommen eine solche Plattform mit krimineller Energie zu nutzen, um sich Kapital zu erschleichen, das wäre dann in der Tat Missbrauch, strafbarer und in höchstem Maße unfair gegenüber den ehrlichen Nutzern. Und bevor Sie jetzt sagen „Dann komm endlich zum Punkt!“, leite ich nun über, zum eigentlichen Grund meines Beitrages, die digitale Evolution unserer Gesellschaft und welchen Beitrag Crowdfunding daran hat.

 

Crowdfunding schnell erklärt (Quelle:Youtube/explainity)

Wie Ihnen mit Sicherheit nicht entgangen ist, befinden wir uns ein einer sehr dynamischen Zeit der digitalen Medien. Ringsum wachsen Medien Projekte durch neue und bekannte APP’s, mit deren Hilfe einige wenige Firmen gigantische Gewinne realisieren und dies mit verhältnismäßig geringem Personalaufwand. Manche meinen wir hätten bereits den Gipfel des Hypes erreicht und befinden uns nun in der Phase der Konsolidierung. Ich sage jedoch es hat gerade erst begonnen spannend zu werden. Während immer mehr Firmen auf den Datenzug aufspringen und dabei auf immer leistungsfähigere künstliche Intelligenz setzen, um die Datenflut zu bewältigen, macht sich die Gesellschaft, scheinbar unbemerkt, daran eine Veränderung in Gang zu setzen, die so von den Machern sicher nicht beabsichtigt war. Doch wir kennen ja alle den Zauberlehrling: „Die Geister die ich rief …“. So verhält es sich dann auch mit den Digitalen Medien. Es wird gewiss eine Zeit dauern, in der die Nutzer den verheißungsvollen Möglichkeiten sozialer Medien Blindlinks folgen und an den damit verbundenen „digitalen Krankheiten“ leiden, auf die ich auch nicht näher eingehen will, bis die Sättigung und Frustration des Informationsoverflows einsetzt und man sich dann wieder daran erinnert, wie schön doch die gemeinsamen Grillabende waren, ohne APP-lenkung durch Smartphone-Magie. Es liegt dabei noch an jedem selbst Gefallen daran zu finden, in einem gigantischen Ozean an Informationen von beliebigen Strömungen getrieben zu werden oder dem Bedürfnis an selbstbestimmten Handelns und ein bisschen mehr Privatsphäre zu folgen und entsprechende Plattformen zu nutzen, die dies bieten. Es ist der Preis der digitalen Freiheit, dass nun auch Erwachsenen eine erneute Kindheit durchleben, nur eben als digital pubertierende Individuen. Und ich kann Ihnen sagen, unsere Kinder tun sich damit wesentlich leichter, da sie es mit ihrem natürlichen Entwicklungsprozess verbinden können. Und um wieder auf das Thema Crowdfunding zurück zu kommen, können wir hier etwas sehr Interessantes beobachten.

Im Gegensatz zu den klassischen Gesellschaftsmechanismen, in denen wir gewohnt sind, gefangen in hierarchischen Strukturen, den Erwartungen der Elitären Führung zu folgen, haben wir in der DWWS (Digital World Wide Society), die erste weltweite Gemeinschaft ohne Regierung und ohne Territorialen Besitzanspruch. Im Gegenteil entwickelt sich eine Kultur des Teilens und Bewertens. Wie das Crowdfunding zeigt, werden scheinbar Marktgepflogenheiten auf den Kopf gestellt. Während sich so manche Marketingstrategen noch an dem wunderbaren neuen Werkzeug Crowdfunding erfreuen, das in ihren Augen nicht mehr als ein Crowd-Kommunikationskanal ist, nimmt die „pubertierende“ digitale Gesellschaft, zu der nun auch wir Erwachsene zählen, Anlauf auf die digitale Volljährigkeit. Erstmalig in der Geschichte der Menschheit sind alle Generationen in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess vereint, ohne klassische Konfliktpotentiale der Generationen im Kampf um die Weisheit des Lebens. Die gemeinsame Herausforderung des digital geprägten Umbruchs der Gesellschaft, in dem sogar die jüngere Generation die älteren unterstützen kann, verbindet uns in den Sozialen Medien des WWW und bietet uns eine völlig neue Möglichkeit der kollektiven Meinungsbildung und Selbstbestimmung. Nun werden sie sich vielleicht fragen, was das alles mit Crowdfunding zu tun hat. Es ist der aus meiner Sicht faszinierende Beginn eines neuen Gesellschaftsmodells, das die bestehenden Modelle abzulösen im Stande ist. Crowdfunding, mit ökonomischen Primärzielen zeigt uns bereits, dass ein solches Modell funktionieren kann. Es ist fast schon erschreckend einfach, um tatsächlich wahr zu sein.

