Digitalisierung? Kennen wir nicht, brauchen wir nicht und haben wir nichts mit am Hut. Das war noch vor wenigen Jahren eine weit verbreitete Reaktionen im PR-Bereich. Inzwischen sind aber Themen wie Content und Online PR, sowie Online-Reputationsmanagement nicht mehr aus der heutigen Öffentlichkeitsarbeit wegzudenken. Durch die Digitalisierung haben sich PR-Prozesse, die jahrzehntelang funktioniert haben, gravierend verändert. Zielgruppen für Pressemitteilungen werden inzwischen über soziale Netzwerke wie LinkedIn gefunden und die Kommunikation mit den Konsumenten der Pressearbeit ist direkt und ungefiltert im Internet möglich.

Generell scheint es, also ob PR-Schaffende sich den neuen Herausforderungen allerdings schon bewusst sind, denn laut einer Studie der Deutschen Public Relations Gesellschaft sind fast 50% der Befragten PR-Fachleute der Ansicht, dass neue Kommunikationstechnologien die eigene Arbeit eher nicht vereinfachen. Auch wenn die PR Arbeit durch die Digitalisierung und neue Technologien nicht einfacherer zu werden scheint, sind sich doch fast 90% der Befragten sicher, dass die Neuerungen eine Bereicherung der eigenen Arbeit bedeuten. Das ist nicht weiter verwunderlich, bietet die Digitalisierung doch neue Plattformen für Storytelling und externe Kommunikation wie zum Beispiel ein eigener Firmenblog. Hier lässt sich die Zielgruppe der Öffentlichkeitsarbeit direkt mit relevanten Themen ansprechen und ein Dialog kann so schneller aufgebaut werden.

© Maxwell Scott Bags
© Maxwell Scott Bags

 

 

PR wird noch schneller

Öffentlichkeitsarbeit war schon immer eine Industrie, in der die Schaffenden zum Teil in sehr kurzer Zeit auf Ereignisse reagieren musste. Mit der zunehmenden Digitalisierung und der weitverbreiteten Nutzung sozialer Netzwerke hat sich diese Reaktionszeit allerdings noch einmal gravierend verkürzt. Über Twitter und Co. sind jetzt innerhalb von Minuten Statements von Firmen und Personen gefordert, die von dem PR Team zusammengestellt werden müssen. Besonders durch diese Schnellebigkeit wird Krisenkommunikation in PR immer wichtiger.

Digitalisierung bedeutet auch, dass PR inzwischen im Internet viel mehr Grenzen überwindet , da Content weltweit zur Verfügung steht und eine Infografik, die auf dem eigenen Firmenblog veröffentlicht wurde, nicht nur im eigenen Land für Aufsehen sorgen kann. Daher ist es wichtig, dass Firmen, die PR im digitalen Zeitalter machen möchten, auch auf diese Internationalität eingestellt sind.  Maxwell Scott, ein High End Lederwarenhersteller aus England, verkauft seine Produkte über die eigene Website in diverse verschiedene Ländern. Da Feedback oder Anfragen auf den sozialen Netzwerken häufig in der Muttersprache der Kunden kommen, hat die Firma inzwischen ein internationales Team an PR-Experten eingestellt, die die Kommunikation in der jeweiligen Landessprache übernehmen. Das ist besonders mit Hinblick auf Reputationsmanagement wichtig, da die Kommunikation von einem Muttersprachler noch einmal anders gehändelt werden kann, als wenn eine internationale Firma einem deutschen Kunden zum Beispiel nur auf Englisch antworten kann.

Content und Online PR

In Zeiten der Digitalisierung hat sich inzwischen ein ganz eigener PR Zweig entwickelt: COPR – Content und Online Public Relations. Hierbei handelt es sich um PR Stories, die extra für den Online-Markt ausgelegt sind und dort dann per E-Mail oder über soziale Medien verbreitet wird, um so Aufmerksamkeit für die eigene Marke zu erzeugen. Besonders noch vor ein paar Jahren wurde COPR mehr als ein kleines Hilfsmittel einer großen und ganzen SEO Strategie gesehen, heutzutage ist es allerdings schon sehr viel mehr. Von Brand Awareness, über den Aufbau von Beziehungen mit Online-Influencern wie Blogger, bis hin zu eben den heißbegehrten Links ist COPR inzwischen vielfältig und bunt.

Wie bereits angedeutet, rückt im Zeitalter der Digitalisierung besonders für Firmen auch das Reputationsmanagement immer mehr in den Fokus. Viele Unternehmen, die sich bereits auf die Digitalisierung eingestellt haben und PR-Projekte für den Onlinemarkt realisieren, hoffen dass ihre Geschichte das Internet bricht und alle Welt darüber redet. Hier muss man allerdings vorsichtig sein, was man sich wünscht. Denn bei der flächendeckenden Verbreitung der sozialen Medien kann es selbst für große Marken zu einem sehr negativen Backlash kommen und PR-Schaffende müssen den eigene Ruf schützen. Nivea musste gerade erst vor kurzem diese Erfahrung mit ihrer „White is purity“ Kampagne auf Facebook machen. Auf dem Bild, dass auf Niveas Facebook Seite gepostet wurde, steht der Slogan „White is purity“, was im Hinblick auf ein Deo gemeint war, allerdings sofort massive Kritik im Internet ausgelöst hat und die Firmenspitze zu einem öffentlichen Statement zwang.  PR und Digitalisierung kann eine traumhafte Beziehung sein, die deutlich mehr  Möglichkeiten als noch in der Vergangenheit bietet– wenn man es dann richtig macht.

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Nicole Rohde
Nicole Rohde ist seit Oktober 2016 Gastautorin bei Denkhandwerker. Sie ist Senior PR Ecommerce Executive für die britische Fashionmarke Maxwell Scott und betreut dort die Public Relations Aktivitäten für Deutschland, Österreich und die Schweiz.