Angenommen, Sie sind Marketingverantwortlicher eines B2C-Unternehmens, schreiben einen Kunden an und unterbreiten ihm ein zeitlich begrenztes Angebot. Dieser meldet sich bei dem Servicecenter, um die Bedingungen zu klären. Da die meisten Anrufe nach wie vor aus dem Festnetz eingehen und viele Telefonnummern unterdrückt werden, kann das CRM-System den Anrufer nicht identifizieren – der Kunde muss seine Daten selbst durchgeben. Da auch die Angebotsdaten nicht vorliegen, ist der Kunde gezwungen, den Grund seines Anrufs zu erklären. Alles in allem hat das Unternehmen keine Möglichkeit, die Kundeninteraktionen per SMS und per Festnetz miteinander zu verknüpfen, um Kontextinformationen bereitzustellen.

Die Vielfalt der Kanäle, über die Sie als Unternehmen mit Ihren Kunden kommunizieren, verhindert einen kontinuierlichen Dialog. Einmal schreibt der Kunde eine SMS oder hinterlässt eine Voice-Nachricht, das andere Mal chattet er per In-App-Messaging und ruft von unterwegs mit seinem Mobiltelefon Ihren Kundendienst an. Jedes Mal erklärt er von neuem, wer er ist und um was es geht. Denn jedes Gespräch, das auf einem Kanal geführt wird, findet isoliert von der Kommunikation auf den anderen Kanälen statt.

Es hinterlässt beim Kunden das Gefühl, keinen direkten Draht zu Ihrer Marke zu haben, obwohl er bei Ihnen einkauft. Wären Sie in der Lage, diese verschiedenen Kommunikationsstränge zu einem fortlaufenden Dialog zu verknüpfen, könnten Sie ihren Kunden eine bessere Omnichannel-Experience, sprich kanalübergreifende Nutzererfahrung, bieten.

Moderne Kommunikation: eine Herausforderung für die Omnichannel-Experience

Mit dem Aufkommen sogenannter A2P-Nachrichten (A2P = Application-to-Person) können Unternehmen automatisierte Mitteilungen zu bestimmten Transaktionen an den Kunden versenden. Da die Kontextinformationen fehlen, gibt es keinen Hinweis auf die Kontakte, die der Kunde schon auf anderem Wege mit Ihnen hatte. Bei A2P-Nachrichten kennen Sie weder den Inhalt der anderen Nachrichten, die der Kunde erhalten hat, noch die Reihenfolge, in der er sie gelesen hat. Selbst wenn eine Nachricht von einem bestimmten Ansprechpartner verschickt wird, liefert sie keinen Zusammenhang – sie wirkt lediglich persönlicher.

Die neuen Kommunikationskanäle reichen von In-App-Service-Diensten (z. B. Amazon MayDay), über unsichtbare Apps in Form von KI-Bots und -Services (z. B. Siri, Alexa) bis zu neuen Chat-Apps sozialer Netzwerke (z. B. Facebook Messenger). Sie sind zwar ideal für die Echtzeitkommunikation mit dem Kunden, doch für die Omnichannel-Experience stellen sie eine echte Herausforderung dar: Der Kunde denkt, er befindet sich in einem kontinuierlichen Dialog – doch in Wirklichkeit ist jeder Kanal vom anderen getrennt. Oder wie Jamie Nordstrom, Präsident der amerikanischen Luxus-Kaufhauskette Nordstrom, es ausdrückt: „Die Kunden legen keinen Wert auf Kanäle, sie legen Wert auf gute Erfahrungen.”

