mit großem Interesse gelesen habe ich deine Ausführungen zur Rolle von Kollaborationswerkzeugen in Unternehmen im Allgemeinen und zu meinem kurzen Vortrag am vergangenen Dienstag im Rahmen des IBM Club of Excellence sowie zum launigen Interview mit Gunnar. #ciokurator

Ich will deine Ausführungen, die viele interessante Facetten streifen, nicht als „Erinnerungswahn“ abtun, der vor allem dazu dient, von den Themen und Problemen der Gegenwart abzulenken. Nein: Ich möchte vielmehr etwas Öl ins Feuer gießen, weitere Reibung mit dir und Dritten erzeugen und mich an der Diskussion erfreuen. Die Ausführungen sollen ein Reiz sein, darüber nachzudenken, wie es geht und wie es gehen könnte. Also: Die Spiele gehen weiter …

Prolog

Die globale Wirtschaft steckt in einer Nachhaltigkeitskrise. Die Staaten kümmern sich nur um das eigene Wohl, statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Dies überträgt sich auch auf viele Unternehmen; auf die Verantwortlichen in Unternehmen. Konzepte zur wachstumsneutralen Unternehmensführung werden genauso wenig angedacht wie Konzepte zur wirklichen, radikalen Beantwortung der dringenden Fragen und zur Lösung der Probleme des Individuums, des Teams oder des Unternehmens.

Genauso wenig werden von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft die in den kommenden Jahren zu erwartenden Entwicklungen wie Automatisierung oder autonome Wirtschaftssubjekte in der Breite berücksichtigt oder gewürdigt.

 

Was ich denke – was ich sage

Anstelle sich auf die Einführung von Kollaborations- und Kommunikationslösungen zu forcieren und die gelebte Istsituation in ein neues Gewand zu übertragen, sollten/müssen sich Verantwortliche auf die Art und Weise der zukünftigen Leistungserbringung konzentrieren und sicherstellen, dass dies realisiert wird. Hierzu sind zwei zentrale Fragen zu beantworten:

  1. Wie werden wir (im Unternehmen) in drei, fünf (oder xy Jahren) unsere Leistungen erbringen?
    • Was bieten wir den Kunden an?
    • Wie stellen wir die Leistung her?
    • Wie wird Wert erzielt?
  2. Was wird „der Kunde“ (der Markt) in vier, sechs oder xy Jahren nachfragen?
    • Wer sind unsere Zielkunden?

Egal, ob oder wie die Fragen beantwortet werden: Die Lösung – der Weg zur Zielerreichung – werden andere sein, als sie heute realisiert werden. Automatisierung und autonome Services werden die Zukunft sein; werden zentrale Erfolgsfaktoren sein. So senkt Automatisierung die Kosten weit mehr(,) als Einsparungen bei Humanressourcen und Prozessoptimierung (es in der Vergangenheit getan haben). Lieber Stefan, ich könnte jetzt diese Ausführungen mit Dutzenden von kommerziellen oder wissenschaftlichen Studien und Analysen untermauern; ich spare mir aber den Aufwand.

 

Ich will klar sein wie ein strahlender Sommermorgen

Natürlich haben Lösungen für Kollaboration und Kommunikation in Unternehmen eine zentrale Bedeutung; und werden diese auch noch lange einnehmen. Der Dialog und die Interaktion von Menschen in Unternehmen bzw. Unternehmensnetzwerken und im Wertschöpfungsverbund wird weiterhin kontextabhängig auf unterschiedlichen Plattformen stattfinden. Selbst die E-Mail wird laut einer Studie von Deloitte aus dem Jahr 2017 als (mobiler) Kommunikations- und Marketingkanal relevant bleiben; auch für junge Nutzer.

Allerdings wird sich die Art und Weise der Kommunikation und Interaktion innerhalb von Unternehmen und Wertschöpfungsketten in den kommenden Jahren massiv verändern. Dies hängt damit zusammen, dass sich zurzeit die Art und Weise nachhaltig ändert, wie eine Vielzahl von Unternehmen ihre Leistungen erbringt. Dies hängt neben sich ändernden Anforderungen der Zielgruppe auch mit dem Eintritt neuer Marktteilnehmer (= Wettbewerber) und dem Erschließen neuer Absatzwege und Märkte zusammen. Und zwar bedingt durch technische und gesellschaftliche Entwicklungen, wie exemplarisch dem kollaborativen Verbrauch („Collaborative Consumption“), also auch die Transformation der wirtschaftlichen Denkmuster vom Haben zum Teilen; die Wandlung von einer Eigentumsgesellschaft mit monetären Wertausgleichssystemen in eine Besitzgesellschaft mit monetären (oder nichtmonetären) Wertausgleichssystemen.

Für viele Unternehmen bedeutet dies eine Entwicklung vom Produktionsbetrieb zum Serviceanbieter – respektive zu einem hybriden Anbieter. Klar: Auch wenn heute nahezu keine Produkte ohne Services verkauft werden können – und auch in der Industrie & Co. umfassende Servicekompetenzen vorhanden sind –, bedarf es dessen ungeachtet einer Weiterentwicklung der Dienstleistungsperspektive. Die Frage, die hier gestellt werden muss, ist die nach der Geschwindigkeit und Integrationstiefe. Damit einher geht die Art und Weise der Leistungserbringung im Allgemeinen und der Positionierung im Besonderen; Stichwort: Plattform. Und hier komme ich zu meiner Aussage: Nur Unternehmen, die die Automatisierung und autonome Services forcieren, werden hier Vorteile erzielen; werden den eigenen Innovations- und Digitalisierungsprozess beschleunigen.

