Die Digitalisierung – ein Begriff, in aller Munde.
Das Gespenst der digitalen Transformation geistert umher, es steckt an, sorgt für Verunsicherung und Aufbruchsstimmung zugleich. Digitalisierung ist allgegenwärtig. Kein Zeitungsartikel, keine Veranstaltung , kein Gespräch ohne diesen „Megatrend“. Es verbreitet sich wie ein Hype. Privatpersonen und Unternehmen sind infiziert. Kaum einer kann allerdings erklären, was die Digitalisierung konkret für Geschäfts- und Kommunikationsprozesse mit sich bringen wird. Wo fängt Digitalisierung an, wo hört sie auf?

Aber von vorne.

Ich bin weder ein IT-Spezialist, noch ein Vordenker in Sachen Digitalisierung. Ich werde obenstehende Frage nicht beantworten können, aber meine Meinung dazu abgeben. Was ich behaupten kann: Ich bin quasi in der digitalen Welt groß geworden. Netzwerken, analog wie digital, gehört zu meiner beruflichen Tätigkeit. Seit Jahren stehe ich regelmäßig mit Unternehmern und Führungskräften aus dem Hochstift in Kontakt, die sich unter dem Dach der Wirtschaftsjunioren Paderborn + Höxter zusammengefunden haben. Man spricht mit Entscheidern. Eines der relevantesten Gesprächsthemen, neben dem demographischen Wandel, dem Fachkräftebedarf und der Unternehmensnachfolge, ist die Digitalisierung. Da ist sie wieder, immer und immer wieder. Eine gewisse Verunsicherung ist spürbar, verbunden mit einer ordentlichen Portion Respekt.

Gesellschaftswandel oder revolutionäre Technologie?
In diesem Zusammenhang stellt sich also die Frage, ob mit der digitalen Transformation ein kompletter Gesellschaftswandel oder doch „nur“ eine revolutionäre Technologie daher kommt? Wie können sich Unternehmen bestmöglich vorbereiten, um den Herausforderungen gewachsen zu sein und sich nicht von Ihren Ängsten treiben zu lassen?
Klar scheint: Die Märkte werden sich verändern, wie sie es bereits in den vergangenen Jahren getan haben. Die Menschen heute lenken sich auf einer andere Art und Weise ab, kommunizieren und konsumieren anders. Darauf müssen sich Unternehmen einstellen, viele haben dies schon getan. Die wichtigste Ressource der heutigen Zeit sind Daten, die in den kommenden Jahren  einen noch größeren Anteil am unternehmerischen Erfolg haben werden.
Und genau hier liegt meines Erachtens ein Kernproblem: Viele Unternehmen benutzen oftmals unterschiedliche Systeme, um Daten zu erheben. Diese werden nicht gebündelt, nicht systematisch zusammengeführt und nur teilweise ausgewertet. Durch diese „Vielsystemerei“ gehen unzählige Potenziale verloren. Von diesem Weg müssen wir uns wegbewegen.

Best-Practices
Wie Digitalisierung erfolgreich durchgeführt werden kann, wo sie anfangen und aufhören kann, zeigt u.a. das BMBF Spitzencluster „it’s OWL“ – Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe. Zahlreiche mittelständische Unternehmen aus der Region beteiligen sich an dem Cluster, informieren sich, tauschen sich aus und teilen wichtige Erkenntnisse aus der gemeinsamen Forschung  im Hinblick darauf, die Innovationskraft weiter auszubauen. Alle Unternehmen aus dem Cluster blicken über Ihren eigenen Tellerrand hinaus, unternehmerische Neugier ist dabei eine entscheidende Triebfeder. Hier geht es um Industrie 4.0., vernetzte Produktionen, Schnittstellenmanagement, intelligente und individualisierte Produkte, neue Geschäftsmodelle aber auch um moderne Arbeitsplätze. Die entwickelten Konzepte können von Unternehmen genutzt und in andere Anwendungsfelder überragen werden. Dadurch wird Wertschöpfung in der Region erzeugt, Arbeitsplätze sichergestellt und Wettbewerbsfähigkeit ausgebaut. Die damit einhergehenden Potenziale sind nicht zu übersehen: Dematerialisierung, bessere Recruiting-Möglichkeiten,
Transaktionskosten können reduziert werden und Informationen noch schneller zugänglich gemacht werden.

Wie kann man der Digitalisierung also begegnen?
Der Megatrend hat Ängste und Barrieren aufgebaut, die im Kopf begründet sind, nicht in der Technik.  Es ist schlichtweg eine Frage der Unternehmenskultur, hier geht es um „Data Thinking“. Betriebe sollten sich noch stärker damit beschäftigen, wie die eigenen Daten wertschöpfend genutzt werden können. Die Digitalisierung ist ein fortlaufender Prozess, Unternehmen und Mitarbeiter haben ausreichend Rüstzeit, um sich entsprechend einzustellen und diese schrittweise anzugehen.  Am Ende ist es eine Investition in die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens, die sicherlich niemand verpassen möchte und auch nicht verpassen darf. Was in den 60er und 70er Jahren die Automatisierung war, in den 80er und 90er Jahren die Computisierung, ist heute die Digitalisierung.
Wir sollten uns nicht bange machen lassen. Alles wird gut, alles wird digital. So oder so!

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Daniel Beermann
Daniel Beermann ist seit August 2016 Gastautor bei Denkhandwerker.Nach seinem Studium im Bereich Tourismuswirtschaft begann er bei der Wirtschaftsjunioren Paderborn + Höxter e.V. und ist dort seit 2013 als Geschäftsführer tätig. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Wirtschaftsförderung und Fördermittelberatung.