Bei der Customer Experience geht es nicht nur um die Touchpoints eines Kanals, sondern um die Gesamtwirkung aller Interaktionen auf sämtlichen Kanälen, und zwar während der kompletten Customer Journey. Ist der Gesamteindruck für den Kunden unbefriedigend, läuft das auf eine schlechte Customer Experience hinaus. Negative Erfahrungen mit dem Rechnungsversand und dem Call-Center- oder Chat-App-Kundenservice führten beispielsweise dazu, dass Pay-TV-Anbieter von ihren Kunden katastrophal bewertet wurden. Speziell ein Kabelnetzbetreiber lag weit abgeschlagen hinter der Konkurrenz zurück, da 54,4 Prozent seiner Kunden von einer insgesamt negativen Customer Experience berichteten.

Um angemessen auf Fragen und Bedürfnisse der Kunde eingehen zu können, müssten die Kanäle miteinander verknüpft sein. Menschen erinnern sich immer an den Zusammenhang, in dem sie ein Gespräch geführt haben. Sie sind nicht sonderlich begeistert, wenn sie mit „Robotern“ kommunizieren, die das nicht können.

Zu viele Kanäle verderben den Kontext

Schwierig wird es besonders, wenn der Kunde auf eine Nachricht reagieren soll. Unternehmensnachrichten können in Form einer SMS, einer E-Mail oder einer – live gesprochenen, aufgezeichneten oder durch Sprachsynthese (TTS) erzeugten – Sprachnachricht versendet werden. Doch die Reaktion des Kunden kann über einen beliebigen neuen oder alten Kanal zurückkommen– und zwar ohne Zusammenhang.

Ruft ein Kunde beispielsweise den Kundenservice seiner Bank wegen einer SMS-Saldomitteilung an, muss er den gesamten Kontext mitliefern: ob der Saldo unter dem Dispolimit liegt, wie die letzten vier Ziffern der Kontonummer lauten und zu welchem Zeitpunkt er die SMS-Mitteilung erhalten hat. Oder eine Kunde bekommt nach seinem Gebot auf eBay die Nachricht, dass er den Zuschlag erhalten hat. Er telefoniert mit dem Verkäufer, um die Liefermodalitäten zu vereinbaren und muss sämtliche Angaben wie Artikelnummer und -bezeichnung, Preis, Zahlungsmethode und Lieferadresse wiederholen.

Kontrolle oder Reichweite – vereinbar mit den Geschäftszielen?

Die drei neuen Kundenkanäle – In-App-Nachrichten, KI-Bots/-Services und soziale Chat-Apps – bieten beim Versenden von Nachrichten an den Kunden ein unterschiedliches Level an Kontrolle und Reichweite: In-App-Messaging sorgt für die beste Kontrolle, erreicht aber die wenigsten Kunden. KI-Bots/-Services ermöglichen weniger Kontrolle, erreichen aber mehr Kunden. Das geringste Maß an Kontrolle bieten soziale Chat-Apps, doch sie erreichen die meisten Kunden. Für welche Option Sie sich entscheiden, hängt von Ihren Geschäftszielen ab.

Bild (Quelle: Nexmo)

Möchten Sie beispielsweise die Markenloyalität fördern, sollten Sie Kunden, die Ihre App installiert haben, dazu ermutigen, sie aktiv zu nutzen. Da Sie die Gesamt-Experience über die App gut steuern können, lassen sich diese Kunden eher von Ihrer Marke überzeugen als die Nicht-Nutzer. Mit wiederholten Interaktionen erreichen Sie ein hohes Level an Kommunikation mit den Nutzern, binden sie an Ihr Unternehmen und machen sie zu Top-Kunden.

Wenn Sie die Kundenzahl steigern wollen, müssen Sie auch die Nutzer erreichen, die Ihre App nicht haben. Die Zahl potenzieller Kunden, die Sie via KI-Bots und sozialen Chat-Apps ansprechen können, liegt sehr viel höher, als jene, die Sie per In-App-Nachricht erreichen. Angesichts der mehr als 10 Millionen Alexa-Geräte, der 790 Millionen Siri-fähigen iPhones und der 2 Milliarden Facebook-Nutzer können Sie es sich schlichtweg nicht leisten, Kunden zu ignorieren, die Ihre App nicht verwenden.

