Das Aufstehen am Morgen fällt mir immer schwerer, der obligatorische Energydrink macht es nicht besser, verdammt ich werde alt! Oder gut, dass ich schon so alt bin, denn die Zukunft wird eine Katastrophe, und wer will das schon noch leben, wenn Roboter die Arbeit machen, die künstliche Intelligenz entscheidet was ich heute den ganzen Tag so machen sollte, damit es in die Gesellschaft passt, und dann noch jeder Schritt transparent für alle und nicht nur den Nachrichtendienst ist.

Zum Glück bin ich schon alt, dann konnte ich wenigsten die Jahre genießen, bis die Roboter die Welt übernommen haben.

Also wer jetzt an einen Film aus den 80’ern mit Arnold Schwarzenegger denkt, der liegt wohl auf der gleichen Wellenlänge wir ich. Denn wenn ich so die Schlagzeilen von den wirklich großen und renommierten Zeitschriften lese, dann geht es darum, dass die Veränderungen, welche wir gerade mit der Digitalisierung erleben, gleichzeitig ein Jobkiller sind. Nun wir alle wissen, dass eine hohe Arbeitslosigkeit automatisch dazu führt, dass weniger Menschen ihrem Konsumvergnügen folgen können, damit weniger Produkte gebraucht werden, eben auch weniger Produkte produziert werden, dies zu noch weniger Arbeitsplätzen führt usw.

Da ich wie gesagt schon alt bin, habe ich in meiner Jugend auch schon eine solche Revolution erlebt, denn Roboter gibt es in der Industrie schon seit 1963. Sicherlich habe diese Roboter keinerlei Ähnlichkeit mit einem Hominiden und dennoch begann auch da schon die Angst vor dem Verlust der Arbeitsplätze. Bereits 1955 berichtete der Spiegel: „INDUSTRIE / AUTOMATION: Die Revolution der Roboter“ und in den 80’ern der Hochzeit der Automatisierung und der Revolution der Roboter wurde beim Abendessen von meinen Eltern die trostlose Zukunft von meinen Geschwistern und mir diskutiert. „Wie soll das weitergehen, die Roboter nehmen uns die Arbeitsplätze weg, ist es noch in Ordnung Kinder in diese Welt zu setzen.“ Ja es war eine Zeit, in der die Informationen noch deutlich langsamer bei den Menschen ankamen und oft eben auch mit gezielter Panikmache angereichter wurden. Die großen Gewerkschaften gingen auf die Barrikaden, um gegen das Teufelszeug Roboter zu protestieren, und in Science-Fiction Filmen übernahmen die Roboter die Weltherrschaft – gleich nach den Affen.

Nun egal wie ich das drehe und wende, es wiederholt sich einfach nur alles, was eben auch schon in den 80’ern gesagt und geschrieben wurde, die Geschwindigkeit, mit der die Informationen bei uns ankommen, ist um ein vielfaches höher, die Dramatik ist bedeutender, aber die Reaktion der Menschen eben wesentlich entspannter. Keine Proteste der Gewerkschaften, keine Kundgebungen, manchmal denke ich mir, die Einfallslosigkeit von manch einem Autor führt einfach dazu, Dinge aus der Vergangenheit zu wiederholen. So wie Songs aus den 80’ern recycelt werden und in den Charts durch die Decke gehen oder die Schlaghose ihr Comeback feiert, so werden jetzt die Roboter erneut Millionen von Arbeitsplätzen vernichten, die Arbeitsplätze welche sich aus der Veränderung ergeben werden nicht betrachtet, klar das ist Zukunftsmusik und es gibt eben noch keine Erfahrung aus der Vergangenheit welche breitgetreten werden kann.

Nur, wer kann sich ein Produkt von Robotern kaufen, wenn keiner mehr Geld hat, und alleine diese klitzekleine Eigenschaft der freien Marktwirtschaft lässt mich hoffen, dass alle diese Schlagzeilen dann doch nur Schall und Rauch sind und das Gleichgewicht wieder hergestellt ist. Ich wünsche also allen Räubern viel Erfolg – seit euch aber bewusst, dass die Beute die große (Markt)-Macht hat.

Karl Gerber
Karl Gerber ist seit Mai 2017 Gastautor auf Denkhandwerker. Nach sehr unterschiedlichen Stationen im Daimler Konzern hat Herr Gerber sich im Jahre 2000 entschlossen den sicheren Schoß dieses tollen Unternehmens zu verlassen und sich auf den Weg in die weite Welt der IT zu machen. Seitdem ist er im Vorstand der IT Competence Group.