PSD2 oder wie FinTech Banking transformiert

Die EU Richtlinie PSD2 tritt am 18. Januar 2018 in Kraft. Geldinstitute werden von der EU-Behörde mit PSD2 gezwungen Drittanbietern Zugriff auf die Kontodaten zu gewähren. Erfahren Sie warum und wie langweilige technische Schnittstellen eine Revolution im Bankgeschäft auslösen könnten.

Was ist PSD2 (Payment Services Directive 2)?

PSD2 (EU Direktive 2015/2366) ist eine Erweiterung einer EU-Richtlinie des Jahres 2009. Durch PSD2 wird sich im Bereich der Karten- und Online-Zahlungen möglicherweise einiges ändern. Aktuell wird hinter den Kulissen an den Details gearbeitet. Es wird erwartet, dass erste Dienste mit PSD2 im 4. Quartal 2018 bereit für die Markteinführung sind. Es kann aber auch sein, dass sich die Einführung verzögert und erst im 1. Quartal 2019 kommt. Die direkte Verbindung zwischen Händlern und Banken wird damit über technische Schnittstellen (englisch APIs – Application Program Interfaces) geregelt.

Konkret reguliert die EU mit PSD2:

  • höhere Sicherheitsanforderungen für Zahlungsabwicklungen und Kontozugriff (zwei Faktor-Authentifizierung mit unabhängigen Geräten, keine 2 Faktor-Authentifizierung auf einem Gerät)
  • AISPs (Account Information Service Providers) erhalten direkten Zugriff auf Kontodaten
  • PISPs (Payment Integration Service Provider) erhalten Kontozugriff und können Zahlungen auslösen

Das Alles erfolgt laut EU-Behörde zum Wohle der Kunden und Konsumenten[1].

Warum reguliert Brüssel mit PSD2 den Zahlungsverkehr?

Die EU Behörde möchte im Bankgewerbe mehr Wettbewerb erzeugen. In der EU gibt es nur wenig grenzüberschreitenden e Commerce. Die EU Kommission vermutet, dass dies durch teure Zahlungsoptionen mit Kreditkarten mitverursacht wird.

„Zu den Vorteilen der Marktintegration zählen mehr Wettbewerb zwischen den Zahlungsdienstleistern und mehr Auswahl, Innovation und Sicherheit für die Nutzer von Zahlungsdiensten, insbesondere die Verbraucher.“ EUROPÄISCHE KOMMISSION BRÜSSEL

Ein weiterer Grund für die Regulierung ist, dass Innovationen durch fehlende EU weite Standards behindert werden. Payment Service Provider können nicht effizient EU weit skalieren, da durch die relativ kleinen Märkte die Skaleneffekte begrenzt sind (Kosten für IT können nicht auf viele Kunden verteilt werden). Player aus den USA (mit anderen Bestimmungen für Datenschutz etc.) werden dadurch indirekt gefördert. Aus diesem Grund sind die Netzwerkeffekte z.B. von PayPal und STRIPE sind jedoch schon weit vorangeschritten.

Welche Auswirkungen hat PSD2 für etablierte Banken?

PSD2 ist nach PSD (SEPA) ein weiterer Schritt in Richtung „open banking“. Die Banken müssen dazu eine sichere und robuste Schnittstelle an Drittanbieter bereitstellen. Die Entwicklung und der Betrieb sind entsprechend aufwändig und teuer. Diese Schnittstellen managen ist eine zentrale Herausforderung bei der Umsetzung von PSD2. Es geht dabei konkret, um:

  • Zugriffe von Entwicklern managen,
  • ein attraktives Ökosystem von Dienstanbietern etablieren (wie es geht, siehe z.B. https://developer.paypal.com/ oder https://stripe.com/docs),
  • neue Erlösquellen und Geschäftsmodelle durch Monetarisierung von Schnittstellenzugriffen erschließen.

