Heute möchten wir euch auf erste Buch von unserem Gastautor Marvin Nowozin hinweisen.  „Sind alle Schwäne weiß?“ ist ein Buch voller Inspirationen zum kritischen Hinterfragen.und Querdenken.

#leidergut

Wer oder was beeinflusst uns in unserem täglichen Handeln? Wer ist für unsere...Book Details
Author : Marvin Nowozin
Published On : 23.01.2017
Book URL : Buy
Sind alle Schwäne weiß?: Inspirationen zum kritischen Hinterfragen & Querdenken

 

Hier ein Auszug aus dem Kapitel: Der Anker im Kopf

 

»Beträgt die Höhe des größten Küstenmammutbaums mehr oder weniger als 366 Meter? Wie hoch ist Ihrer Meinung nach der größte Küstenmammutbaum?«

Was würdest du hierauf antworten? Tatsächlich wurde diese Frage Besuchern eines naturwissenschaftlichen Museums in San Franziscos gestellt. Im Schnitt beantwor­teten die Besucher die zweite Frage mit: 257 Metern.

 »Beträgt die Höhe des größten Küstenmammutbaums mehr oder weniger als 55 Meter? Wie hoch ist Ihrer Meinung nach der größte Küstenmammutbaum?«

In abgewandelter Form wurde diese Frage der nächsten Besuchergruppe gestellt. Die Höhe des größten Küsten­mammutbaums wurde nun durchschnittlich auf 86 Meter geschätzt.

Wie können die Antworten in beiden Besuchergruppen so unterschiedlich sein? Einen wesentlichen Einfluss auf die Beantwortung der eigentlichen Frage hat die Bezugs­größe aus der vorangegangenen Frage. Diese Informa­tion, verpackt in der Frage, ob der größte Mammut­baum mehr oder weniger als X Meter groß ist, hat einen wesent­lichen Einfluss auf die Beantwortung der zweiten Frage. Bezeichnet wird dieses Phänomen als „Ankerheuristik“. Nach dieser Heuristik haben Umgebungsinformationen einen unbewussten Einfluss auf unsere Entscheidungen. Diese Entscheidungen orientieren sich oftmals an einer willkürlich verankerten Bezugs­größe und sind daher oft irrational. Die beiden Kognitionspsychologen Kahneman und Tversky belegten Anfang der Siebzigerjahre erst­mals diesen Einfluss eines willkürlich gesetzten Ankers auf die menschliche Entscheidungsfindung. In einem ähnlichen Experiment wie auf der vorigen Seite bat Daniel Kahneman die Versuchsprobanden darum, die letzten Ziffern ihrer eigenen Sozialversicherungsnummer aus­wendig zu lernen.6 Anschließend sollten diese dann die Anzahl der praktizierenden Ärzte in New York schätzen. Das über­raschende Ergebnis: Die eigene Sozialver­sicherungs­nummer hatte einen entscheidenden Einfluss auf die spätere Schätzung, welche nicht mit dem Zufall erklärt werden konnte. Denn je größer die beiden End­ziffern der eigenen Sozialversicherungsnummer waren, desto größer wurde die Anzahl der New Yorker Ärzte geschätzt. Obwohl die Sozialversicherungsnummer also keine sinnvolle Information für die Beantwor­tung der Frage lieferte, hat sich diese wie ein Anker im Kopf der Pro­banden verhakt und einen unbewussten Einfluss auf die Antwort gehabt. Aufgrund deines neuen Wissens über den Ankereffekt solltest du dir bei deinen nächsten Entscheidungen etwas Zeit nehmen und dich selbst über­prüfen, ob du unvor­eingenommen an die Sache rangehst.

Ein kleiner Tipp: In einigen Situationen kannst du den Anker-Effekt auch zu deinem Vorteil nutzen! Ähnlich wie eine „manipulierte“ Bezugsgröße bei der Ankerheuristik den Probanden beeinflussen kann, zeigt das Experiment von Solomon Asch aus dem Jahr 1951, wie sehr wir uns von unserem Umfeld leiten lassen.

Copyright MarvinNowozin

Während eines Experiments sollten die Probanden in einem Konferenzraum gemein­sam einschätzen, welche der drei Vergleichslinien (A bis C) die gleiche Länge wie die Referenzlinie (links) hat. In Wahr­heit gab es jedoch nur einen Probanden, da die restlichen Teilnehmer instruiert und Teil des Experiments waren. In einem ersten Durchgang sollten diese Personen ihre wahre Mei­nung äußern, wodurch der Proband kaum Fehler machte (insgesamt lag die Fehlerquote unter 1 %).

In einem zweiten Durchgang wurden insgesamt achtzehn Schätzungen durchgeführt, wobei die instruierten Teil­nehmer während der ersten sechs Durchläufe ein richtiges Urteil abgeben sollten, um auf den Probanden einen glaubhaften Eindruck zu machen. Bei den verbleibenden zwölf Durchgängen sollten sie in 50% der Schätzungen eine Falschaussage machen (so hätten diese beispielsweise behauptet, dass unsere Referenzlinie die­selbe Länge wie Vergleichslinie A hat). Trotz offensicht­licher Fehlent­scheidung passte der Proband in ein Drittel der Durch­gänge seine Entscheidung an die Meinung der instruierten Teilnehmer an. Aschs Experiment belegt deutlich, dass wir uns bei unserer Entscheidungs­findung stark von unserem Umfeld beeinflussen lassen.

 

Informationen zu dem Buch findest du hier:

#leidergut

Wer oder was beeinflusst uns in unserem täglichen Handeln? Wer ist für unsere...Book Details
Author : Marvin Nowozin
Published On : 23.01.2017
Book URL : Buy
Sind alle Schwäne weiß?: Inspirationen zum kritischen Hinterfragen & Querdenken

 

 

 

 

Leonie Beermann
Leonie Beermann arbeitet seit 2016 für das Beratungs- und Analystenhaus Avispador als Projektleiterin. Nebenbei macht Sie noch Ihren Bachelor of Arts in Wirtschaft und Management.