An einem historischen Beispiel möchte ich dies kurz verdeutlichen. Denken wir uns zurück in die späte Römische Republik (73 v. Christus), in der Nachrichten noch zu Pferd oder mit Brieftauben über lange Strecken verbreitet wurden, ohne die Gewähr auch anzukommen. In dieser Zeit, weit entfernt von Werten des heutigen Europa, hat es einen Mann gegeben, sein Name war Spartacus, der es gewagt hat sich gegen das ihm aufgezwungene Lebensmodell aufzulehnen und fand dafür die notwendige Anzahl an Anhänger, zu Neudeutsch „Follower“, um sich aus den Fesseln der Gladiatorenschule zu befreien und tausende Mitstreiter dafür zu begeistern. Und das ohne Facebook & Co. Welches Ziel sie damals auch immer verfolgten, sei dahingestellt aber ihr Aufstand unterschied sich grundlegend von den unzähligen Aufständen dieser Zeit. In den historischen Überlieferungen ist die Rede davon, dass Spartacus sowohl die Beute seiner Schlachten gerecht in seinem Heer verteilen ließ, wie auch seinem Heer das sinnlose Plündern und Morden untersagte. Er befahl überdies noch die Waren, die sie benötigten, zu bezahlten, statt zu rauben. Etwas abwegig formuliert die wohl früheste Form von Crowdfunding: „Erzähl anderen von deiner Idee, finde Unterstützer die etwas dazu beitragen und gib ihnen eine angemessene Gegenleistung. Sorge jedoch dafür das die Idee nicht durch unsoziales Verhalten bei der Öffentlichkeit in Misskredit gerät“.

Crwodfunding ist scheiße“ – eine etwas andere Sichtweise auf das Thema bekommen Sie in dem Artikel von Axel Oppermann.

Und was hat das nun mit unserer schönen Neuen Welt zu tun, fragen Sie vielleicht. Ganz einfach, wir brauchen nicht mehr durch die Lande zu ziehen, physische Schlachten zu schlagen, um Beute für die hungrigen Followers zu machen. Wir haben heute die Sozialen Medien und können Milliarden Menschen auf der ganzen Welt erreichen ohne deren und unser Leben dafür aufzugeben. Und anders als bei bloßen Foren oder „I like that!“ Plattformen, geht es beim Crowdfunding darum etwas nutzvolles real zu unterstützen, statt nur darüber zu reden und sich dann dem nächsten Thema zu widmen. Ideen, für den die Crowd bereit ist zu investieren, obgleich es keine Erfolgsgarantie dafür gibt. Jeder leistet einen vertretbaren Beitrag, der auch wenn es nicht klappt niemanden in ein Problem treibt. Dabei bilden wir eine temporäre Gemeinschaft einem verbindenden Ziel. Das Wesentliche ist dabei, dass jemand etwas anbietet und es nur dann zur Umsetzung kommt, wenn es als unterstützenswert, also von der Crowd als brauchbar, bewertet wird. Anders als beim klassischen Kapitalismus, in dem jemand mit ausreichend Kapital einen Vermarktungsweg für sein Produkt sucht aus dem er dann Profit schlagen kann und wenn es nicht wirklich gebraucht wird, ist es am Ende eine Frage des Kapitaleinsatzes und geschicktem Marketing, um den Konsumenten zielführend zu manipulieren. Und bevor nun jemand anmerkt, dass auch Crowdfunding nicht frei von potentiell manipulierender Nutzung ist, bleibt es dennoch am Ende eine Entscheidung der Crowd ein Projekt zu unterstützen oder nicht. Und bei fehlender Unterstützung bleibt es dann zu hoffen, dass die Marketingstrategen es uns auf anderem Weg unterschieben wollen, sondern den fehlenden Business Case erkennen und es bleiben lassen. Also in einem ganz basisdemokratischen Abstimmungsprozess, ähnlich einer Wahl. Nur das die Versprechungen konkret, deren Erfüllung messbar und der zu erwartende Nutzen abschätzbarer ist als übliche politische Wahlversprechen.

Spinnen wir nun den Pfaden der Crowdfunding Plattform etwas weiter und denken uns in die nahe Zukunft (vielleicht schon in 20 Jahren) und stellen uns folgendes vor:

Die althergebrachte Art zur Wahl zu gehen wurde aus Effizienzgründen abgeschafft. Die Sicherheit der digitalen Medien auf das Niveau der nicht Manipulierbarkeit von Wahlen angehoben und Parteien wurden abgeschafft. Die gesellschaftliche Ausrichtung und notwendige Entwicklungsplanung wird nun im Detail durch die Bevölkerung bewertet und ein definiertes Minimum an Follower ist erforderlich, um beabsichtigte staatliche Projekte und Gesetze in die Umsetzung zu überführen.

