Soll ich meine Hand heben oder nicht? Für eine kurze Zeit war ich hin- und hergerissen, doch dann hob ich meine Hand nicht. Nein, diese Frage konnte ich einfach nicht mit einem innerlich starken JA beantworten. Zu weit weg erschien mir das Erreichen dieses Zieles. Nein, das lag zu weit weg von meiner derzeitigen Grenze.

“Wer von Euch kann einen Marathon laufen?” Das war die Frage, die der Seminarleiter vor einigen Jahren in einem Seminar, bei dem ich als Teilnehmer dabei war, stellte. Und es gingen damals nur wenige Hände nach oben. Meine Hand blieb unten, wie Du ja bereits erfahren hast.

Marathon? Über 42 Kilometer laufen? Niemals! Bei maximal zwölf Kilometern ist bei mir Schluss, dachte ich mir damals innerlich. Diese zwölf Kilometer bildeten meine Grenze im Kopf. Und diese Grenze war fest einzementiert.

Der Seminarleiter blickte sich, nachdem er die Frage gestellt hatte, um und sagte: “Ich wundere mich jetzt schon, dass nur so wenige Hände nach oben gegangen sind. Denn einen Marathon könnte jeder von Euch laufen. Die 42,195 Kilometer könnte jeder von Euch schaffen.” Ich dachte mir in diesem Moment nur: “Spinnt der? Ich schaffe das derzeit nie!” Und dann fuhr er fort: “Aber wahrscheinlich haben die meisten von Euch jetzt Bilder und Zeiten im Kopf. Drei Stunden, vier Stunden, vielleicht auch fünf Stunden. Doch vergesst mal diese Vorstellung in Eurem Kopf. Ich habe Euch nicht gefragt, ob ihr in vier Stunden einen Marathon laufen könnte, sondern ob ihr grundsätzlich einen Marathon laufen könnt. Egal in welcher Zeit. Und die meisten von Euch haben sich dadurch eingeschränkt, weil sie in ihrem Kopf eine grundsätzlich andere Vorstellung hatten. So habt ihr schon aufgehört, bevor ihr überhaupt angefangen habt. Und das ist in vielen Bereichen unseres Lebens so. Wir fangen schon gar nicht erst an, weil wir uns durch unser eigenes Denken und unsere Vorstellungen limitieren. Denkt einfach mal darüber nach.”

Rumms! Das saß! Im ersten Moment dachte ich mir damals: “Mensch, was bildet sich der überhaupt ein!” Doch irgendwie spürte ich mit der Zeit, dass er mit dem, was er gesagt hatte, absolut Recht hatte. Und damit hat er bei mir etwas ausgelöst. Es machte dadurch im wahrsten Sinne des Wortes “klick” bei mir.

Denn von diesem Tag an wurde mir klar, dass fehlende Erfahrung oder eine derzeit noch fehlende Vorstellung von etwas nicht der Grund sein können und auch nicht sein dürfen, persönliche Grenzen nicht zu verschieben oder auch etwas Neues, bisher noch nicht Dagewesenes, anzupacken. Und das gilt für alle Bereiche in unserem Leben.

Und so traf ich 2009 die klare Entscheidung für mich, 2010 meinen ersten Marathon zu laufen. Und am 13. Juni 2010 war es dann soweit. Ich lief meinen ersten Marathon. Eine jahrelange Grenze im Kopf war verschoben worden. Heute weiß ich, dass durch diesen damaligen Impuls meine Selbsterkenntnis und meine Selbstführung sich sehr stark ausgeweitet haben und ich dadurch erste spüren konnte, welche Leistungsfähigkeit in mir steckt.

Eine solche Grenze im Kopf vieler Menschen verschob am 19. April 1967 beim Boston Marathon die 20-jährige amerikanische Studentin Kathrine Switzer. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war es Frauen untersagt, überhaupt an einem Marathon teilzunehmen. Der Grund: Man glaubte, dass diese Strecke für Frauen einfach viel zu anspruchsvoll sei und von der körperlichen Belastung nicht durchzustehen war. Die 800-Meter-Strecke war bis dahin die längste offizielle Wettkampfstrecke für Frauen.

Und auch Kathrine Switzer konnte 1967 diesen Marathon nur mit einem Trick laufen. Denn um überhaupt daran teilnehmen zu können, ging sie als Mann verkleidet an den Start. Während des Marathons erkannte man dann ihre Verkleidung und wollte sie unbedingt aus dem Rennen bringen. Doch Kathrine Switzer blieb standhaft. Sie ließ sich nicht beirren und lief diesen Marathon in einer Zeit von 4:20 zu Ende. Eine jahrhundertelange feste Grenze in den Köpfen der Menschen war verschoben worden.