 

Wie wird das ablaufen?

Um etwaige Serviceinnovationen inkl. der notwendigen Differenzierungskriterien am Markt erfolgreich zu platzieren, bedarf es einer IT-Infrastruktur, die die Serviceinnovationen auch ermöglicht. Es bedarf einer Organisationsform, die diese Ausrichtung auch ermöglicht.

So werden in Unternehmen zukünftig, und ich prognostiziere auf allen Ebenen, Entscheidungen in vier (bzw. drei plus eins) Stufen getroffen; zunächst unterstützend, zunehmend automatisiert und letztendlich autonom. Dabei werden die unterschiedlichen Stufen nach und nach die Unternehmen, in Tiefe und Breite, durchdringen und auch parallel/gleichzeitig in unterschiedlichen Situationen genutzt.

In den kommenden 12 bis 18 Monaten werden zunächst zunehmend Rule-based-Entscheidungsunterstützungen eingeführt. Also irgendetwas mit/basierend auf Boole‘schen Variablen. Klar: Gibt es schon; jedoch werden Durchdringung und Relevanz zunehmen.

Im nächsten Schritt erfolgt eine zunehmende Automatisierung auf Basis statistischer Werte/Analysen; auf Basis statistischer Argumentation und Vorschläge. Diese basieren auf einfachen Regressionen. Also so etwas, was heute unter Predictive Maintenance verstanden wird, halt auch in Marketing, Vertrieb, HR etc. Gefolgt von „automatisierten“ Klassifikationsaufgaben basierend auf beliebigen Daten (… so etwas wie Machine Learning).

Diese drei Stufen bzw. Ebenen der Automatisierung werden ergänzt bzw. abgelöst von autonomen Systemen, die eine dynamische Gestaltung von „Neuem“ ermöglichen; also mehr oder weniger Artifical Intelligence.

 

Was ich noch zu erzählen hätte …

An dieser Stelle, lieber Stefan, kämen normal jetzt noch 6.262 Zeichen Text, die die Aussagen untermauern, neue Facetten reinbringen. So mit richtig gelungenen Sprachbildern, Beleidigungen und so. Hatte ich auch schon alles geschrieben. …. was hat mein Aluhut geglüht!

Habe mich aber dazu entschlossen, diese Ausführungen erstmal in den Giftschrank zu legen. Auch glaube ich, dass auch so jetzt nicht mehr alles Mumpitz für dich ist. Ich hoffe, dass meine kurzen Ausführungen, auch wenn ich bewusst auf viele Details, das Zitieren von Studien und Aufzählen von Beispielen verzichtet habe, dir …

Nichts zu danken & remember where you …

Axel

 

Epilog

Manche Entwicklungen – manche Trends – sind so erfolgreich, dass sie zur Norm werden: Schau, man muss sich zuallererst die Evolution der Internetindustrie ansehen; so mit dem/ab dem Stand 2010: Von, um nur die Großen zu nennen, Yahoo/Amazon/ebay bis Google/Apple bis Facebook. Worum ging es denn hier? Entweder um Güter („Tangible“) oder um mediale Inhalte/einfache Dienste („Entertainment“). Inzwischen jedoch haben wir (Internet-)Dienste, die weder das eine noch das andere benötigen (Uber, Airbnb etc.), sondern lediglich als (mehr oder weniger) smarte Vermittler dienen; alles im B2C-Bereich und zunehmend B2B. Somit ist doch die eigentlich wichtigste Frage: Was braucht die Consumer-Welt – was braucht der Kunde – und in unser Themenfeld übertragen: Was braucht (der dann noch benötigte) Mitarbeiter als Nächstes? Und nicht: Was haben wir schon (bzw. was machen die … und …); oder: wie bringe ich mein altes Geschäft durch usw. Denn eines ist doch klar: die … und … sind bereits Relikte! Der Fortschritt hat seine Kinder gefressen; und so. Und keinesfalls Vorbilder für die nächste Stufe. Warum? Was sich tatsächlich völlig geändert hat, ist, dass „Ressourcenstärke“, insbesondere Mitarbeiter, aber auch oftmals/zunehmend (zum Leidwesen eines nachhaltigen Wohlstands und nur zum Generieren kurzfristiger Werte) Produktionsstätten, Eigenkapital usw. nahezu bedeutungslos geworden sind in dieser „neuen“, digitalen Wertschöpfungserzeugung.

 

Arbeitsplatz der Zukunft – Axel Oppermann

Posted by Gunnar Sohn on Tuesday, October 10, 2017

 

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Axel Oppermann
Axel Oppermann ist seit über 15 Jahren als IT-Marktanalyst tätig. Aktuell arbeitet er für das Beratungs- und Analystenhaus Avispador als Analyst. Axel schreibt bei Denkhandwerker über Trends und nachhaltige Entwicklungen.