Während andere Länder schon längst umfassend die Chancen der Digitalisierung nutzen, diskutiert man in Deutschland noch, validiert oder prüft die Risiken. Egal ob in der öffentlichen Verwaltung, kleinen Unternehmen oder bei mittelständischen Weltmarktführern: Digitalisierung wird zu oft als ein Modewort gesehen. Dies weisen von uns durchgeführte Studien nach, belegen Forschungsprojekte und zeigen tägliche Gespräche.

Natürlich lässt sich die Technikakzeptanz hierzulande nicht pauschal über einen Kamm scheren. Und auch die bei uns übliche intensive Prüf- und Diskussionskultur ist gerechtfertigt und bringt einen klaren Mehrwert. Erleben wir doch eine Zeit, in der die Komplexität wieder Einzug in die Wirtschaft und unser tägliches Leben hält. Realität ist: Jeder Innovationssprung, jede Neuerung, bringt Chancen und Risiken, bringt Erleichterungen, aber auch neue Formen der persönlichen und gesellschaftlichen Belästigung. Beispiele gefällig? Keine E-Mail ohne Spam, keine WhatsApp-Gruppe ohne nervtötende Beiträge, keine digitale Transparenz, ohne dass unsere privaten Vorlieben ans Licht kommen. Nur wenige zusätzliche Informationen reichen oftmals, um Rückschlüsse auf Personen zu ziehen. Wir können die Augen nicht davor verschließen, dass im Schatten digitaler Innovationen erhebliche Gefahren heraufziehen. Dies sind einerseits sicherlich Cyberattacken. Andererseits aber auch die mit den enormen wirtschaftlichen Wachstumsimpulsen der Digitalisierung der Arbeit einhergehende Entfremdung des Menschen mit der Arbeit und enttäuschte Hoffnungen.

Es gibt Menschen, die sehen der Digitalisierung mit großen Ängsten entgegen, und viele Unternehmen haben kein Konzept, wie sie in einer digitalisierten Welt überleben sollen. Das Spektrum der Meinungen, Einstellungen und Reaktionen ist groß. Warum? Weil wir alle gemeinsam erst am Anfang dieser elementaren Umwälzungen stehen. Wird das Thema Digitalisierung heruntergebrochen auf die Arbeitswelt oder auf Arbeitsplatzkonzepte und dabei das Verständnis von Arbeit für den einzelnen und unsere Gesellschaft betrachtet, ist ein radikaler, nicht ein gradueller Wandel das, was sich abzeichnen wird. Das bedeutet: Nicht die stückweise Transformation des Verständnisses von Arbeit wird Gegenwart und Zukunft bestimmen, sondern deren Neuerfindung. In anderen Worten: Auch, wenn heute Themen wie die Zusammenarbeit von Menschen, der Austausch und die Verfügbarkeit von Daten, Wissen und Informationen primäre Bestandteile neuer Arbeitsplatzkonzepte sind, werden es in unmittelbarer Zukunft Themen wie Automatisierung und algorithmusbasierte Entscheidungsprozesse sein. Im Ergebnis entstehen ganz neue Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle.

 

An das Heute denken

Dennoch sind kurzfristig inkrementelle Verbesserungen und Innovationen von Produktions- und Arbeitsprozessen notwendig, um überhaupt in der Lage zu sein, die Gesamtproduktivität des Arbeitsprozesses langfristig weiterentwickeln zu können. Deshalb ist der digitale Arbeitsplatz, der Arbeitsplatz der Zukunft bzw. der Digital Workplace, auch eher als ein Weg hin zu einer digitalisierten Arbeitswelt zu verstehen als ein Ziel oder als die Konsequenz der Digitalisierung. Es gilt, das Hier und Jetzt zu gestalten, dabei die Grundlagen zu legen und so gesellschaftliche sowie technische Entwicklungen antizipieren und integrieren zu können. Deshalb muss die Leitfrage lauten: Wie gestalten wir den Arbeitsplatz der Gegenwart, um die Arbeitswelt der Zukunft zu ermöglichen?

