Es ist schon eine verrückte Zeit, in der wir leben!?!?!?!

Die Stadt Augsburg ist Vorreiter mit sogenannten Bompeln für Smombies sprich Ampeln im Boden, welche verhindern sollen, dass Leute die auf Ihr Smartphone in der Hand konzentriert sind, nicht in den Verkehr rennen, jeder spricht nur noch von Mobilität, modernen Arbeiten, Digitalisierung und, und, und.

Aber Stopp so am Rande höre ich von einer Diskussion mit ganz anderen Tönen: Ladenöffnungszeiten.
Wer die letzten Wochen und Monate die Nachrichten beobachtet, liest mehr und mehr von Städten oder Einzelhandelskonzernen, welche sich über die existierenden Ladenöffnungszeiten brüskieren. Schlagworte wie selbstbestimmte Öffnungszeiten werden vermehrt in die Öffentlichkeit getragen.

In diesem Zusammenhang können dann auch Meldungen wie „- eine große Gewerkschaft- Antrag stattgegeben: Gericht lehnt verkaufsoffenen Sonntag ab“ gelesen werden. „Die Gewerkschaft kritisiert, nicht bei der Debatte beteiligt worden zu sein, hätte aber nach dem Gesetz zur Öffnung der Ladenöffnungszeiten eingebunden sein müssen.“


Dagegen stehen dann Meldungen wie: Online-Shops machen den klassischen Kaufhäusern zu schaffen – weil im Internet rund um die Uhr eingekauft werden kann, sieben Tage die Woche.

Jetzt wirft sich mir die Frage auf, wer steht denn hinter diesen Online-Shops, nur noch Roboter? Nein ganz sicher nicht, denn auch ich habe am Sonntag schon in einem Online-Shop was gekauft und wurde nur wenigen Minuten nach der Transaktion von einer freundlichen Person per Mail aufgefordert noch weitere Angaben zu machen. Es war eine individuelle Frage und nicht von einer Maschine, es gibt also die Menschen, welche am Sonntag im Handel arbeiten!

Wie passt also Modernes, selbstbestimmtes Arbeiten zu den aktuellen Rahmenbedingungen, welche das Arbeitsrecht festlegt? Dass die Gesetzgebung irgendwie das Internet verschlafen hat, ist meine feste Meinung, doch wird nun die Gesetzgebung zur echten Bremse.
Es ist nicht verwunderlich, dass viele Bewerber heute fragen, ob es einen Betriebsrat gibt und dies als negativ für die Bewerbung einstufen, wenn bekannt wird, dass bei so manchem Großkonzern ab 18:00 die Firmenhandys offline gehen, da der Betriebsrat dies fordert.

Ja, der Betriebsrat und auch die Gewerkschaften haben die Aufgabe alle Arbeitnehmer zu schützen, dafür werden diese gewählt und mit entsprechenden Beiträgen befähigt, nur ist die Denk- und Handelsweise noch im Sinne der Arbeitnehmer? Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Institutionen brauchen aber ich bin auch davon überzeugt, dass diese Institutionen als auch unser Gesetzgeber mehr Geschwindigkeit brauchen.

Es ist schwierig, in einer so verrückten Zeit das Richtige zu tun! Irgendwie gibt es den einen Kamm über den wir alles scheren können nicht mehr, die Menschen sind individueller als jemals zuvor, in keinem meiner 47 Jahre war es niemals so wichtig selbstbestimmt zu arbeiten. Für mich persönlich hat sich die Arbeit an sich komplett verändert, denn gefühlt gehe ich nicht mehr zur Arbeit, sondern leiste schlichtweg meinen Beitrag zum Erfolg des Unternehmers, dafür werde ich bezahlt und ich mache es fast immer selbstbestimmt und gerne.

Ich könnte mir ein Arbeiten in einem Großkonzern mit all den verschiedenen Facetten der Fremdbestimmung nicht mehr vorstellen, eine Stempeluhr ist für mich ein Relikt aus den alten Zeiten wie eine Dampfmaschine. Solange ich das Ergebnis erreiche, was im Einklang zu meiner Bezahlung steht, soll es bitte auch meine Entscheidung sein, wie ich dieses Ergebnis erreiche.
Müssen wir in einer modernen Zeit mit modernen Werkzeugen bei Schlagworten wir Industrie 4.0 nicht auch über gelebte Methoden, Denkweisen rund um das Arbeiten nachbessern, das existierende Arbeitsrecht hinterfragen und auch unsere Arbeitnehmervertreter abholen und ggf. digitalisieren.

In einer sich mehr und mehr öffnenden Gesellschaft in der wir alle mit unserer Meinung in sozialen Medien nicht hinterm Berg halten sollten wir da nicht auch offen über unsere Wünsche an modernes und selbstbestimmtes Arbeiten diskutieren warten, bis diese vorgegeben werden.

Ich persönlich habe nicht das Gefühl, dass der Einzelne welche mit seiner harten körperlichen Arbeit dafür sorgt, dass mein Auto ein Auto ist, gefragt wird, wie er sich einen modernen Arbeitsplatz vorstellt und diesen gerne gestalten würde und dennoch bin ich davon überzeugt, dass genau er es ist, der dafür sorgt, dass es uns so gut geht in Deutschland. Themen wie Industrie 4.0 und auch Arbeitsplatz der Zukunft sind Schlagworte der IT und sorry wir IT’ler müssen uns eingestehen wir sind nicht die Masse.
Wäre es nicht fantastisch, wenn viel mehr Initiative rund um modernes Arbeiten aus den Gewerkschaften und Betriebsräten kommen würde?

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Karl Gerber
Karl Gerber ist seit Mai 2017 Gastautor auf Denkhandwerker. Nach sehr unterschiedlichen Stationen im Daimler Konzern hat Herr Gerber sich im Jahre 2000 entschlossen den sicheren Schoß dieses tollen Unternehmens zu verlassen und sich auf den Weg in die weite Welt der IT zu machen. Seitdem ist er im Vorstand der IT Competence Group.
  • David

    Vllt. könnte man den Beitrag um einen Gedanken erweitern… Aus meiner Sicht sind BR, IT, HR und alle anderen nur Dienstleister, wenn (und das ist das wichtige Wörtchen) wir den Menschen (manchmal auch Mitarbeiter) in den Mittelpunkt stellen. Dann geht es plötzlich nicht mehr um Institutionen oder Abteilungen, sondern es geht um den Menschen für das wir das machen…