Im November gab es hier auf denkhandwerker.de einen lesenswerten Beitrag von Marvin Nowozin. Es ging um Work-Life-Balance und kritisches Hinterfragen aus der Sicht eines Mittzwanzigers. Hey, dachte ich mir, wie recht der hat. Und fühlte mich mal wieder darin bestätigt, dass wir viel häufiger auf die jungen Leute hören sollten.

Jetzt werden sich einige fragen – die vermutlich mit einem Telefon mit Wählscheibe und drei Fernsehsendern Aufgewachsenen –, warum sie auf die Grünschnäbel hören sollten. Die sollen doch erstmal Erfahrung sammeln und das Leben kennenlernen, ehe sie hier schlaue Sprüche loswerden.

Aber, Leute, diese Grünschnäbel sind mit dem aufgewachsen, womit wir Älteren uns vielleicht erst anfreunden mussten. Weil wir wissen, wie es früher war, als man noch klassische Werbung in Printmedien geschaltet hat. Als man noch von 9 bis 5 an seinem Schreibtisch saß. Als man noch Unterlagen per Post verschickt hat. Und den Kunden nicht rund um die Uhr bespaßen musste. Ging ja auch.

Geht aber heute so nicht mehr. Wie es geht, zum Beispiel beim Marketing, das wissen diese Millenials: wie man mit Videos erfolgreicher Youtuber wird, wann es sinnvoller ist, mit Influencern auf Instagram zu kooperieren und ob es sich doch empfiehlt, sich näher mit Snapchat zu beschäftigen, um sein Unternehmen voranzubringen.

Gehen Sie mal auf eine Veranstaltung zum Onlinemarketing. Wenn Sie auf Referenten mittleren Alters treffen, erzählen die Ihnen, Sie müssen unbedingt auf Facebook sein. (Okay, da ist was dran, wenn Ihre Zielgruppe nicht mehr ganz so jung ist.) Wenn Sie auf junge Referenten treffen, erklären die Ihnen, warum Facebook durch ist und was jetzt angesagt ist: Instagram, Snapchat und wie sie alle heißen.

Die Jungen sind bei den neuen Plattformen und Möglichkeiten sofort dabei: „Hey, da ist ne neue Spielwiese, die probieren wir mal aus – was soll schon schiefgehen?“ Die Alten, ähem Älteren, zucken dann erstmal: „Ist das denn schon ausgereift? Wissen wir, wie das geht? Und was ist, wenn wir was falschmachen?“

Früher sagte man, wenn was in Radio oder Fernsehen lief, was nicht so der Knaller war: Das versendet sich. Und heute? Hat jeder Respekt vorm Internet, weil es nichts vergisst. Aber im Netz gibt es so viele Spielwiesen; wenn Sie nicht gerade Microsoft, Coca-Cola oder Nike sind, fliegt Ihnen eine nicht ganz so perfekte Onlinemarketingmaßnahme nicht gleich um die Ohren. Sie taucht vielleicht kurz mal auf, versinkt dann aber irgendwo im Netz.

Die Jungen haben die Ideen und das technische Know-how. Die Alten haben das Budget. Deshalb: Findet euch zusammen, arrangiert euch. Einfach mal machen. So viel kann nun wirklich nicht schiefgehen, wenn man auf die mit der besten digitalen Kompetenz hört.

(M)eine etwas andere Sicht der Dinge: „Work-Life-Balance“, Nike & kritisches Hinterfragen

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Christiane Kauer
Christiane Kauer ist seit Juli 2016 Gastautorin bei Denkhandwerker.Sie ist seit 2007 als freiberufliche Lektorin erfolgreich. Ihr Fokus liegt dabei beim schreiben, korrigieren und lektorieren von Texten. Ihre Tätigkeitsfelder erstrecken sich von Seminaren über Zeugniserstellung für Unternehmen bis hin zu optimierten Bewerbungen.Mehr Informationen zu Christine Kauer findet ihr unter lektorat-kauer.de und auf Facebook.