Mit der richtigen Implementierung zur optimalen Zustellungsquote

Um den Schwierigkeiten zu begegnen, die sich durch die sprungartige Vermehrung der Kommunikationskanäle ergeben, sollten Sie sich gut überlegen, wie Sie Ihre Messaging-Kanäle implementieren möchten. Mit einer besseren Implementierung kommen Sie dem Ziel etwas näher, 99 Prozent aller Nachrichten an den Empfänger zu übermitteln – unabhängig von dem Kanal, über den sie versendet werden, und von dem Kanal, über den der Kunde sie wahrscheinlich am ehesten empfangen wird. Hier liegt die Lösung für eine bessere Gesamt-Experience trotz vielfältiger Kommunikationswege. Nutzt Ihr Kunde beispielsweise Ihre App, lässt sich die IP-Messaging-Zustellung mit SDKs kontrollieren, so dass Mitteilungen von Unternehmensseite über Push-Nachrichten versendet werden können; Nachrichten von Kundenseite können dann über In-App-Messaging zusammengeführt werden.

Bild (Quelle: Nexmo)

Hat der Kunde Ihre App nicht installiert, wird es allerdings kompliziert. Zunächst müssen Sie die Kanäle ermitteln, die Ihre Kunden nutzen (z. B. über Marktstudien, Umfragen, Testnachrichten). Dann entscheiden Sie, über welche Kanäle Sie Ihre Kunden ansprechen möchten. Für Nachrichten an den Kunden könnten Sie beispielsweise normale SMS-Mitteilungen, parallel dazu RCS-Nachrichten (Rich Communication Service) und soziale Chat-Apps wie Viber und Facebook Messenger einsetzen. Um Mitteilungen von Ihren Kunden zu empfangen, könnten Sie zusätzlich zu den genannten Kanälen auch Apple iMessage, WeChat und Line nutzen – je nachdem, was Ihre Kunden bevorzugen.

Zukunftsvision: Unabhängig vom Kanal einfach kommunizieren

All diese Kommunikationsmittel machen den Kontakt zum Kunden zu einer großen Herausforderung. Für den Endkonsumenten ist es auch sehr anstrengend, immer wieder zu erklären, wer er ist und was er will. Bei jeder Interaktion mit dem Kundenservice eines Unternehmens muss er sich anhand seines Geburtsdatums oder Passwortes authentifizieren und seine Geschichte nochmal erzählen. Wir brauchen Technologien, die es Unternehmen erlauben, ihre Kunden wiederzuerkennen – ganz unabhängig davon, ob sie anrufen oder eine SMS oder Chat-Nachricht schreiben. Unabhängig vom Kanal möchten Kunden mit Marken und Kundendiensten interagieren, ohne in der immer gleichen Schleife fehlender Informationen zu hängen. Cloud Communications Anbieter arbeiten bereits an einer technischen Lösung, die Kommunikationsstränge über die verschiedenen Kanäle der Omnichannel-Experience hinweg miteinander zu verknüpfen, um den Kontext von Nachrichten zu erhalten.

Teilen
Thomas Soulez
Thomas Soulez verantwortet die Produktstrategie, die Produktinitiativen und die Produktprozesse von Nexmo. Zuvor arbeitete er für Skype, wo er die Bereiche Fakturierung und Zahlung ausbaute und die Umstrukturierung der Geschäftsprozesse leitete. Auch bei Lucent Technologies war Thomas Soulez tätig, wo er in der Professional-Services-Abteilung Telekommunikationsunternehmen bei der Optimierung ihrer Kunden- und Netzwerkressourcen unterstützte. Thomas Soulez spricht fünf Sprachen und hat an der École Nationale Supérieure d’Informatique pour l’Industrie et l’Entreprise (ENSIIE) in Frankreich sowie an der Universität Manchester in Großbritannien Mathematik und Computerwissenschaften studiert.