Gerne möchten wir euch auf das aktuelle Buch „Das Industrie 4.0 Arbeitsbuch“ von unserem Gastautor Nicki Borell hinweisen. Er setzt sich mit der Frage auseinander, ob Digitalisierung, Industrie 4.0 und Disruption unterschiedliche Dinge sind.

Hier ein Auszug aus dem Kapitel „Der Arbeitsplatz der Zukunft“

Wenn wir über „Industrie 4.0“ sprechen, geht es eben auch darum, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der Innovationen und disruptive Ansätze möglich sind. Eine solche Arbeitsumgebung unterscheidet sich zwangsläufig von einem traditionellen Arbeitsplatz und der dazugehörigen Stellenbeschreibung. Quartalszahlen und Umsatzziele zu erreichen, Scorecards zu füllen oder die Produktivität um 10 % zu steigern, ist hier nicht das Ziel. Das bedeutet nicht, dass es in einer Moonshot-Abteilung keine Regeln, Vorgaben oder Kontrollen gibt. Auch innovative Arbeitsumgebungen, die es zum Ziel haben, disruptive Ideen auszubrüten, müssen nach unternehmerischen Maßstäben geführt werden, nur gelten hier eben andere Rahmenparameter.

Als gutes Beispiel dient auch hier wieder Google X. Jede Idee, die dort geboren wird, durchläuft gewisse Prozesse, wie z. B. die Prüfung der generellen Machbarkeit etc. Ein wesentlicher Punkt ist dabei aber auch, dass es eine Geschäftsidee dazu geben muss. Gerade bei Innovationen, die sich mit Basistechnologien wie z. B. Werkstoffkunde oder innovativem Prozessdesign beschäftigen, ist die Frage „Und was machen wir damit, wenn es fertig ist?“ nicht immer vom ersten Tag an offenkundig. Insofern steht die tatsächliche Vermarktbarkeit nicht zwingend an erster Stelle. Klar ist aber, dass nach ein paar Monaten eben auch eine Möglichkeit der Monetisierung ersonnen sein muss.

Meist ist das jedoch gar nicht das Problem. Unternehmen sind heutzutage sehr gut darin, ihre Produkte und Ideen zu vermarkten. Die Herausforderungen, gerade im innovativen Bereich der „Industrie 4.0“, sind viel eher, wie solche Ideenfabriken zum Laufen gebracht werden können. Welcher „Nährboden“ ist dafür nötig? Welche Voraussetzungen müssen dafür geschaffen werden? – Das sind die Fragen, um die es geht.

Arbeitsumgebung

„Mensch im Büro“ ist der Name eines Unternehmens für Büroausstattung aus Düren. Auf der Website der Firma finden sich folgende Themenbereiche:

  • Gestaltung von Arbeitswelten
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement
  • Kostenanalyse | Optimierung
  • Service 360° Changemanagement, Projektunterstützung usw.

Am interessantesten finde ich den Punkt „Changemanagement“, ein Themenfeld, das ich nicht unbedingt bei einem Unternehmen für Büromöbel erwartet hätte. Das Unternehmen „Mensch im Büro“ sieht sich nicht als klassischen Büroausstatter, sondern vielmehr als Partner und Dienstleister bei der Gestaltung neuer Arbeitsumgebungen.

40 % der Angestellten arbeiten inzwischen im Bereich der sogenannten Wissensarbeit, Tendenz steigend. Wie weiter vorne im Buch schon beschrieben, werden nur noch 25 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts im produzierenden Gewerbe erwirtschaftet. Die Studie „Open Innovation for small and medium sized Enterprises“6 des Fraunhofer Institute for Industrial Engineering widmet sich sehr ausführlich dem Wandel in der Arbeitswelt und den damit einhergehenden Veränderungen in Unternehmen.

Das Fraunhofer-Institut bietet, basierend auf dieser Studie, Unternehmen für das Thema „Wandel in der Arbeitswelt“ sogar ein eigenes Audit mit – Zitat von der Website http://www.kpa.iao.fraunhofer.de – folgendem Fokus an:

„Die Kreativität und das Engagement der Mitarbeiter anfeuern und zur Sicherung des wirtschaftlichen Erfolges nutzen – für innovative Unternehmen ist das ein wesentlicher Erfolgsfaktor. In der Fertigung ist eine produktivitätsorientierte Arbeitsgestaltung heute bereits Standard. Für Wissensarbeit, verstanden als wissensintensive und wissensgenerierende Tätigkeiten, gibt es dazu bisher wenig fassbare Ansätze … Mit unserem Knowledge Work Performance Audit (kurz: KPA) unterstützen wir Sie darin, die Arbeitsbedingungen, die technologische Ausstattung, die Führungsstruktur und die Prozesse Ihres Unternehmens für möglichst produktive Wissensarbeit zu optimieren. Wir analysieren Ihren aktuellen Status und erarbeiten für Sie die wichtigsten Handlungsfelder.“