Die Banken werden weiter die Kontodaten und Informationen gemäß Compliance und bankrechtlichen Anforderungen verwalten und sicher verwahren. Es entstehen jedoch neue Anwendungsfälle. Zum Beispiel kann ein Kunde in Echtzeit einen Kredit beantragen und genehmigt bekommen (Bonitätsprüfung online), und dies beispielsweise im Kontext einer Interaktion am POS („contextual payments“).

Kundendaten über den Konsumgewohnheiten und Verträge sind direkt am Bankkonto verfügbar. Ein wahrer Goldschatz, an dem sicherlich auch Google und Facebook interessiert sind. Die Daten aus den Zugriffen sind geeignet um Wissen aus den Kontoinformationen zu extrahieren (data mining).

Ein Beispiel macht das deutlich: die Bank kann Dienste anbieten, um Kunden günstigere Kredite und Verträge vorzuschlagen. Denkbar wäre eine Art smarter “Check24”-Dienst. Partnerschaften mit innovativen Anbietern anbahnen und managen. Wie das gehen kann, siehe z.B. das Kontaktformular von https://www.solarisbank.de/survey. Die Zielgruppe von API-Banken sind Händler und Integratoren. Das ist sozusagen das Firmenkundengeschäft 2.0. Auch im Privatkundengeschäft kann die Bank als Marktplatz auftreten (siehe z.B. https://www.fidor.de/fidor-financebay-beta)

Im Open Banking sind Banken ein Teil eines Ökosystems. Eine Abschottung der Kontodaten und  ist nicht mehr möglich. FinTechs und innovative Anbieter sehen dies als Chance. FinTechs haben kein teures Filialnetz und sind eher IT-Tech-Startups mit einer schlanken Kostenstruktur.

Da Endkunden sowieso kaum mehr in die Filialen gehen, und Banking heute meist online erfolgt erzeugt PSD2 Preis- und Innovationsdruck unter den Zahlungsverkehrsanbietern. Die Banken müssen ggf. mit FinTechs kooperieren und neue Geschäftsmodelle finden, sprich selbst FinTechs werden. Kurz gesagt: Die etablierten Banken müssen nutzerzentriert-digital Denken und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Sonst machen es die FinTechs.

Die großen Banken sind aktiv. Es gehen bereits einige Initiativen durch die Presse, z.B.:

Deutlich kleinere Firmen mit großen Playern verbinden. Wie man das machen kann zeigt Fidor – dort wird eine Gruppe von Entwicklern über ein Forum[6] gemanagt.

Ein anderes Beispiel ist wie das Banking Startup Monzo aus Großbritannien seine Nutzer und Entwickler zusammenbringt finden Sie hier: https://community.monzo.com/.

Welche Beispiele für open Banking / API Banking gibt es heute schon?

Aktuell (Stand Januar 2017) können Fintechs mittels Schnittstellen innovative Dienste anbieten und Finanzdaten verknüpfen. Beispielsweise geht das mit der Buchhaltungs-App “Debitoor”, und einem Konto der Fidor Bank. Mittels der Middleware (figo), die Fidor einsetzt, kann der Nutzer Zahlungsbelege in die Buchhaltung übernehmen. Fehleranfälliges Abtippen von Belegen wird überflüssig. Es sind weitere innovative Dienste am Markt zu finden:

  • Fidor Bank[2]: Peer to Peer lending, Edelmetallhandel, P2P payment über SEPA, PFM, Financial Marketplace / Kooperationen u.A. mit ayondo social trading
  • Citi: Schnittstellen für Drittanbieter (global gültig, derzeitig im Betatest), siehe https://developer.citi.com/
  • BBVA: API Marktplatz für Drittanbieter mit neuen Erlösquellen für BBVA (z.B. pay per use)[3]
  • RBS: Zusammenarbeit mit Startups um innovative und disruptive Ansätze schneller zu adaptieren
  • Credit Agricole: offene Schnittstellen für Drittanbieter App-Entwickler
  • Solaris Bank, „Banking as a Plattform – erlaubt es Drittanbietern Bankkonten zu führen für Endkunden, Selbständigen und Firmenkunden, Prepaid und Bonuskarten, Crowdfunding, crowdlending
  • Bradesco F-Banking[4]: über Facebook den Kontostand, Überweisungen, Investments und Kredite managen mit sozialen Interaktionen

