Das Konzept der Digitalen Disruption ist eine mittlerweile weitverbreitete und bekannte Dynamik: Neue Marktteilnehmer finden neue Wege für den Einsatz von Technologie und schaffen es somit, etablierte Unternehmen zu verdrängen, sei es durch einen Kostenvorteil oder schlicht durch ein überlegenderes  Angebot oder einen besseren Service. Gehen wir von folgendem aus:

  • Die Automation von Arbeitsvorgängen wird dazu führen, dass mindestens 7% aller Berufe schon in naher Zukunft nicht mehr existieren werden. Ohne die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch die Entwicklung neuer Produkte oder das Kreieren neuer Märkte (bspw. die App-Economy) könnte Automation zu einem gravierendem Problem für die entwickelten Wirtschaftsnationen werden.
  • Bereits jetzt können wir beobachten wie hochflexible Plattformen (bspw. Facebook) ihre Dienstleistungen und Angebote in neue Industrien und andere Branchen ausbreiten können (bspw. Banking und Crowdfunding) und somit die Linien und Grenzen der alten Industrien nicht mehr klar gezogen werden können.
  • Der nächste Schritt für Uber sind selbstfahrende Autos, welche sich derzeit von einer „Coolen Idee“ zur Realität entwickeln und somit die vorherrschenden Bedingungen im Automobilmarkt und der Versicherungsbranche, ganz zu schweigen von den Gesetzen der Straßenverkehrsordnung auf den Kopf stellen.
  • Künstliche Intelligenz hält Möglichkeiten bereit, welche das Potenzial haben, die Gesundheit, Lebensdauer, Versicherungssysteme und das Verständnis von medizinischen Diagnosen, wie wir sie kennen, für ganze Bevölkerungen zu verändern.

Wir leben in einer Welt, in der technologischer Fortschritt mit unaufhaltsamer Geschwindigkeit voranschreitet und sich in immer neuen Technologien und Märkten manifestiert. Kunden sind bereit zu experimentieren, besonders die jüngeren Generationen weichen schnell von bekannten Dingen ab und probieren neue Lösungen und neue Wege aus. Durch diese schnelle Adaption neuer Technologien und Geschäftsmodelle, man denke an das Wachstum von Plattformen wie Amazon, Uber oder Airbnb, geraden immer mehr etablierte Unternehmen unter den Druck des steigenden Handlungszwangs.
Das Ermöglichen der schnellen Entwicklung neuer und besserer Kundenerfahrungen und Produkte. Wenn es Sinn ergibt, möglichst als first-mover.Unglücklicherweise ist es so, dass die Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen die Geschwindigkeit der Unternehmen bei weitem übertrifft. Der Wandel einer Organisation von einem digitalen Verfolger (rennt dem Fortschritt hinterher) zu einem digitalen Vorreiter (gestaltet Fortschritt durch den Einsatz neuer Technologien selbst) ist ein mühsamer und langwieriger Prozess. In Zeiten, in denen Disruption zur Normalität zu werden droht, haben Unternehmen die Zeit jedoch nicht auf ihrer Seite. Diejenigen die zu lange warten,  werden den Sprung wahrscheinlich auch nie schaffen. Fakt ist, dass Innovation als Zyklus verstanden werden muss, und somit wird das Risiko des Neuen nicht zu dem einmaligen Phänomen eines einzelnen Transformations-Projekts. Unternehmen benötigen einen eher darwinistischen Blick auf ihre derzeitige und zukünftige Situation: Die Betrachtung der Unternehmensentwicklung als eine Art Evolution, in der sie es schaffen, durch den Einsatz von neuen Fähigkeiten und auf Basis ihrer derzeitigen Kapazitäten einen ständigen Entwicklungsprozess einzuleiten und aufrecht zu erhalten. Der Erfolg vieler Unternehmen wird in Zukunft davon abhängig sein, in wieweit sie dazu in der Lage sind, sich selbst als digitale Plattform zu verstehen. Attribute dieser Plattform können sein:

  • Die Entwicklung neuer Erfahrungen, auf Basis digitaler Technologien, aber immer mit dem Ziel emotionale Bindungen zu erzeugen.
  • Die Erzeugung von Nähe zum Kunden und dem wachsenden Verständnis für die sich wandelnden Bedürfnisse.
  • Das Verständnis und die Nutzbarmachung von Technologien wie dem Internet der Dinge und Mobile, für die Schaffung neuer Werte und Kundeninteraktionen.

Die technologische Revolution, welche wir derzeit durchleben bietet Unmengen an neuen Chancen und Möglichkeiten für Unternehmen, andererseits birgt sie mindesten genau so viele Fallen und falsche Fährten. Für Unternehmenslenker geht es darum, die Übersicht zu behalten und durch starke Leadership das wahre Potenzial für die Zukunft des Unternehmens aufzudecken und nutzbar zu machen.

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Jonathan Habicht
Jonathan Habicht ist seit 2016 als Berater für die digitale Transformation tätig. Nach dreijähriger Erfahrung in verschiedenen Startup-Unternehmen möchte er nun traditionelle Unternehmen auf das digitale Zeitalter vorbereiten und ihnen bei diesem Schritt helfen. Jonathan schreibt über digitale Transformation und technologische Trends.