Das Angebot der Firma „Mensch im Büro“ und das Auditprogramm des Fraunhofer-Instituts sind demnach zwei Seiten der gleichen Medaille und ein wesentlicher Faktor, wenn wir über „Industrie 4.0“ sprechen. Gerade in innovativen Abteilungen / Moonshot-Abteilungen muss es möglich sein, dass agile und flexible Teams innerhalb kürzester Zeit ihre Arbeit aufnehmen können und wenn nötig genauso schnell auch wieder aufgelöst werden. Google trägt diesen Anforderungen z. B. mit Büromöbeln und Schreibtischen Rechnung, die ganz einfach auf Rollen verschoben und neu aufgestellt werden können. Je nachdem, wer mit wem gerade an welchem Thema arbeitet, geht der Umbau der Arbeitsräume innerhalb von wenigen Minuten vonstatten. Jetzt könnte man sagen, dass das ja gar nicht nötig sein sollte, da der eigene persönliche Schreibtisch heute ohnehin eher ein Auslaufmodell ist. Vor Kurzem hat z. B die Lufthansa angekündigt, für über 2.000 Mitarbeiter in der Verwaltung den persönlichen Schreibtisch abzuschaffen.

Personal

Ein weiterer wesentlicher Faktor der Studie des Fraunhofer-Instituts sowie beim Thema „Der Arbeitsplatz der Zukunft“ als solches ist natürlich auch der Mitarbeiter selbst. Im Manifest der Digital Natives schreiben Robert Dürhager und Timo Heuer dazu Folgendes:

Wir befreien die Arbeit

Klassische Neun-bis-fünf-Uhr-Jobs sind ein Relikt aus den Zeiten der Industrialisierung. Es wird Zeit, die Arbeit von starren Arbeitsmodellen zu befreien. Als Netzwerkindividuen befinden sich unsere globalen Kontakte in verschiedenen Zeitzonen, sodass die klassischen Arbeitszeiten für uns kontraproduktiv sind. Und auch den Arbeitsablauf wollen wir flexibel gestalten können. So lassen sich verschiedene Aufgaben miteinander verknüpfen und damit effizienter und schneller erledigen, wenn nicht sogar Synergieeffekte dafür sorgen, dass inhaltlich neue Ideen gefunden werden.

Genauso arbeiten wir lieber ortsunabhängig an der Stelle, die uns gerade am nützlichsten erscheint. Das kann ein Café, ein Büro oder das Homeoffice sein. Das Internet erlaubt uns, von überall aus mühelos auf arbeitsrelevante Daten und Instrumente zugreifen zu können.

Flexible und öffentliche Arbeitsmöglichkeiten, flache Hierarchien und Mitbestimmung sowie Vertrauen, motivierende Herausforderungen und eine ergebnisorientierte gerechte Bezahlung sind die Arbeitsqualitäten unserer Wahl.

Arbeit kann nur privat sein

Unser Wertesystem kennt neben Lohn auch den Wert der Selbstverwirklichung und Eigenmotivation. Zwischen Arbeit und Privatleben zu unterscheiden fällt unter diesen Voraussetzungen schwer. Für uns gehört es zum Alltag, dass viele Angelegenheiten in beide Kategorien fallen und somit immer nach persönlichen Maßstäben und anhand allgemeiner Moralvorstellungen bewertet werden.

Eine Arbeitsstelle messen wir also daran, welche persönlichen Wachstumschancen sie uns eröffnet und wie motivierend ihr Arbeitsumfeld für uns sein kann. An Unternehmen schätzen wir, neben deren Transparenz und Offenheit, auch den sozialen Umgang mit Arbeitnehmern und Umwelt.

Hier fallen gleich mehrere Aspekte auf, die sich teilweise mit den Handlungsfeldern aus dem Fraunhofer-Audit und der Angebotspalette dem Unternehmen „Mensch im Büro“ decken:

  • Arbeitszeitmodelle
  • Arbeitsort
  • Netzwerkbildung über Unternehmensgrenzen hinweg
  • Hierarchien und Organisationsstrukturen
  • das Thema Fachkräftemangel
  • Geld allein motiviert nicht

Solche Ansätze, wie im Manifest der Digital Natives beschrieben, können unmöglich problemlos in eine gewachsene Alltagsstruktur übernommen werden. Gut, der Anteil der nach der Jahrtausendwende geborenen Mitarbeiter in den Unternehmen ist immer noch gering, wird aber erstens zwangsläufig stetig wachsen und dazu kommt zweitens, dass die Ideen und Ideale der Digital Natives immer mehr allgemeine Akzeptanz und Gefallen finden. Dies ist nicht zuletzt deswegen der Fall, weil sie eine gute, wenn nicht gar zwangsläufig nötige Voraussetzung für disruptive Innovationen und „Industrie 4.0“-Prozesse darstellen.

Die Gestaltung des Arbeitsplatzes der Zukunft stellt für viele etablierte Unternehmen somit ein eigenes Moonshot-Projekt dar, das erst einmal ausprobiert und erprobt werden muss, um es dann sukzessive in den Unternehmensalltag zu integrieren.

Egal, ob Sie es jetzt mehr mit dem Angebot des Unternehmens „Mensch im Büro“, den Ansätzen des Fraunhofer-Instituts oder dem Manifest der Digital Natives halten, auf das Wesentliche fokussiert, beschreiben sie alle die gleichen Rahmenparameter für den Moonshot-Arbeitsplatz der Zukunft.

 

Alles über Nicki Borell erfährst du hier.