„Ups“, Parteien wurden abgeschafft und über Gesetze und stattliche Projekt wird jetzt abgestimmt? Ist das nicht ein bisschen weit gesprungen?

Keines Wegs. Doch der Reihe nach. Crowdfunding zeigt uns, das Menschen über soziale Medien zu Unterstützung und nicht nur zum „meckern und besser wissen“ motiviert werden können, da sie den direkten Nutzen ableiten können. Dieses Prinzip ist von Grund auf demokratischer Natur. Ein Thema wird offeriert und eine definierte Anzahl von Unterstützern, also die Themen bezogene Mehrheit, wird durch Abstimmung gewonnen. Dabei muss jener, der die Unterstützung anfragt ausreichen Informationen zur Verfügung stellen, um die notwenige Mehrheit auch zu bekommen. Soweit klar, oder? Und jetzt kommt es. Schauen wir uns die Geschichte der Parteien an, warum sie notwendig waren und warum sie nun die Dinosaurier der Neuzeit sind.

Parteien sind aus der Notwendigkeit heraus entstanden, die sich schlicht aus dem Bedürfnis einer definierten Interessensgemeinschaft, zur einflussnehmenden Vertretung durch Machtausübung in der Gesellschaft, entwickelt hat. Auch wenn manche Parteien zuweilen abwegig agieren, so sollte doch keine Partei einen reinen Selbstzweck verfolgen. Da sich die Ausübung von Macht in der Vergangenheit primär über physische Präsenz manifestieren musste, in Demokratien über die Anzahl der Anhänger, da politische Macht immer auch verbunden war mit dem staatlichen Gewaltmonopol zu ringen, dass ab einer kritischen Masse von aufbegehrenden Bürgen zu unkontrollierbarer Instabilität führen würde, war und ist es auch heute noch so, dass große Gemeinschaften politische Macht nicht dadurch ausüben, indem sie gute Ideen umsetzen wollen, sondern sich, über die Anzahl ihrer Anhänger im Rücken, das gewichtige Gehör verschaffen.

Selbstredend, dass auf der anderen Seite auch mit ausreichendem Kapital wirksamer Druck ausgeübt werden kann, da von versiegenden Geldströmen immer Anhänger betroffen sein werden. So haben wir heute die klassische Mehrparteiendemokratie, in der die Parteien mehr oder minder erfolgreich um die Gunst der vielen Wähler buhlen, um am Ende doch nur auf jene Inhalte zu fokussieren, die ihren Machtanspruch sichern, auch wenn es gesellschaftspolitisch kontraproduktiv sein kann. Ausnahmen gibt natürlich auch hier immer mal wieder. Also am Tag der Wahl zeigen wir mit unseren Stimmen, welchen Versprechungen wir mehr Glauben schenken, die sich mit unseren Interessen größtmöglich decken. Und bevor wir nur in Richtung Politik wettern, sei hier klar gesagt, das auch wir Wähler nicht frei von Befangenheit sind, wenn es um gesellschaftspolitische Interessensvertretung geht. Doch stopp mal, was heißt hier eigentlich Vertretung?

Wenn wir z.B. einer Partei die absolute Mehrheit geben würden, weil sie unsere Bedürfnisse versteht und funktionierende Rezepte der Umsetzung bietet, die auf eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung trifft, dann hätten wir doch für diese Legislaturperiode quasi eine Ein-Parteienmacht legitimiert, oder? Ist das dann noch Demokratie oder müssen wir nur verstehen, dass wir in einem Rechtsstaat wie dem unseren und den technischen Möglichkeiten eigentlich gar keinen Bedarf mehr von Parteien haben. Vor wem sollen Sie uns denn auch vertreten, wenn niemand da ist der den Willen des Volkes ignoriert. Wir Wähler wollen doch schließlich nicht als gigantisches HR Department missbraucht werden oder? Wenn die Parteien tatsächlich nur das umsetzen wollen, wofür wir sie letztendlich gewählt haben, dann könnten wir doch alternativ auch die modernen Medien nutzen, um über die Themen jeder Zeit zu diskutieren und abzustimmen, die unsere Gesellschaft bewegen. Und uns nicht in unserer Meinungsbildung über die Länge einer ganzen Legislatur im Vorhinein festzulegen. Kluge Köpfe könnten durch ihre Ideen zu Lösungen anregen und dann könnten wir darüber abstimmen. Im digitalen Zeitalter eine Frage von Sekunden. Wir müssten nicht erst Jahre bis zur nächsten Wahl warten, um dann tagespolitische Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu korrigieren.