Solaris ist mittlerweile Principal Member von Mastercard[5]. Der CEO Wentin sagt dazu:

„Besonders wichtig ist uns die gemeinsame Weiterentwicklung von Banking-Technologien mit der Expertise von Mastercard. Transaktionen wie beispielsweise Zahlungen werden in Zukunft komplett über Smartphones, Wearables oder das Internet of Things funktionieren – die klassische Plastikkarte ist hier nur der Ausgangspunkt. Mastercards werden künftig viel mehr als ein InformationsHub dienen, über den Endkunden situativ verschiedene Buchungen – und nicht nur Zahlungen – vornehmen können. Diese Entwicklung wollen wir mit Mastercard vorantreiben und unseren Partnern zur Verfügung stellen“.

Lassen Sie uns kurz neben der langweiligen technischen Schnittstelle Ansätze von FinTechs näher betrachten.

Was machen die Fintechs?

Ein Beispiel ist www.simple.com, einem Banking-Startup aus Portland, USA. Simple.com hatte initial keine Vollbankenlizenz, sondern nutzte Schnittstellen der BBVA Plattform und emittierte Karten der Compass Bank und Bancorp. Das sind so genannte „near banks“. Im Jahr 2014 wurde simple.com von der BBVA übernommen. Folgende drei Punkte sind auffällig:

  • Inszenierung als hippe, individualistische und wertorientierte Marke – David gegen Goliath, der Gegenentwurf zum Wolf of Wallstreet Investmentbanker
  • Aggressives Preismodell
  • Fokus auf User Experience (UX)
  • Fokus auf eigene technologische Umsetzungskraft (Verständnis als IT-Unternehmen)

Die Bank inszeniert sich mittels Storytelling als hippes Startup, quasi als Gegenentwurf zu Investmentbanken. Die neuen Anbieter brechen dabei bewusst mit Konventionen der klassischen Bankings. Der Anzug ist verschwunden, keine Krawattenträger. Es geht Ihnen um Authentizität. Hierarchien und top down Management werden entsprechend abgelehnt. Die Kunden sollen „stolz auf Ihre Bank sein“. Das ist schlichtweg geniales Marketing. Dreh und Angelpunkt von simple.com ist die App für das Smartphone und Tablet. Dort kann der Endkunde über eine elegante Oberfläche Sparziele definieren. Die App trackt die Ausgaben und hilft die Sparziele einzuhalten. Kontinuierliche Innovation wird in der Firmen-DNA verankert.

Es werden auch bei den Diensten neue Wege gegangen und diese fangen bereits bei der Anmeldung von Neukunden an. Über Videolegitimation und Videoberatung können Kunden mittels Skype direkt mit Finanzberatern verbunden werden. Die „Apple-Denke“, also das extreme Vereinfachen von Transaktionen steht bei den Startups im Vordergrund.  Mobile App Nutzer senden mit Ihren Handys auch weitere Informationen, z.B. Standortdaten. Dies wird genutzt, um den Nutzerkontext (Ort und Zeit) um damit auch im Banking genutzt werden.

Dazu kommt ein aggressives Preismodell:

  • keine Kontoführungsgebühren,
  • weltweit kostenlos Bargeld abheben,
  • Null Kontoüberziehungszinsen, und
  • keine Kosten für Ersatzkarten.

Worin unterscheiden sich Fintechs und Universalbanken?

Eine der Prioritäten der Universalbanken sind Filialen und Marketing. Im Unterschied dazu liegen die Prioritäten der Startups auf User Experience und Forschung und Entwicklung.