 

Die Einbindung der Mitarbeiter ist grundlegend

Es gibt zahlreiche Ansätze, die Arbeitswelten der Gegenwart und der Zukunft zu konzipieren. Was essentiell sein muss: Mitarbeiter frühzeitig einbinden, um eben die(se) Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft leben zu können. Es muss ein Entwicklungspfad für den einzelnen Mitarbeiter, für Teams und das gesamte Unternehmen entworfen werden. Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern technische und organisatorische Infrastrukturen anbieten, um reibungslos die Geschäftsziele zu erreichen.

 

Der Arbeitsplatz der Gegenwart und der Zukunft

Es gibt keine zwei Meinungen darüber, dass der Arbeitsplatz der Zukunft für Wissensarbeiter ortsungebunden ist. Die Leistungserbringung erfolgt losgelöst von Raum und Zeit. Ob im Büro, im Café oder im Homeoffice. Die dafür notwendigen Techniken wie mobiles Internet, Cloud-Lösungen und Sicherheitskonzepte haben sich in den letzten Jahren permanent weiterentwickelt, sind erprobt und heute auf einem Stand, der die Anforderungen der Mitarbeiter, der IT- und der Unternehmensverantwortlichen erfüllt. In anderen Worten: Die Integration von mobilem Internet und der Cloud revolutioniert die Art, wie Menschen zusammenarbeiten. Das wirkt sich nun immer mehr auf alle Berufsgruppen aus und bildet den Schlüsselbaustein für das zukünftige Arbeitsmodell. Und damit steht und fällt die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen in allen Branchen.

Es gibt ihn schon heute, doch den Arbeitsplatz der Zukunft wird das prägen, was wir heute als Digital Workplace verstehen. Der Digital Workplace als etabliertes Konzept für die digitale Arbeitsumgebung ermöglicht ein effizientes Arbeiten, denn er verbindet die Daten aus allen eingesetzten Systemen. Egal, ob Mitarbeiter Informationen aus dem ERP, dem CRM oder dem Dokumentenmanagement benötigen – alles steht ihnen sicher, unkompliziert und auf jedem Endgerät an jedem Ort zu jeder Zeit zur Verfügung. Damit die Zusammenarbeit über verschiedene Orte hinweg reibungslos funktioniert, muss die interne Kommunikation reibungslos funktionieren. Deshalb ist Social Collaboration ein zentraler Bestandteil des Digital Workplace, er verbindet Mitarbeiter. Sie arbeiten in virtuellen Projektgruppen, teilen Dokumente, tauschen Wissen aus und erarbeiten gemeinsam Lösungen; egal, ob sie zusammen im Büro sitzen oder auf verschiedenen Kontinenten: Social Collaboration bringt sie zusammen. Der Arbeitsplatz ist nicht länger ein Platz, ein Ort – er ist einfach die Zeit und der Ort, wo man produktiv ist und arbeiten kann.

 

Der Digital Workplace ist die Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit

Die Praxis zeigt: Der Digital Workplace wird verstanden als ein „Möglichmacher“ für ortsunabhängiges Arbeiten. Es ist ein Konzept der integrierten und gemeinsamen Arbeit, der Zusammenarbeit von Menschen mit Menschen, mit Daten und Informationen. Der Digital Workplace war und ist für Unternehmen, die ihn realisiert haben und permanent weiterentwickeln, der Schritt weg von der Rationalisierung des Produktionsfaktors Arbeit hin zu einer effizienten Produktionssphäre. Somit bilden diese technischen und konzeptionellen Systeme die Grundlage für die heutige Wirtschaftlichkeit von Unternehmen und zukünftiges Wachstum.

Katrin Beuthner
Katrin Beuthner ist seit Mai 2017 Gastautorin bei Denkhandwerker. Sie ist Geschäftsführerin der United Planet GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Freiburg gehört zu den Trendsettern im Bereich Enterprise Social Networks und Digital Workplace. Mit der Software Intrexx erleichtert es Abläufe in Organisationen und Unternehmen, verbessert die Zusammenarbeit und fördert abteilungsübergreifenden Wissensaustausch.