Mein Vater hat gesagt, das ist Science-Fiction, meine Oma hat nur mit dem Kopf geschüttelt – oder wie aus einer Zukunftsvision die Realität wurde und was wir daraus lernen sollten

Im zarten Alter von 12 Jahre war der fahrende Ritter Michael Knight (gespielt von David Hasselhoff) in der Fernsehserie Knight Rider ein unerklärliches Phänomen für mich, mit seinem futuristischen Auto, welches sprechen konnte und auch auf Befehle hörte, war er einer meiner Helden der Kindheit.

Ja, Helden sind es, die einen animieren zu einem Höheren zu streben und K.I.T.T. war mein Held.

Wer nun dachte, in dem Satz geht es um Michael Knight, der irrt, das Auto war der Held der Serie und daran ließen auch die Produzenten keinen Zweifel, den der Slogan vom Vorspann war: ein Auto, ein Computer, ein Mann

Als ich heute in der Frühe ins Büro gefahren bin, habe kurz nach dem Einsteigen in meinen Wagen gesagt „Hey Cortana, wie ist der Verkehr nach München“ und über den Lautsprecher meines Autos ertönte in freundlicher Stimme „Es liegen keine Meldungen vor“. Nach ein paar Metern Strecke meldete sich mein Auto mit dem freundlichen Hinweis, der Tank sei leer, ob er eine Tankstelle im Navigationssystem suchen solle und in 2500 km wäre dann auch mein AddBlue leer.

Ja, dank der Kombination von Smartphone, Digitalisierung im Auto und der Cloud ist das Leben einfacher geworden. Wenn ich so in das Jahr 1982 zurückdenke, fahre ich mit dem Nachfahren meines Helden von damals heute regelmäßig zur Arbeit.

Was vor 30 Jahren noch Science-Fiction war oder als futuristisch galt, ist heute Realität geworden und so frage ich mich in Anbetracht der oft vorherrschenden Bedenken gegenüber „Digitalisierung“ unseres Alltages, ob ich/wir nun die Position meines Vaters oder die meiner Oma eingenommen haben und mit Kopfschütteln vor der „Cloud“ stehen und dies alles mit Unverständnis abtun.

Sind Dinge wie Smartphones, Tablets, IoT jetzt für uns die Dinge wie ein sprechendes Auto für unsere Eltern und Großeltern, begehen wir dieselben Fehler, nehme wir die Sachen als Humbug, Science-Fiction nicht ernst und was bedeutet dies für uns und unsere Kinder.

Es ist eine sehr abstrakte Betrachtungsweise einer Entwicklung, welche von einer Industrie getrieben wird, die sich alle paar Monate neu erfindet. IT ist etwas Dynamisches, sich ständig Veränderndes nicht greifbar und vor allem immer futuristisch und dennoch haben gerade diese IT Trends unser tägliches Leben so stark verändert.

Wir müssen uns dem Neuen öffnen, denn eines haben die letzten Jahre sehr stark gezeigt, Science-Fiction ist das, was in 5-10 Jahren Realität ist. Es ist ein uns antrainiertes Denkmuster, welches sicherlich auch ein Generationsproblem ist und doch ist es ein leichtes für uns, eben diesem Zwang zu entweichen. Nicht alles, was wir heute als große Errungenschaft präsentiert bekommen ist, wirklich neu, vieles begleitet uns seit vielen Jahren im Verborgenen und wird nun gerade im Rahmen der Digitalisierung präsent und davor sollten wir definitive keine Aversion haben.

Ich will ein Beispiel nennen, bereits 1986 hatten Industrieunternehmen in Deutschland sogenannte Fahrtenschreiber an ihren Fertigungsmaschinen, welche auf einer Papierrolle bestimmte Parameter der Maschine dokumentierten. Diese Papierrollen mussten täglich ausgetauscht werden und anhand der Linien wurde dann entschieden, ob für diese Maschine ein Wartungsfenster benötigt wird. Heute in der digitalen Welt nenne wir das „predictive maintenance“ und plötzlich kommen Begrifflichkeiten wie „Umkrempeln der Wartung“ in etablierten Zeitschriften vor. Eigentlich hat sich nur die Darreichung bereits bekannter Informationen geändert.

Wenn wir aufhören den Kopf zu schütteln und uns einfach der Sache nähern, stellen wir fest, vieles ist nicht neu, sondern nur in einem neuen Format und JA das neue Format bringt viele Vorteile mit sich.

Unsere Aufgabe ist es diese Vorteile zu erkennen und zu nutzen und ja es ist die Aufgabe von den Vorreitern, uns die auch wirklichen Innovationen zugängig zu machen, dafür sollten wir sie lieben und nicht strafen. Die Digitalisierung ist die logische Weiterentwicklung von etwas Bestehenden so, wie mein Auto sich um Enkel von K.I. T. T entwickelt hat.

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Karl Gerber
Karl Gerber ist seit Mai 2017 Gastautor auf Denkhandwerker. Nach sehr unterschiedlichen Stationen im Daimler Konzern hat Herr Gerber sich im Jahre 2000 entschlossen den sicheren Schoß dieses tollen Unternehmens zu verlassen und sich auf den Weg in die weite Welt der IT zu machen. Seitdem ist er im Vorstand der IT Competence Group.
  • wettenwetter

    Super Beitrag. Ich denke das wir selbst das Problem sind. Unsere Gewohnheiten sind oftmals so stark in uns verwurzelt das wir uns gegen jeder Änderung oft auch unbewusst dagegen stemmen. Wir versuchen dann neues umzusetzen das „alte“ kommt aber immer wieder in uns hoch und sagt nein bleib doch bei mir es ist doch viel einfacher. Aus diesem Tuefelskreis kommt man meist nur durch viel Training raus und manche Menschen eben nie.