Dringende Sonderthemen könnten durch Abstimmung von der Bevölkerung mitgetragen werden und so für Nachhaltigkeit sorgen, statt mit der nächsten an die Macht kommenden Partei dann einen Rückwärtsgang einzulegen. Stabilität würde hieraus durch die Regelung der Mindestanzahl von Zustimmungen erfolgen. Wir müssten auch nicht unbedingt erst warten bis zu einem Wahlstichtag, sondern könnten Gebrauch machen von der Entscheidung zum Zeitpunkt der mehrheitserreichenden Zustimmung. So wie beim Crowdfunding das Projekt als bestätigt gilt, sobald die beantragte Projektkapitaldeckung erreicht wurde. Und wenn es keine Mehrheit gibt, dann ist das eine demokratisch zu akzeptierende Tatsache und der Versuch Themen durch mehrfach angestoßene Abstimmungen in die Absurdität demokratischer Mechanismen zu treiben, würde nicht funktionieren, da das Interesse der Crowd abnehmen dürfte.

Ich stelle mir das richtig spannend vor und höre jetzt schon die Stimmen der Bedenkenträger: „Um Gottes willen, das ist Anarchie. Wir können doch nicht ständig die Bevölkerung fragen, die sich so leicht manipulieren lässt! Und wer überwacht, dass wir nicht mehr Geldausgeben wollen als wir haben?“ Denken Sie auch so?

Natürlich sind wir jetzt gesellschaftlich noch nicht bereit dafür. Das wäre auch mir ein zu gewagtes Experiment. Aber wir könnten es Schritt für Schritt einführen, mit leichteren Entscheidungsthemen zu beginn, also nichts wie Brexit & Co. und würden dabei wertvolle Erfahrungen sammeln ohne gleich das bestehende System von heute auf morgen auf den Kopf zu stellen. Schließlich sollen die Apparatchiks der Parteien eine faire Chance bekommen Ihr Lebensmodell angemessen neu auszurichten. Und davon abgesehen, bietet die wunderbare Welt der sozialen Medien ausreichend Platz für Diskussionsführer und Visionäre. Und wir könnten ja dann einen monetären Anreiz für gute Lösungsvorschläge schaffen (und nur für Lösungsvorschläge, weil meckern kann jeder).

 

Über ein Bewertungserfolgssystem, finanziert aus freiwerdenden Steuermitteln, da wir ja dann keine Parteien mehr fördern müssen, könnten wir das realisieren. Das wären dann wieder ähnlich dem Crowdfunding Ansatz. Im Staatsapparat würde ich dann Angestellte sehen wollen, die uns durch ihre professionelle Ausbildung, zum einen die budgetären Grenzen aufzeigen und zum anderen auf Notwendigkeiten aufmerksam die vielleicht nicht die entsprechende Aufmerksamkeit der Bevölkerung genießen. Im Interesse der Rechtsstaatlichkeit sorgen Polizei & Justiz durch weitreichende Kontrollrechte natürlich dafür, dass die bürokratisch erforderlichen Abläufe nicht zur Verschleierung von Veruntreuung, Korruption oder Betrug missbraucht werden können. Und die regelmäßige Berichtserstattung der Umsetzungen den Erfordernissen einer effizienten und transparenten Informationspolitik entsprechen.

Ohne Zweifel eine Herausfordernde Sichtweise ohne den Anspruch zu erheben alles bedacht zu haben. Aber wer könnte das schon von sich behaupten alles zu wissen. Ich weiß nur, dass die Transparenz und Akzeptanz mit der Anzahl der eingebundenen Meinungen steigt, obgleich die daraus resultierende Komplexität des Diskussionspotentials neue Herausforderungen an uns stellt, die wir sicher meistern werden. Wie denken Sie darüber?

Das Thema Crowdfunding interessiert dich? Dann lies doch folgenden Artikel über die verschiedenen Plattformen und das Erfolgsversprechen des Prinzips Crowdfunding.

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Danny Borke
Danny Borke ist seit August 2016 Gastautor bei Denkhandwerker.Danny Borke ist Diplom Informatiker und seit 15 Jahren bei der BMW AG in der Elektronikentwicklung tätig. Aktuell ist er in diesem Bereich als Senior Development Consultant in China tätig.Mehr von Danny Borke: LinkedIn