Auch für Frauen war es von nun an möglich, einen Marathon ohne den Glauben an gesundheitliche Schädigungen laufen zu können. Und wie dies möglich war. Denn als Kathrin Switzer 1975 dann wieder, diesmal auch ganz offiziell. den Boston Marathon lief, schaffte sie dies in einer fabelhaften Zeit von 2:51,37 Stunden. Welche eine Leistung und welch eine Erweiterung für das Denken und den Glauben rund um den Globus.

Wie sieht es derzeit bei Dir aus? Nein, keine Angst. Es geht hier nicht darum, dass Du auch einen Marathon läufst. Sondern es geht darum, welches Vorhaben derzeit bei Dir nicht zu Deinen bisherigen Erkenntnissen oder auch Referenzerfahrungen passt? Doch unmöglich ist so etwas nur so lange, bis Du es in Deinem Kopf zulässt, dass es auch möglich sein könnte.

„Ungewöhnliches wurde immer nur von Menschen geleistet, die zu glauben wagten, dass irgendetwas in Ihrem Inneren den Umständen gewachsen sei!“, sagte der amerikanische Autor Bruce Barton.

Reagiere deshalb auf zukünftig neue Herausforderungen nicht vorschnell mit Ablehnung oder der inneren Haltung: „Das klappt sowie so nicht“ oder „das schaffe ich sowieso nicht.“ Denn damit beendest Du etwas, bevor Du es überhaupt begonnen hast.

Sage Dir stattdessen: „Interessant, was ich da gerade höre oder auch sehe. Wie könnte auch ich das angehen oder es schaffen? Wer könnte mir dabei helfen und mich unterstützen?“ Alleine solche Aussagen bzw. ein solches Denken ist schon der erste Schritt, um persönliche Grenzen in Deinem Kopf zu verschieben.

Es wirkt hier das Gesetz des Geistes und des Glaubens. Denn Dein Glaube ist die Basis Deiner Überzeugung. Und nur wenn Du felsenfest daran glaubst, kannst Du auch persönliche Grenzen verschieben. Solange Du glaubst, dass dies für Dich eine Nummer zu groß ist, wird es auch eine Nummer zu groß für Dich sein.

Deine Überzeugung ist der Schlüssel, um Grenzen zu verschieben und mehr Leistung zu spüren. Denn Dein Glaube ist ein mentales Bild, das sich nach und nach in der Realität entwickelt. Aus Deinem Glauben entwickeln sich Glaubenssätze. Diese werden zu Deinen Überzeugungen. Und Deine Überzeugungen bestimmten Deinen Alltag und somit Dein Handeln und Leben.

Der deutsche Schriftsteller Emil Gött hat einmal gesagt: „Ein Gefühl von Grenze darf nicht heißen: Hier bist Du zu Ende, sondern: Hier hast Du noch zu wachsen.“

Menschen mit einer stark ausgeprägten Selbsterkenntnis und Selbstführung lassen genau dies in ihrem Inneren zu und werden somit immer stärker wachsen. Sie probieren Neues aus, lassen sich auf neue Denkweisen ein, glauben daran und bauen eine starke Überzeugung auf. Und weiten so systematisch ihre Grenzen aus. Ein Mensch mit einer hohen Selbsterkenntnis und einer starken Selbstführung schafft sich mehr Möglichkeiten, als er vorfindet.

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Jürgen Zwickel
Jürgen Zwickel ist seit Oktober 2016 Gastautor bei Denkhandwerker.„Entdecke in Dir, was möglich ist“, so lautet das Motto des Vortragsredners, Autors und Impulsgebers Jürgen Zwickel.Der gelernte Bankkaufmann war jahrelang als Verantwortlicher sowohl im Ausbildungsbereich als auch in der Personalentwicklung einer großen Bank tätig, ehe er sich 2008 als Vortragsredner, Seminarleiter und Coach selbstständig machte.Aus seiner über 20-jährigen Erfahrung bei der Entwicklung von Menschen weiß er, dass in jedem von uns mehr steckt als das, was wir für gewöhnlich glauben. Dabei findet er es immer wieder spannend, wie es uns gelingt, diese Ressourcen zu erkennen und auch mehr Leichtigkeit in unser Handeln und Leben und im Umgang mit Veränderungen zu bringen.Er begleitet in seiner Tätigkeit Unternehmen, Organisationen, Menschen und speziell auch Sportler in ihrer (Leistungs)Entwicklung und Potenzialentfaltung und auf dem Weg zu ihrem persönlich besten Level.Er ist Gründer der Xing-Gruppe „Dein bestes Lebenslevel“ und betreibt den Podcast „Best-Level-Talk“, indem er und auch anerkannte Experten und außergewöhnliche Persönlichkeiten Inspiration, Motivation, Impulse und Tipps für das persönlich beste Lebenslevel weitergeben.Er ist zudem Autor dreier Bücher. Sein neuestes Buch hat den Titel: „Entdecke in Dir, was möglich ist - mehr Leichtigkeit, mehr Leistung, mehr Leben!“