Viele Jahre regierten die großen IT Unternehmen/Konzerne die Welt – oder besser die DAX-Unternehmen – es war ein klar umrissener Markt. Trotz der Ausschreibungszyklen von 3-5 Jahre war der Markt stabil, denn unterm Strich waren es lange Jahre dieselben Mitarbeiter, die dann letztendlich dieselbe Arbeit unter unterschiedlichen Fahnen beim Kunden erbracht haben. Ein Stück weit zeigt dies auch der vor zwei Jahren sehr populäre Prozess von zwei Freiberuflern bei einem Automobilkonzern in Stuttgart, wo zwei „Freiberufler“ über viele Jahre in eine sogenannte Kette dieselbe Tätigkeit ausgeführt haben.

Die Kette zur Erklärung: Freiberufler – kleiner IT Dienstleister – größerer Dienstleister – IT Öltanker – Endkunde

Diese Kette ist tatsächlich eine gängige Praxis und für viele Unternehmen die Basis ihres Geschäftsmodells. Nun aber zurück zum Thema, so hatte es sich also eingebürgert, dass Endkunden den Outsourcing Partner gewechselt haben und dieser dann die Mitarbeiter von seinem Vorgänger übernommen hat. Für den tatsächlichen Endkunden hat sich in diesem Szenario bestenfalls der direkte Ansprechpartner und der Preis geändert.
Wer den Markt nun genauer beobachtet, der wird jetzt eine Veränderung feststellen, welche ich mit diesem Beitrag verdeutlichen möchte.
In Zahlen:

  • 2014 Computerwoche: Die T-Systems baut in Deutschland fast jeden fünften Arbeitsplatz ab
  • 2014 Stuttgarter Nachrichten: IBM läutet neue Runde beim Stellenabbau ein
  • 2014 Wirtschaftswoche: IBM verkauft IT-Tochter an Bertelsmann-Sparte Arvato
  • 2015 Wirtschaftswoche: Hewlett-Packard baut insgesamt 50.000 Jobs ab
  • 2015 Computerwoche: Kritik an Stellenkürzungen – Unruhe beim Atos-Umbau ehemalige SIS/SBS
  • 2016 FAZ: Hewlett-Packard (HP) entlässt 27.000 Mitarbeiter

Wenn es also viele Jahre Usus war, dass die paar großen IT Tanker sich bei den DAX-Unternehmen die Hand gegeben haben, so zeigt sich in den letzten 3-4 Jahren, dass es genau diese sind, welche jetzt mit deutlichem Stellenabbau in der Kritik stehen. Nun stellt sich doch die Frage, ob die Aufgaben in der IT weggefallen sind – ist es die „Cloud“, welche den Trend ausgelöst hat oder findet eine Umverteilung statt.

Ich persönlich denke, es ist eine Mischung aus beidem, die IT hat sich in den letzten Jahren – sicherlich durch die Cloud Bemühungen – stark weiterentwickelt und vieles ist für den Anwender einfacher, schneller und automatisch geworden. Die nächste Generation ist damit aufgewachsen – digital Natives – und geht mit IT selbstverständlich um, und letztendlich haben natürlich einige mittelstandsorientierte IT Unternehmen die Rolle eingenommen:

  • Der IT-Dienstleister Bechtle hat einen Großauftrag an Land gezogen.
    Für den Autobauer Volkswagen übernehme Bechtle Servicedienstleistungen für rund 100 000 IT-Arbeitsplätze
  • CANCOM kauft Allgeier-Tochter DIDAS und baut damit den Kunden Siemens stark aus.

Die Digitalisierung hat Einzug bei den DAX Konzernen gehalten, und damit steht eben auch Flexibilität, Dynamik und Agilität im Vordergrund. Ein Öltanker ist eben sehr behäbig, so sind es doch eher die kleineren, leistungsstarken, welche jetzt die Rolle der Tanker einnehmen. Ich sehe eine große Chance für alle mittelständigen IT Unternehmen in Deutschland, sich durch diese Marktverschiebung auch in DAX Konzernen neu zu positionieren, denn Innovation hat viel mit den oben genannten Attributen zutun. Jetzt noch ein kleiner Appell, um große Kunden mit großen Projekten abwickeln zu können, ist Zusammenarbeit das Zauberwort.

Gregor Bieler verantwortlich für Mittelstands- und Partnergeschäft bei Microsoft Deutschland sagte auf der DPK17: „Baue dir Partnerschaften, bevor du sie brauchst“.

Die IT ist für den Anwender wie erwähnt einfach geworden, dennoch ist die Herausforderung für die Umsetzung und der Betrieb moderner IT im Wesentlichen komplexer geworden, daher sind die IT-Spezialisten welche solche Projekte umsetzen können mehr denn je gefragt. Um den Anforderungen der Kunden – der Anwender – gerecht zu werden, reicht es nicht mehr die beste Lösung zu haben, sondern den größten Mehrwert zu schaffen. Dies setzt voraus, dass wir das Wissen der Spezialisten bündeln und über den Tellerrand hinaus an der Umsetzung moderner IT arbeiten.
Das Marktpotential der Digitalisierung ist undefiniert und dennoch sind sich alle Analysten einig es ist groß/riesig.

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Karl Gerber
Karl Gerber ist seit Mai 2017 Gastautor auf Denkhandwerker. Nach sehr unterschiedlichen Stationen im Daimler Konzern hat Herr Gerber sich im Jahre 2000 entschlossen den sicheren Schoß dieses tollen Unternehmens zu verlassen und sich auf den Weg in die weite Welt der IT zu machen. Seitdem ist er im Vorstand der IT Competence Group.