Mit dem Dieselabgasskandal, der weltweit Wellen schlug und der Autoindustrie erheblichen Schaden zufügte, ist das Thema Elektromobilität nicht nur Deutschland, sondern europaweit in den Vordergrund gerückt. Besonders in Deutschland, das Autoland, wird das Thema heiß diskutiert, denn hierzulande sind alle Parteien ganz besonders involviert.

Doch seit der Dieselskandal über uns hereingebrochen ist, wird Elektromobilität als der Ausweg aus der Krise gehandelt. Politiker aller Parteien wollen weg von herkömmlichen Verbrennungsmotoren und fordern einen schnellen Umstieg auf alternative Antriebe, wie zum Beispiel Batterien oder Brennstoffzellen. Ein Verkaufsverbot von neuen Autos mit Verbrennungsmotoren, wie es zum Beispiel Norwegen (ab 2025) und Frankreich und Großbritannien (ab 2040) erlassen haben, ist außerdem derzeit im Gespräch. Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Beispiel, will bis 2020 mehr als eine Millionen Elektroautos im Verkehr sehen.

Kritik vorprogrammiert

Doch wie alle neuen Technologien, hat auch die Elektromobilität ihre Kritiker. Deren Hauptargument besteht darin, dass für einen schnellen Umstieg in Deutschland die Voraussetzungen fehlen. Als Hindernisse nennen sie Faktoren wie die Bedürfnisse normaler Verbraucher, denen Elektroautos momentan nicht gerecht werden können, wie zum Beispiel günstigere Kaufpreise und eine vergleichbare Ausstattung. Vergleicht man nämlich E-Autos mit ähnlichen Benzin- oder Dieselmodellen, schneiden herkömmliche PKWs nicht nur preislich sondern auch technisch erheblich besser ab.

Dies haben unsere Recherchen, die wir zum Thema Elektromobilität getätigt haben, bestätigt. Dazu haben wir die zwei in Deutschland beliebtesten PKWs beider Antriebskategorien in einem Vergleich gegenüber gestellt. Wie unsere Infografik zeigt, hat der Nissan Leaf Visia in nur einem einzigen Punkt den Vorteil gegenüber den VW Golf TDI Diesel, und das sind die CO2-Emissionen.

Ein weiterer Punkt im Arsenal der E-Mobilitätgegner ist das fehlende flächendeckende E-Tankstellennetz in Deutschland. Bundesweit gibt es nur wenige Ladestation, die gehäuft im Umfeld von Großstädten zu finden sind. Dies macht es für E-Autobesitzer schwierig, längere Autoreisen zum Beispiel in ländliche Gegenden, zu planen. Solange Verbraucher sich nicht sicher sein können, ob sie eine Ladestation finden, wenn sie sie brauchen, sind reine E-Mobile wenig attraktiv. Hinzukommt, dass die Herstellung der Batterien, die die Elektromobilität ermöglicht, sehr resourcenaufwendig ist. Einer Studie der Schwedischen Energieagentur zufolge produzieren E-Autos ähnlich viel Treibhausgas wie Dieselautos, wenn zur Produktion Strom verbraucht wird, der in herkömmlichen Kohlekraftwerken generiert wird.

Außerdem zu bedenken ist die erhöhte Belastung des Stromnetzes. Die Verbände der Energie- und Wasserwirtschaft in den traditionellen Autoländern Bayern und Baden-Württemberg warnen bereits jetzt vor einem Stromengpass, sollten vermehrt Elektroautos Energie vom Netz zapfen.

Deutschland als E-Auto-Entwicklungsland

Elektroautos sind in Deutschland seit den 1990iger Jahre erhältlich. Als Pionier wird der Toyota Prius gesehen, den es schon seit 1997 gibt.  Jedoch ist Deutschland mit all seinem Autobauwissen auf diesem Gebiet noch Entwicklungsland, das im Vergleich mit  anderen Staaten weit hinterherhinkt. Einer neuen Statistik des Kraftfahrtbundesamtes vom Anfang des Jahres zufolge ging der Verkauf von E-Autos in Deutschland 2016 im Vergleich zum Vorjahr sogar um sechs Prozent zurück. Im letzten Jahr kauften die Bundesbürger rund 11.400 E-Autos, was einen Marktanteil von deutlich weniger als 1,8 Prozent ausmacht. Auch finanzielle Anreize der bundesdeutschen Regierung, wie zum Beispiel der Umweltbonus, mit dem Neuwagenkäufer beim Kauf eines Stromers sparen könnten, haben bisher nicht den erhofften Erfolg gesehen. Von den 600 Millionen Euro, die die Regierung bereitgestellte hat, wurden bis jetzt nur 16 Millionen genutzt.

Elektrifizierung in anderen Ländern

Ein Blick ins Ausland zeigt eindeutig wie weit das Autoland Deutschland hinter der globalen Elektrifizierung hinterherhinkt. Im globalen Vergleich heben sich Länder wie China, die USA und Japan hervor. Allein in der Volksrepublik China wurden im Vorjahr mehr als eine halbe Millionen E-Autos zugelassen. Das sind 53 Prozent mehr als in 2015. Spitzenreiter in Europa sind Frankreich und Norwegen. Insbesondere die Norweger  heißen die Elektrifizierung willkommen, denn inzwischen fährt jeder Dritte dort ein E-Auto. Das Argument der Elektromobilitätskeptiker, dass die Technologie den Bedürfnissen von Otto Normalverbraucher einfach nicht nachkommen kann, ist damit also teilweise widerlegt.

Fazit ist also, dass es andere Länder sind, die im Wettrennen zur Elektrifizierung um ganze Autolängen vor Deutschland liegen, obwohl derzeit ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, dies zu ändern. Doch bevor es nicht gelingt, Hindernisse wie die fehlenden Ladestationen, niedrige Reichweite und erhöhten Kaufpreise von Elektroautos zu beseitigen, werden sich die Deutschen auch weiterhin nur zaghaft an diese neue Technologie heranwagen.

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Jenny Laue
Jenny Laue ist seit Oktober 2016 Gastautorin bei Denkhandwerker. Sie ist Digital Marketing Executive in Großbritannien. Als Content Creator unterstützt sie eine Reihe von Kunden bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.