Die FinTechs müssen auf technologische Umsetzungskraft und Innovation setzen. Mit agilen Methoden und neuer IT-Infrastruktur werden die heute noch extrem langen Releasezyklen (Monate oder teils Jahre) bei klassischen Bank-Rechenzentren auf Wochen verkürzt. Das funktioniert, weil die Startups oft bei null Infrastruktur starten. Sie haben keine Kunden, keine IT-Altsysteme (legacy systems) von denen Kundendaten auf neue Systeme (microservices) migriert werden müssen. FinTechs Veranstalten regelmäßig Hackathons um neue Ideen schnell zu entwickeln. Die internen Compliance-Prozesse der Banken, die Innovationen verzögern, gibt es bei near Banks nicht. Das Problem der Sicherheit und des Datenschutzes ist an die Bank Service Provider quasi ausgelagert (“Banking as a service”). Das Motto lautet „API-first“.

Auch das Geschäftsmodell unterscheidet sich stark. Traditionelle Retail-Banken setzen auf Cross-Selling in Verbindung mit dem Konto. Hat der Kunde bei der Bank das Konto eröffnet, so werden Kredite oder Versicherungen angeboten. Die etablierten Banken konzentrieren sich hierbei auf Geschäfte mit hohen Margen, z.B. Baufinanzierungen, Immobilien. Mit Cross Selling und Gebühren (z.B. für Ersatzkarten, Dispozinsen) verdienen Universalbanken heute ihr Geld.

Mit den Einlagen der Kunden wird “gearbeitet”. Etablierte Banken haben aufgrund der gewachsenen Strukturen und rechtlichen Anforderungen (Filialnetze, IT, Mitarbeiter, Compliance) kein Interesse an “kleinteiligen” Transaktionen. Mit einem Kontozugriff in Echtzeit könnten beispielsweise per Skript Transaktionen für Geldanlagen automatisiert werden. Nehmen wir an, Sie haben heute auf Ihrem Bankkonto 1000 Euro herumliegen, das Geld vermehrt sich durch die aktuellen Niedrigzinsen kaum. Wenn jedoch ein smartes Skript dieses Geld automatisch auf einem anderen Konto oder einem Investment transferieren könnte, dann könnte mit dem Geld gearbeitet werden.

Ein Konzept ist das sog. social trading. Die Transaktionen von Tradern können damit quasi in Echtzeit und automatisch nachgebildet werden (siehe z.B. www.ayondo.com/de/social-trading).  Wenn Ihr Konto nun weniger als 1000 € freien Betrag hat, dann könnte der smarte Konto das Geld in Echtzeit zurückholen. Auf solche kleinteiligen und spezialisierten Aufgaben setzen hingegen FinTechs als Geschäftsmodell. Hierbei sind auch potentiale von künstlicher Intelligenz. Diese kleinteiligen Transaktionen sind bei traditionellen Banken heute lediglich manuell möglich. Außerdem verursachen diese hohe Transaktionskosten. Die etablierten Banken haben wenig Interesse, dass die Kunden freies Kapital nutzen. Genau das machen die Banken im Hintergrund mit Ihrem Geld auf dem Konto.

Es offenbart sich ein Interessenkonflikt zwischen den disruptiven Ideen der Startups und den Geschäftsmodellen der etablierten Banken. Die Horrorvision von Banken ist eine Money Pipe zu werden und dadurch die Kundenbeziehungen zu verlieren. Das wird im Beraterdeutsch “Disintermediation” genannt. Die Bank würde beim API Banking anstatt Transaktionsdaten der Kontoinhaber (wer was wann und wieviel an wen überweist) nur noch einen großen Betrag sehen.

Wo geht die Reise durch PSD2 hin – eine Prognose?

Für FinTechs ist es eine große Chance mittels APIs die Endkundenbeziehungen zu besetzen. Die Erlösmodelle der FinTechs setzen auf gratis Basisdienste. Geld wird mit kostenpflichtigen Zusatzdiensten (Freemium) verdient. Die APU-Banken versuchen sich dabei als Marktplätze für (real time) Kredite zu positionieren. Damit sollen den Kunden Kredite gegen Gebühren vermittelt werden. FinTechs haben als zentrale Herausforderung Banken zu werden, damit diese mit Risiken im Kreditgeschäft konform der Bankregulierung umgehen können und nicht von white Label Banken wie z.B. Wirecard abhängig sind. Das viel gehypte deutsche Banking-Startup N26 (früher Number26) hat dies im letzten Jahr geschafft und besitzt nun eine Vollbanklizenz. Eine Banklizenz und zu bekommen bedeutet, dass diese neuen Player nicht nur eine wunderschöne App brauchen sondern die Auditierungen und Compliance in den Griff bekommen. Das heißt natürlich, dass die FinTechs wiederum Banker mit Erfahrung brauchen. Nur mit 25 jährigen IT-Hipsters können diese keine Banklizenz erwerben.

