Als Microsoft vor etwa sechs Jahren Office 365 auf den Markt brachte, ging es nicht nur um die integrierte Bereitstellung von Office-Client, Exchange Online, SharePoint Online, Skype für Business, im Kontext Azure AD und Azure RMS. Es ging nicht nur darum, Unternehmen eine schnelle, eine leistungsfähige Produktivitäts-Suite ohne komplizierte Installation und Konfiguration bereitzustellen. Es ging nicht primär um Kundenbindung und das Generieren regelmäßiger Umsatzströme.

Vielmehr war es ein (erster) Schritt von Microsoft, der eine grundlegende Zäsur mit der Art und Weise war, wie das Unternehmen Produkte denkt, entwickelt und auf den Markt bringt. Umfassende Lösungen und Services und nicht einzelne Produkte standen im Mittelpunkt. Eine Abrechnung pro Nutzer war der Kicker. Eine flächendeckende Verbreitung und Bereitstellung von seinerzeit nicht etablierten Lösungen war ein gewollter Nebeneffekt.

In diesen Tagen geht Microsoft noch einen Schritt weiter. Unter der Produktbezeichnung „Microsoft 365“ werden Office-Produktivitätslösungen mit Windows-Nutzungsrechten, Mobile-Management-Software und Security-Service kombiniert angeboten.

 

Microsoft 365 – was ist das?

Zunächst, bzw. auf den ersten Blick, ist Microsoft 365 (abgekürzt M365) ein Produktbündel, eine Kombination bestehender Produkte. Es handelt sich um weitere Software-as-a-Service-Angebote, die unter der Marke, bzw. dem vereinheitlichten Brand „365“ zusammengeführt werden. Zunächst startet Microsoft mit zwei Varianten: Eine für „Enterprise“ – also die Anforderungen von großen Unternehmen und Konzernen – und eine für „Business“ – also für kleinere und kleinere mittelständische Unternehmen, die nur geringe Kompetenzen im Management von IT-Ressourcen bzw. nur „eine kleine“ IT-Abteilung haben und/oder nicht mehr als 300 Abonnements benötigen.

Dabei ist Microsoft 365 Enterprise im Prinzip die Weiterentwicklung (und Rebranding), ein neuer Name für Produkte und Services, die vor ziemlich genau einem Jahr eingeführt wurden, nämlich „Secure Productive Enterprise“.

Secure Productive Enterprise, oder kurz SPE, ist eine Bundle, das Office 365, die Enterprise Mobility und Security-(EM+S)-Services sowie Windows 10 Enterprise in einer Abonnementlizenz kombiniert. SPE wird in zwei Varianten angeboten. Ziel von SPE war, und von Microsoft 365 (Enterprise) wird es sein, State-of-the-Art-Service im Bereich Unternehmenssicherheit, Produktivität, Zusammenarbeit und Geschäftsanalysen für mittelständische und große Unternehmen anzubieten.

Interessanter, weil neuer, ist aber „Microsoft 365 Business“, abgekürzt M365 Business.

M365 Business enthält/besteht aus den Komponenten Office 365, also einem Service, der alle Office-Client-Anwendungen, gehostete Exchange-E-Mail, OneDrive-Speicher-Service, Skype für Business und vieles mehr umfasst. Ferner Windows 10 Pro. Durch dieses Nutzungsrecht können Unternehmen (u. a.) ihre mit Windows 7 Pro oder Windows 8.1. Pro betriebenen Geräte auf Windows 10 Pro unter M365 Business aktualisieren.

Ferner enthalten: „Windows 10 Business“. Das beinhaltet nach Angaben von Microsoft eine Reihe von Cloud-basierten Services und Geräteverwaltungsfunktionen, die das eigentliche Windows 10 Pro ergänzen und die zentrale Verwaltung und Sicherheitskontrollen ermöglichen sollen. Zu den Services und Tools gehören Komponenten von Intune, die Microsoft-Mobile-Enterprise-Management-(EMM)-Plattform sowie Windows AutoPilot, ein automatisierter Bereitstellungsdienst.

