„Der Arbeitsplatz ändert sich.“ „Die Arbeit ändert sich.“: Solche und ähnliche Aussagen hören wir schon die ganze Zeit. Allerdings fielen sie in der Vergangenheit wenig ins Gewicht. Sie waren oft beliebig. Warum? Weil, wie wir alle wissen, die Veränderung nun mal ein Konstante in der Geschäftswelt, in unserem Leben ist.

Also stelle ich mir die Frage, warum es sich jetzt so anders anfühlt? Warum ist die Diskussion um „neue“ Arbeitsmodelle plötzlich so relevant? Meine Erklärung: Weil die Veränderungen, die heute viele Menschen, Organisationen und Unternehmen betreffen, in einem schwindelerregenden Tempo kommen. Sie überlappen sich und kollidieren in einer Weise, wie es sie wahrscheinlich in den letzten einhundertfünfzig Jahren nicht gegeben hat. Ja, die anstehenden Veränderungen sind historisch und scheinbar unbändig. Nicht nur bezogen auf die Arbeit, sondern vielmehr auch auf die Auswirkungen auf die Gesellschaft. Auf die Bedeutung für Unternehmen.

Die Ressource Mensch, der „Mitarbeiter“, betritt eine neue Ära. Wir erleben eine neue Ära der Mitarbeiter-Technologien. Mehr und bessere Cloud-Lösungen, ein verbessertes digitales Verständnis, sprich: Konzept innerhalb der Belegschaft und neue Organisationsmodelle, die mit neuen oder angepassten Geschäftsmodellen arbeiten, werden einen erheblichen Wettbewerbsvorteil für die Unternehmen bringen, die sie am effektivsten nutzen.

 

Der Digital Workplace

Doch was ist der Digital Workplace? In meinen Gesprächen habe ich viele unterschiedliche Definitionen und Erklärungen gehört. Auch in zahlreichen Studien wird das Wesen der Arbeit der Zukunft, des Future Workplace bzw. des digitalen Arbeitsplatzes beleuchtet und erklärt. Jedoch konnte ich nie eine wirklich allumfassende oder „ultimative“ Definition finden. Warum? Für mich liegt es am oft unklaren Ausgangspunkt. Die einen definieren den Digital Workplace über IT, andere über Verhaltensmuster und wieder andere legen eine Kombination von Kultur und Technik zugrunde. Auch sprechen die Protagonisten im Kontext des Digital Workplace oft über eine mobile, verbraucherähnliche User Experience. Sie nehmen Social Tools als Beispiele, um Merkmale zur Definition des digitalen Arbeitsplatzes herauszustellen. Ich sehe diese Punkte anders: Für mich sind das nur temporäre Trends, die Einfluss auf den (digitalen) Arbeitsplatz haben. Also Elemente, Werkzeuge oder Verfahren, die die aktuellen Veränderungen der Arbeitsmodelle beeinflussen und nachhaltig verändern. Sie sind aus meiner Sicht also nicht die wesentlichen Teile, die den Digital Workplace ausmachen oder definieren. So kann (d)ein Arbeitsplatz auch ohne diese Elemente ein digitaler Arbeitsplatz sein, genauso wie ein Büro ein Büro ist, auch wenn Kaffeemaschine, Lieblingsloungeecke oder Kicker fehlen.

 

Der Digital Workplace – eine Definition

Da ich keine adäquate, befriedigende Erklärung oder Definition finden konnte, habe ich mir meine eigene gebaut. Ich will hier nicht sagen, dass diese besser oder schlechter als andere ist. Für mich ist sie passend und ich würde gerne mit euch darüber diskutieren.

Also: Ich bin der festen Überzeugung, dass der Digital Workplace als eine Reihe von Dienstleistungen oder Fähigkeiten zu sehen ist, welche Menschen, Teams, Unternehmen oder Organisationen in enger Korrelation mit moralischen und ethischen Werten – insbesondere dem verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Mensch – und begleitet von einem passenden Managementprinzip in die Lage versetzen, Dinge Tag für Tag effizient, effektiv und „besser“ zu erledigen.

  • Dabei sind „Dinge“ Tätigkeiten in jeglicher Form, die sich regelmäßig oder unregelmäßig ändern können.
  • Dabei steht die Ressource Mensch nicht zwangsläufig im Mittelpunkt. Vielmehr können nichtmenschliche Produktionsfaktoren, wie zum Beispiel IT, den Kern des Digital Workplace bilden.
  • Dabei ist die Art der technischen Hilfsmittel und der eingesetzten Werkzeuge grundsätzlich beliebig, dem Zeitgeist, der Verfügbarkeit sowie regulatorischen Vorgaben untergeordnet.

Damit Digital-Workplace-Szenarien in Unternehmen erfolgreich umgesetzt werden können, müssen in Bezug auf die Ressource Mensch:

  • agile, ortsungebundene Arbeitsplatz- und Arbeitszeitmodelle ermöglicht werden.
  • die formale Top-down-Kommunikation, die „Social“ Interaktionen der Peers, der Zwei-Wege-Austausch und der Zugang zu Informationen sichergestellt und ermöglicht werden, exemplarisch über Social Intranet-Lösungen.
  • Lösungen und Konzepte für die Zusammenarbeit (Collaboration), einschließlich der Organisation des Individuums, von Teams und Projekten etabliert werden.
  • Daten, Informationen, Wissen und Erkenntnisse auffindbar und teilbar sein.
  • relevante Business-Applikationen integriert und nutzbar sein.

 

Ich lade euch zur Diskussion über den Digital Workplace ein und bin an euren Meinungen und Erfahrungen interessiert. Schickt mir eine Nachricht, kommentiert hier im Blog oder schreibt einen Artikel. Es geht um die Diskussion.

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Axel Oppermann
Axel Oppermann ist seit über 15 Jahren als IT-Marktanalyst tätig. Aktuell arbeitet er für das Beratungs- und Analystenhaus Avispador als Analyst. Axel schreibt bei Denkhandwerker über Trends und nachhaltige Entwicklungen.