Einst lebten IT Consultants in dunkelblauen Anzügen mit perfekt gebundener Krawatte, welche die Kunden in ruhigen und von Fremdwörtern nur so gespickten Monologen an ihrer Weisheit teilhaben ließen.

Doch dann kamen plötzlich die großen amerikanischen Firmen und wollten ihr Image umkrempeln und sodann waren Krawatten verpönt. Die grauen Eminenzen jedoch waren immer noch – ohne Krawatte – in ihren Monologen vertieft und erlaubten den anderen Menschen daran teilzuhaben.

Aber wie einst die Zeit für die Dinosaurier gekommen ist, scheint nun die Zeit für die im Geiste alten IT Berater gekommen zu sein, es sind die jungen, wilden, die mit den pragmatischen Ansätzen, diejenigen welche nicht fragen, ob das geht, sondern es einfach machen.

Es ist so weit, der so oft heraufbeschworene demografische Wandel in der IT steht nicht mehr vor der Türe, er ist schon längst durch und viele haben es ganz offensichtlich nicht bemerkt.

Generation V, Z und welche noch so verrückten Begriffe oft verwendet werden, sind nun am Zug und bestimmen, wohin die Reise geht. Es ist die Leichtigkeit mit der Sie an vermeintlich komplexe Themen herangehen und überhaupt und sowieso nur das Positive sehen, das was in den letzten Jahren immer als Erfahrung und Seniorität bezeichnet wurde, ist es was uns blind davor mach zu sehen, welche Möglichkeiten wir mit der Digitalisierung haben.

Ich selbst gehöre nun Mal zu den „Alten“ und das zeigt sich auch in meinem täglichen Leben, ich schreibe lieber ein Mail als in einem Chat mit verstümmelten Sätzen abgehakt zu kommunizieren, ich notiere mir Dinge auf einem Block mit einem STAEDTLER Bleistift – für den es schwer ist Minen zu kaufen – und ich schalte meist mein Handy um 20:00 aus. Ja ich bin alt, denn ich benutze noch einen klassischen Dimmer, um in Wohnzimmer das Licht für den Fernsehabend zu dämmen und komme nicht mal auf die Idee dies mit meinem Handy zu tun.

Es ist schon verrückt in wie vielen kleinen Dingen sich die „Jungen“ von den „Alten“ unterscheiden, aber es ist eben auch deren ungezwungene Leichtigkeit, mit der sie die Dinge angehen, ja sie sind damit aufgewachsen und das merkt man deutlich.

Ich stelle mir in letzter Zeit oft die Frage, ob ich/wir was davon lernen können und desto mehr ich mich damit beschäftige umso öfter, stelle ich fest, NEIN, denn das alles steckt doch in jedem von uns. Sind wir nicht genauso mit Leichtigkeit und ohne Zwänge an Themen herangegangen, welche für unsere Eltern „strange“ waren? Ich habe mit 15 Jahren mein Mofa in der Garage „getunt“ und mein Vater war fasziniert, woher ich das kann, ich konnte es nicht aber ich habe es eben gemacht, weil es alle gemacht haben.

Ja, einfach machen ist scheinbar die Kunst, den Mut zu haben es zu machen und es eben auch falsch zu machen, um es dann zu korrigieren. Es ist doch faktisch so, dass Innovationen darauf beruhen, dass es jemand einfach Mal gemacht hat. Es sind die jungen, wilden die uns heute zeigen, dass Digitalisierung nichts Befremdliches ist, dass es kein Teufelszeug ist, weil die es einfach tun.

Erfahrung ist ein wichtiges Gut, nur darf Erfahrung nicht dazu führen, dass wir übervorsichtig werden und uns damit der Innovation, dem neuen Verschließen, nehmen Sie diesen Artikel als Ansporn, Aufruf mutiger zu sein und die Dinge einfach Mal zu probieren, etwas zu riskieren.

 

Karl Gerber
Karl Gerber ist seit Mai 2017 Gastautor auf Denkhandwerker. Nach sehr unterschiedlichen Stationen im Daimler Konzern hat Herr Gerber sich im Jahre 2000 entschlossen den sicheren Schoß dieses tollen Unternehmens zu verlassen und sich auf den Weg in die weite Welt der IT zu machen. Seitdem ist er im Vorstand der IT Competence Group.