Es wird kolportiert, dass M365 Business zur Markteinführung nur unwesentlich teurer ist als die im Bundle integrierte Office-365-Komponente. Hierdurch soll die Entscheidung „pro M365“ beschleunigt werden.

 

Kurzanalyse

Mit M365 bringt Microsoft einen zentralen und relevanten Service auf den Markt; relevant für das eigene Unternehmen und relevant als Option von Anwenderunternehmen.

M365 ist für Microsoft deshalb relevant, weil hierdurch einerseits die Kundenbindung nachhaltig erhöht werden kann. Andererseits werden bestehende Services zusätzlich verbreitet und monetarisiert, es gibt eine tiefere Kundendurchdringung im Kontext einer Steigerung des Share of Wallet. Darüber hinaus wird Microsoft 365 die Grundlage sein, weitere Services, insbesondere Security-Services, bei einer breiten Schicht von Kunden zu positionieren. Mit M365 bietet sich für Microsoft die Chance, Kunden noch stärker in der Breite und Tiefe zu durchdringen.

Für kleine und kleinere mittelständische Unternehmen ist Microsoft 365 eine Antwort, eine Option, um den immer größer werdenden Anforderungen im Bereich Sicherheit, Management von Informationen und Identitäten sowie der proaktiven Gefahrenabwehr gerecht zu werden. Einfach konfektioniert, mit attraktiv scheinenden Einführungspreisen und umfänglich.

 

Empfehlungen

Unternehmen, die im Bereich von Clients und Arbeitsplatzproduktivitätslösungen auf Microsoft setzen, bei denen Microsoft der präferierte Lieferant für Office-Produktivitätslösungen in einer hybriden Client-Struktur ist und die (noch immer) der Überzeugung sind, Office bzw. Office 365 sind eine Grundlage für zukünftige Arbeitsplatzszenarien, sollten sich zeitnah mit M365 beschäftigen und eine Einführung anstreben. Etwaige bestehende Security- und Mobile-Managementlösungen können abgelöst werden.

Unternehmen, die Herausforderungen im Bereich Security haben und sich damit beschäftigen, Advanced Threat Protection einzuführen, die Geräteschutz, Identitätsschutz, Informationsschutz im Kontext mit Cloud-Sicherheits-Analysediensten realisieren wollen, finden mit Microsoft 365 eine gute Basis, die erweitert werden kann. Diese Unternehmen sollten M365, respektive die ganzheitlichen Sicherheitslösungen, bei ihrer Entscheidungsfindung berücksichtigen (und mit einem intelligenten Best-of-breed-Ansatz vergleichen).

Verantwortliche in Unternehmen, auf die diese beschriebenen Eigenschaften bzw. Anforderungen zutreffen, sollten sich aktiv mit M365 beschäftigen. Dabei wird besonders empfohlen, sich unmittelbar mit weiteren Security- und IT-Managementlösungen zu beschäftigen und einen langfristigen Adaptionsplan – einen Bereitstellungsplan – zu konzipieren. Dies ist auch deshalb notwendig, um etwaige Gesamtkosten und Abhängigkeitsverhältnisse (zu weiteren Microsoft-Produkten) zu berücksichtigen. In die Betrachtungen sollten zwingend Preisentwicklungen in den kommenden Jahren einbezogen werden. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, die vorhandene Struktur gegen M365 zu mappen, eine Best-of-breed-Alternative zu durchdenken und die Optionen entlang der primären Kriterien „Bedarf“, „Leistungsfähigkeit“, „Preisentwicklung“, „Zukunftssicherheit“ und „Innovationskraft“ zu beurteilen.

Bei der Entscheidung pro oder contra M365 geht es um mehr als um die Beschaffung einzelner Funktionen; es ist eine Grundlagenentscheidung.

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Axel Oppermann
Axel Oppermann ist seit über 15 Jahren als IT-Marktanalyst tätig. Aktuell arbeitet er für das Beratungs- und Analystenhaus Avispador als Analyst. Axel schreibt bei Denkhandwerker über Trends und nachhaltige Entwicklungen.