Heute, am Freitag, versammelt sich der Bundestag um darüber zu entscheiden, ob die Ehe für alle Menschen gelten soll. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, haben die SPD, Linke und Grüne zusammen zehn Stimmen mehr als die Vertreter der Union. Zumal auch einige der CDU-Vertreter, losgelöst von der Fraktionslinie, ebenfalls dafür stimmen wollen.
Groß ist nun also vielerorts die Freude und Hoffnung über die näher rückende, gleichberechtigte Ehe.

Und doch, so sehr ich mich über eine positive Entscheidung für die Gleichstellung freue, überwiegen im Moment negative Gefühle. Nicht wegen der Ehe selbst, sondern wegen etwas wesentlich fundamentaleren:
Warum müssen wir noch immer über Gleichberechtigung diskutieren, gar dafür kämpfen?

„All animals are equal, but some animals are more equal than others.“
– George Orwell, Animal Farm

Wir reden über ein Thema, zu dem es keine tiefgründigen Gedanken geben sollte. Es beinhaltet keine Komplexität oder verworrene Strukturen. Wir verhandeln nicht über bi-/multilaterale Verträge, die Unmengen an Details zu berücksichtigen versuchen.
Es ist nicht einmal der Fall, dass mit einer solchen Diskussion bzw. Entscheidung ein Experiment wagen, gar eine Soziale Innovation erschaffen.

Es geht schlichtweg und ergreifend um die Frage, ob man Menschen gleich behandeln soll oder nicht! Ein Armutszeugnis für jede demokratische Regierung, wenn sich diese darüber zunächst Gedanken machen muss oder, Achtung, jetzt kommt’s, das zu einer Gewissensfrage erklärt.

Was ist das bitte für ein Gewissen?

Es gibt so viele gewichtige Probleme auf der Welt, die es zu lösen gilt.
Selbstverständlich bedeutet dies nicht, dass „kleinere“ Probleme dadurch weniger wichtig werden. Die Gleichstellung der Ehe jedoch, das sollte kein Thema sein, über das man erst noch diskutieren muss.

Nicht zwei Menschen die sich lieben, verursachen Probleme.
Sondern Ignoranz.
Nicht zwei Menschen, die zusammen ihr Leben verbringen möchten, verursachen Probleme.
Sondern Ignoranz.
Und auch nicht zwei Menschen gleichen Geschlechts, die ein Kind großziehen, verursachen Probleme.
Sondern… ach, lassen wir das.

Kinder brauchen Liebe, Geborgenheit und Anerkennung. Nicht einfach Mutter und Vater.
Bei schweren Fällen von Misshandlungen an Kindern durch die Eltern, sind es nicht gleichgeschlechtliche Paare die das mit ihrer „Art“ verursachen. Überforderte oder gefühlsarme Mutter-und-Vater-Eltern sind es, zum Glück nicht sehr häufig, die ihre Kinder schlagen, missbrauchen, vernachlässigen oder ihnen einfach keine Wärme schenken.

Nun könnte man laut „Ja, aber…“ sagen, gefolgt von einem „Das kann bei gleichgeschlechtlichen Familien genauso sein, es sind nur einfach weniger!„.
Stimmt. Kann es. Und warum? Weil es Menschen sind.
Menschen.
Menschen, wie alle anderen auch.
Im Positiven wie auch Negativen. Sie haben Gedanken und Sorgen, Hobbys und Interessen, Vorstellungen und Sehnsüchte – wie jeder auch!

Wer damit auch heute noch ein Gewissensproblem hat, sollte über sich selbst reflektieren und sich die Frage nach dem Warum stellen. Aber vermutlich sind, wie immer, die anderen das Problem. Nie man selbst.

[Sarkasmus]
Aber Hey: Argumentiert doch mit der christlich-religiösen Auffassung von der Ehe, wie vor kurzem Kardinal Reinhard Marx aus der katholischen Kirche.
Schließlich haben die dort (in der Kirche) tolle und etablierte Regeln und jahrelange Erfahrungen damit. Was vor 2000 Jahren richtig war, das muss es auch heute noch sein – es ist ja nicht so, dass sich die Welt im Wandel befindet. Oder die Erde um die Sonne kreist. Häresie!
Hexenverbrennungen, Kreuzzüge, Sexismus… das strotzt doch nur so vor Rechtschaffenheit, die müssen einfach immer richtig liegen!
[/Sarkasmus]

„Man serves the interests of no creature except himself.“
– George Orwell, Animal Farm

Tja, und nun… nun blicken alle nach Berlin und warten gespannt, für was sich ein paar wenige Menschen entscheiden werden, um damit die Zukunft vieler zu verändern. Oder diese mit Füßen zu treten.

Im Bundestag gibt es aktuell 630 Sitze, davon fallen 309 auf die CDU/CSU, jene Partei, die sich bis dato am stärksten gegen eine solche Gleichstellung gewehrt hat (was nicht bedeutet, dass jene Parteien, die darüber hinweg gesehen haben, es damit besser gemacht haben).
Diese wenige Menschen also lassen nun ihr Gewissen darüber entscheiden, ob andere Menschen (7,4% des Volkes, je nach Quelle) gleichberechtigt behandelt werden sollen oder nicht.
Diese wenige Menschen entscheiden darüber, ob sie sich der Mehrheit des Volkes (83%) anschließen und diese vertreten, oder lediglich nur ihrer eigenen Meinung Gewicht geben.

In wenigen Stunden wird es also soweit sein.
Orwell’s Schweine versammeln sich, um die anderen Tiere an ihrer Weisheit und Gerechtigkeit teilhaben zu lassen.
Hurra, Hurra!
Die Herrschaft der Menschen ist vorüber, lang leben die Schweine!

Versaut es einfach bitte nicht.

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Dennys Bäz
Dennys Bäz arbeitet seit 2016 für das Beratungs- und Analystenhaus Avispador als Entwickler. Nebenbei studiert er Psychologie und Wirtschaftsinformatik. Sollte sich zwischendurch noch etwas Freizeit finden lassen, so wird diese genutzt um sich mit Themen aller Art auseinanderzusetzen und dabei so viele Facetten wie möglich kennen zu lernen, zahlreich vernachlässigten Hobbys & Interessen nachzugehen sowie eine Möglichkeit zu finden, auf Schlaf zu verzichten. Letzteres bislang ohne Erfolg.