Am 1. Juni 2016 haben wir Denkhandwerker gestartet. Na ja. Stimmt nicht ganz; bzw. es ist gleich im ersten Satz eine Falschmeldung. Ein ganz schlechter Anfang. Also noch mal: Am 1. Juni 2016 sind wir mit dem online gegangen, was heute Denkhandwerker ist. Damals hatten wir auch einen schlechten Anfang. Aber der Reihe nach.

Das Projekt Denkhandwerker geht auf Ideen aus dem Jahr 2010 zurück. Seinerzeit wollte ich schon mal ein solches Portal starten. Allerdings waren damals die Umstände anders. Und die Möglichkeiten zur Realisierung waren auch nicht so gegeben. Nach einigen halbherzigen Versuchen verlief die Sache dann schnell im Sande. Die Idee kam abermals im Jahr 2014 auf. Von der Idee zu den ersten richtigen Planungen dauerte es dann noch mal ein Jahr. Und ein weiteres Jahr ging für die Feinplanung drauf. Ziel war es von Anfang an, unterschiedliche Meinungen und Perspektiven zu einem Thema an einem Ort zusammenzubringen. Und darüber hinaus die Diskussion zum Thema zu forcieren. Ursprünglich wollten wir die einzelnen Themen in Geschichten erzählen. Text mit Ton, Bild und Bewegtbild kombinieren. Eine Geschichte um die Geschichte herum erzählen. Menschen mit Inhalten und Inhalte mit Menschen verbinden. So ein, zwei „Stories“ pro Woche. Ausführlich erzählt. Schön gestaltet. Kurzum: Denkhandwerker sollte interessante Themen, lesenswerte Artikel von Menschen mit Meinungen, Beiträge von Experten, unabhängige Analysen und Inhalte bieten.

 

Lehrgeld schmeckt immer ein bisschen nach altem, schalem Bier

Doch zwischen Wunsch und Realität liegen oftmals mehr als Inspiration und Transpiration. Und so müssen sich halt Projekte wie Denkhandwerker nicht an der Schönheit ihrer Visionen, sondern an deren Umsetzung, der erzielten Reichweite und Relevanz messen lassen. Und hier scheiterten wir; hier scheiterte ich. Aber sich selbst einzugestehen, dass es nicht reicht und vor allem die Schuld dafür nicht bei anderen zu suchen, das ist ein schwieriger Prozess. Dafür muss man ehrlich zu sich selbst sein.

Woran hat es gelegen? Wahrscheinlich an der Komplexität. Und am Versuch, eine Komplexitätsreduktion ohne Substanzverdunstung zu schaffen. Es war aber nicht möglich. Jedenfalls sahen wir keine. Warum? Auch ein Team hat nur eine beschränkte Anzahl an Denkmustern. Diese Muster sind regelmäßig geprägt durch Ausbildung, praktische Erfahrungen, Anschauungen oder Sozialisierung.

Es dauerte nicht lange, und wir legten uns ein neues Design auf, nahmen Abstand von den mehrdimensionalen Erzählmustern, und noch bevor wir eigentlich so richtig sichtbar wurden, haben wir das gesamte Konzept auf links gedreht. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass es uns nichts gebracht hat. Im Gegenteil: Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

So konnten wir im ersten Jahr 62 Autoren gewinnen, die in Summe über 342 Artikel, Kommentare und Einschätzungen auf Denkhandwerker veröffentlichten – mit enormer Themenvielfalt:

Arbeitsplatz der Zukunft – Blockchain – CrowdfundingDigitalisierung – FinTech Gebrauchtsoftware – Humanum – künstliche Intelligenz – Innovation – Lead Volumen – Machine Learning – Optimierung – Produktplatzierungen – Quälgeist Rechte – Segmentierung – Transformation – UnternehmensITVirtual Reality –Workplace – Y-Generation – Zukunft

 

Dabei haben wir ein breites Spektrum an Persönlichkeiten, Meinungsträgern und Kommentarwichsmaschinen als Autoren gewinnen können: Berater, Journalisten, Politiker aus Bundestag und Landtagen, Pressetypen und Studenten, Motivationstrainer und Sprachgelehrte, Arbeiter und Bauern.