In einigen Jahren könnten Banken eher der sichere Ort der Bank- und Transaktionsdaten in einem Ökosystem mit anderen Playern wie zum Beispiel Facebook oder Google sein. Die Rolle der Universalbanken wird dann weiter zurückgehen oder sich zu einer Art Marktplatz wandeln. Solche Ansätze sind bei den innovationsführenden Banken bereits heute umgesetzt.

FinTechs nutzen Konzepte der open innovation, bei dem Endkunden über Ideen abstimmen können. Ein Beispiel ist das Trello-Ideenboard von Monzo.com[7].

Bereits heute und ohne PSD2 entwickeln Startups mittels technischer Schnittstellen (API) von innovativen Banken wie z.B. Fidor[8] neue Dienste[9]. Der Trend zu offenen Banking mit Schnittstellen ist nicht neu. Banken wie Fidor und Solaris Bank verändern Banking-Dienstleistungen aktiv. Man sehe sich die Stellenanzeigen bei diesen Firmen an. Dort werden neben Bankern (Compliance Manager, Finance und Legal auch API Entwickler, Business Intelligence Architekten und agile Coaches gesucht. Etablierte Banken und Schemes müssen passende Strategien entwickeln und die Innovationskraft steigern.

Der Siegeszug der Software geht weiter – “software is eating the branch”.

Banken werden Softwareunternehmen und Softwareunternehmen werden Banken. PSD2 wird den Innovationsdruck für die Banken erhöhen. Neue Anbieter und Intermediäre werden eintreten, um neue Technologien wie künstliche Intelligenz, Kryptowährungen oder Chatbots für nutzerzentrierte Mehrwerte zu kombinieren.

Die Rolle der Banken verändert sich. Die Banken werden weiterhin die Compliance und Sicherheit garantieren müssen. Doch die etablierten Banken werden sich neu aufstellen müssen. Beispiele sind Bank Startups wie Solaris oder Fidor. Etablierte Banken springen auf den Zug auf und machen viele Schritte Richtung open banking. Fidor wurde von der französischen Großbank BPCE gekauft[10]. Die deutsche Bank arbeitet sehr eng mit der Banking as a Service Plattform fi.go zusammen, um Innovationen voranzutreiben[11].

Banking wird kleinteiliger. Wo früher ein Kunde eine starke Beziehung zur Hausbank hatte und dort mittels persönlichem Kontakt einen ganzen Blumenstrauß an Leistungen aus einer Hand bezogen hatte, können Privat- und Firmenkunden bald über Vergleichsanbieter Kredite, Aktienkäufe, oder Überweisungen, mittels APIs Verträge quasi in Echtzeit vergleichen und rechtsverbindlich abschließen. Der Ansatz der Universalbanken wird damit extrem herausgefordert. Allerdings ergeben sich durch die breite Kundenbasis und das hohe Vertrauen in die Sicherheit auch neue Chancen für etablierte Banken.

Banking wird schneller. Baukredite und Hypotheken können statt in Wochen nun bald innerhalb von Tagen oder Stunden maßgeschneidert und online abgeschlossen werden. Zentrale Herausforderungen bei open Banking ist die Sicherheit. Das Vertrauen in die Banken ist deren Kapital. Wenn durch unsichere Geräte, wie zum Beispiel die Risiken aus der stark fragmentierten Android Umgebung dazu führen, dass die Transaktion beispielsweise umgeleitet werden, wäre dies ein immenser Reputationsschaden, den letztendlich die Banken tragen müssen.

Entscheidend ist weiterhin, dass die Kunden das Vertrauen in Bank behalten. Das Thema Sicherheit und Datenschutz wird in der Zukunft relevant bleiben.