 

Die Entwicklung bis hierher

Von einigen Einbrüchen im Dezember 2016 und Januar 2017 abgesehen, konnten wir die Anzahl der Nutzer, die Sitzungen, die durchschnittliche Sitzungsdauer, die Seitenaufrufe und die Anzahl der Seiten pro Sitzung von Monat zu Monat steigern. Klar: Manchmal haben uns ein vermeintlicher Wettbewerbsdruck, selbstgerechte Ziele und unser Ego willfährig gemacht, so dass wir manchmal nicht mehr den Inhalt in den Mittelpunkt gestellt haben, sondern vielmehr den einzelnen Klick. Wir versuchen hier, diesen Verführungen zu wiederstehen. Aber es ist schwer. Gerade dann, wenn ein Artikel nur wegen einer provokanten Überschrift „fliegt“; dann, wenn ein bisschen pöbeln zieht, weil es so gut zum Mainstream passt. Mir ist „am Ende“ zwar Wahrnehmung ein wichtiger Wert; allerdings sind Relevanz und Reputation dann doch wichtiger.

Und so verzichten wir weitestgehend darauf, die Seiten und Inhalte in Richtung „Klicks“ zu optimieren. Hier und da etwas SEO, permanente Verbesserung der Nutzerführung und der CX durch bessere UI – und fertig ist die Laube. Was bedeutet das? Auch wenn jeder Besucher, jedes Feedback – jede Reaktion auf die Inhalte – zählt. Auch wenn es im Onlinemarketing nur drei relevante KPIs gibt – nämlich Visitors, Conversions und Retentions. Auch wenn es das eigene Ego verlangt: Wir trennen uns immer mehr von diesen Zielen. Warum? Weil Denkhandwerker kein Online-Marketing ist, weil wir keine Anzeigen verkaufen, weil wir keinen Handel betreiben.

Bei allem, was wir auf Denkhandwerker machen, muss es uns egal sein, ob wir jetzt in dem einen Monat 69.000 Besucher haben und im kommenden 72.500 und im Dezember nur noch 54.000 (Disclaimer: klar ist es geil; aber dennoch …). Unser Ziel muss es sein, jeden Monat die 2.000 oder 3.000 Besucher zu haben, die das Thema wirklich interessiert, denen die Inhalte helfen, die was zur Diskussion beitragen wollen. Und monatlich so um die 98 Mails oder Anrufe, kritische Stimmen und Anregungen müssen mehr Wert sein als ein Anstieg der Seitenaufrufe pro Sitzung von 1,83 auf 2,21. Wir dürfen nicht von grundfalschen Zielen und Voraussetzungen ausgehen.

 

Was noch kommen wird

Was noch kommen wird, kann ich euch nicht sagen. Hoffentlich gewinnen wir weitere Gastautoren, produzieren interessante Beiträge und werden ein noch stärkerer Teil der Diskussion. Hoffentlich gelingt es uns, stärker Bewegtbildinhalte einzubinden und einen Podcast zu etablieren. Wir wollen Denkhandwerker stärker mit anderen Inhalten verbinden; evtl. bauen wir unser Register aus oder kuratieren verstärkt Inhalte. Vielleicht schaffen wir es, im kommenden Jahr, eine Zeitreise für Schmöker-Freunde und Technik-Messies zu realisieren.

So oder so: Ich würde mich freuen, wenn wir dich – wenn wir jeden von euch – weiterhin mit Inhalten, Meinungen und Erkenntnissen auf Denkhandwerker begeistern und inspirieren können.

 

So what

 

 

 

Axel

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Axel Oppermann
Axel Oppermann ist seit über 15 Jahren als IT-Marktanalyst tätig. Aktuell arbeitet er für das Beratungs- und Analystenhaus Avispador als Analyst. Axel schreibt bei Denkhandwerker über Trends und nachhaltige Entwicklungen.