Banking an sich wird sich durch den direkten Zugriff über Schnittstellen unsichtbar. Zum Beispiel, wenn man mit einem Taxi fährt, könnte man danach durch einen einfachen Tap in der Taxi App bezahlen. Völlig einfach und simpel, ohne Karte oder Bargeld – die Zahlung läuft im Hintergrund direkt vom Konto. Welche Rolle hätte dann die Bank im täglichen Leben? Dienste wie ApplePay oder Android  können durch PSD2 direkt auf das Bankkonto zugreifen, ganz ohne Visa oder Mastercard. Bei Zahlungen am POS müssten diese Dienste dann jedoch über die Terminalinfrastruktur der Payment-Schemes gehen, was zumindest mittelfristig eine gesetzte Technologie scheint.

In dem Beitrag wurden die Themen nur gestreift um die Dynamik und die tiefgreifenden Veränderungen in der Bankwelt aufzuzeigen. Die Prognosen sind Thesen, Man sieht einmal mehr, dass die EU-Behörde mit Ihrer Politik gegenüber der Realität um Jahre hinterherhinkt. Trotzdem wird sich durch PSD2 vieles ändern. Vor allem eher traditionelle und konservative Universalbanken werden sich entsprechende Konzepte einfallen lassen müssen.

Fragen für Banken

  • Wie schätzen Sie den Einfluss von API-Banking auf Ihr Endkunden und Firmenkundengeschäft ein?
  • Kennen die Mitarbeiter die Trends und Potenziale für Innovationen?

Glossar

AISP

Account Information Services (Kontoinformationsdienste KID)

Kontoinformationsdienste oder Aggregatoren, welche im Auftrag des Kunden und Kontoinhabers Kontoinformationen elektronisch direkt bei den kontoführenden Finanzinstituten abholen. Mit dem Ziel, konsolidierte und benutzerfreundliche Informationen und Übersichten in elektronischer Form für den Kunden bereitzustellen.

Quelle: https://www.iso-20022.ch/lexikon/psd2/

API

Eine Programmierschnittstelle, genauer Schnittstelle zur Anwendungsprogrammierung, häufig nur kurz API genannt (englisch application programming interface, wörtlich ‚Anwendungs­programmier­schnittstelle‘), ist ein Programmteil, der von einem Softwaresystem anderen Programmen zur Anbindung an das System zur Verfügung gestellt wird. Im Gegensatz zu einer Binärschnittstelle (ABI) definiert eine Programmierschnittstelle nur die Programmanbindung auf Quelltext-Ebene.[1] Zur Bereitstellung solch einer Schnittstelle gehört meist die detaillierte Dokumentation der Schnittstellen-Funktionen mit ihren Parametern auf Papier oder als elektronisches Dokument.

Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Programmierschnittstelle

Banking as a Service

Plattformen mit Schnittstellen für Bankfunktionen, z.B. Wirecard, The Bancorp, Fidor, matchmove

Quelle: http://globalpaymentsummit.com/wp-content/uploads/2016/08/BaaS-1.pdf

Chatbots

Chatterbots, Chatbots oder kurz Bots sind textbasierte Dialogsysteme. Sie bestehen aus einer Textein- und -ausgabemaske, über die sich in natürlicher Sprache mit dem dahinterstehenden System kommunizieren lässt. Sie können, müssen aber nicht in Verbindung mit einem Avatar benutzt werden. Technisch sind Bots näher mit einer Volltextsuchmaschine verwandt als mit künstlicher oder gar natürlicher Intelligenz. Mit der steigenden Computerleistung können Chatbot-Systeme allerdings immer schneller auf immer umfangreichere Datenbestände zugreifen und daher auch intelligente Dialoge für den Nutzer bieten. Solche Systeme werden auch als virtuelle persönliche Assistenten bezeichnet.

Quelle:  https://de.wikipedia.org/wiki/Chatbot

Compliance

Compliance Compliance bzw. Regeltreue (auch Regelkonformität) ist in der betriebswirtschaftlichen Fachsprache der Begriff für die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien, aber auch von freiwilligen Kodizes, in Unternehmen. Die Gesamtheit der Grundsätze und Maßnahmen eines Unternehmens zur Einhaltung bestimmter Regeln und damit zur Vermeidung von Regelverstößen in einem Unternehmen wird als „Compliance Management System“ bezeichnet (IDW PS 980 Tz.6).[1]

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Compliance_(BWL)

Crowdsourcing

Crowdsourcing (auch „wisdom of the crowd“ = Die Weisheit der Vielen oder Crowdworking) bezeichnet die Auslagerung traditionell interner Teilaufgaben an eine Gruppe freiwilliger User, z. B. über das Internet. Diese Bezeichnung ist an den Begriff Outsourcing angelehnt, die Auslagerung von Unternehmensaufgaben und -strukturen an Drittunternehmen.[1]

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Crowdsourcing

Disintermediation

Disintermediation ist ein Konzept aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften, das allgemein den Wegfall einzelner Stufen der Wertschöpfungskette beschreibt. Disintermediation beschreibt einen Bedeutungsverlust von Intermediären (Vermittlern zwischen verschiedenen Akteuren) in einem Wirtschaftssystem.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Disintermediation

Freemium

Freemium ist ein Geschäftsmodell, bei dem das Basisprodukt gratis angeboten wird, während das Vollprodukt und Erweiterungen kostenpflichtig sind. Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Freemium legacy system / Altsystem Der Begriff Altsystem (englisch legacy system) bezeichnet in der Informatik eine etablierte, historisch gewachsene Anwendung im Bereich Unternehmenssoftware. Legacy ist hierbei das englische Wort für Vermächtnis, Hinterlassenschaft, Erbschaft, auch Altlast.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Altsystem

microservices

Microservices sind ein Architekturmuster der Informationstechnik, bei dem komplexe Anwendungssoftware aus kleinen, unabhängigen Prozessen komponiert wird, die untereinander mit sprachunabhängigen Programmierschnittstellen kommunizieren. Die Dienste sind klein, weitgehend entkoppelt und erledigen eine kleine Aufgabe. So ermöglichen sie einen modularen Aufbau von Anwendungssoftware.[1][2]

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Microservices

Open Banking

Open Banking is an emerging term in financial services / financial technology that refers to:

1) The use of Open APIs that enable third party developers to build applications and services around the financial institution.

2) Greater financial transparency options for account holders ranging from Open Data to private data.

3) The use of open source technology to achieve the above.

The Open Bank Project was set up to address these aims. Open Banking concept could be considered as a subspecies to the Open Innovation concept, a term promoted by Henry Chesbrough.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Open_banking open innovation

Open Innovation

Der Begriff Open Innovation bzw. offene Innovation bezeichnet die Öffnung des Innovations­prozesses von Organisationen und damit die aktive strategische Nutzung der Außenwelt zur Vergrößerung des Innovationspotenzials. Das Open-Innovation-Konzept beschreibt die zweckmäßige Nutzung von in das Unternehmen ein- und ausdringendem Wissen, unter Anwendung interner und externer Vermarktungswege, um Innovationen zu generieren.[1]

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Open_Innovation

Payment Service Provider

Als Payment-Service-Provider (englisch für Zahlungsdienstleister) bezeichnet man Unternehmen, die sich um die Anbindung von Bezahllösungen kümmern. Dazu gehören z. B. Online-Zahllösungen wie PayPal, giropay oder Sofortüberweisung oder auch Kreditkarten-Anbieter wie Mastercard oder Visacard.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Euro_Alliance_of_Payment_Schemes

Peer to peer lending

Peer-to-Peer-Kredite (englisch peer-to-peer lending oder person-to-person lending) sind Kredite, die direkt von Privatpersonen an Privatpersonen (engl. peer to peer) als Privatkredite vergeben werden, ohne dass ein Finanzinstitut, wie z. B. eine Bank, als Vermittler auftritt (siehe hierzu auch Disintermediation). Technologisch ermöglicht und verbreitet wurden Peer-to-Peer-Kredite vor allem durch das Internet. Als erstes Unternehmen hat Zopa in Großbritannien eine Vergabe von Krediten über das Internet im Jahr 2005 etabliert. In den USA war es 2006 die Plattform Prosper Marketplace und in Deutschland hat eLolly 2007 den ersten Marktplatz für diese Kreditform eingeführt.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Peer-to-Peer-Kredit

PISP

Payment Initiation Service Provider (Zahlungsauslösedienste ZAD)

Anbieter, welche von Kunden und Kontoinhabern beauftragt oder berechtigt sind, Zahlungen in ihrem Namen direkt von ihrem Konto beim kontoführenden Finanzinstitut auszulösen.

Quelle: https://www.iso-20022.ch/lexikon/psd2/

PSD2

Dritten Zahlungsdienstleistern wird damit die Möglichkeit eingeräumt, auf verschiedene Funktionalitäten des vom Kunden online geführten Zahlungskontos zuzugreifen. Kontoführende Zahlungsdienstleister müssen den Zugang und die entsprechenden Informationen den Drittdienstleistern unentgeltlich zur Verfügung stellen.

Konkret betrifft dies die folgenden drei Dienste:

  • Zahlungsauslösedienst,
  • Kontoinformationsdienst,
  • Drittkartenemittent.

Quelle: https://die-dk.de/zahlungsverkehr/electronic-banking/psd2-kontoschnittstelle/

SEPA

SEPA (Abkürzung für englisch Single Euro Payments Area, deutsch Einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum) ist ein Projekt zur Vereinheitlichung von bargeldlosen Zahlungen. Ziel des Projektes ist ein europaweit einheitlicher Zahlungsraum für bargeldlose Zahlungen in Euro, wobei aber die teilnehmenden Gebiete weit über die Euro-Staaten hinausgehen. In diesem übernationalen Zahlungsraum sollen Kunden keine Unterschiede mehr zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen erkennen können.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Storytelling_(Methode)

UX

Der Begriff User Experience (Abkürzung UX, deutsch wörtlich Nutzererfahrung, besser Nutzererlebnis oder Nutzungserlebnis – es wird auch häufig vom Anwendererlebnis gesprochen) umschreibt alle Aspekte der Erfahrungen eines Nutzers bei der Interaktion mit einem Produkt, Dienst, einer Umgebung oder Einrichtung. Dazu zählen auch Software und IT-Systeme. Der Begriff „User Experience“ kommt meist im Zusammenhang mit der Gestaltung von Websites oder Apps zur Anwendung, umfasst jedoch jegliche Art der Produktinteraktion, also unter anderem auch die nicht-digitale, physische Nutzung.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/User_Experience

Referenzen

[1] http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52013SC0289&from=EN

[2] http://docs.fidor.de/#introduction

[3] https://www.bbvaapimarket.com/

[4] https://banco.bradesco/html/classic/canais-digitais/internet-banking/fbanking.shtm

[5] http://newsroom.mastercard.com/eu/de/press-releases/mastercard-und-solarisbank-schliessen-strategische-partnerschaft-und-treiben-innovationen-im-digitalen-banking-voran/

[6] https://connect.fidor.com/community/

[7] https://trello.com/b/ID7Li0ni/monzo-extraordinary-ideas-board

[8] developer.fidor.de

[9] https://apm.fidor.de/

[10] https://www.fidor.de/about-fidor/bpce

[11] http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/die-deutsche-bank-wird-zum-marktplatz-14187643.html

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Christian Ehlert
Christian Ehlert ist seit September 2016 Gastautor bei Denkhandwerker.Er ist Geschäftsführer von LEANOFY und TrainDot. Er arbeitet seit über 15 Jahren an verschiedenen Positionen im IT-Sektor. Zuletzt hat er im Softwaretest an der Schnittstelle zwischen Business und IT im Bankingbereich mitgewirkt. Darüber hinaus ist er seit über 6 Jahren in der Innovationsentwicklung tätig.Mehr Informationen zu Christian Ehlert beiXing und Twitter