Manfred Stetz, Geschäftsführer bei United Planet, einem führenden Anbieter von Social-Intranet-Lösungen, im Gespräch zum Thema Integration von Daten und Prozessen in den Arbeitsprozess.

Was verstehen Sie unter dem Begriff „Social Intranet“ bzw. was zeichnet für Sie ein modernes Social Intranet aus?

Für mich ist eines der Kernthemen eines Social Intranets, dass wir Mitarbeiter verbinden und Wissensmanagement betreiben. Es geht aber auch darum, alle im Unternehmen vorhandenen Datensilos  aufbrechen zu können und den Benutzern die Informationen in einer transparenten und umfassenden Art zu präsentieren.

Mittlerweile gibt es aber auch – und da fassen wir bei United Planet das Thema etwas breiter – weitere Perspektiven, um zu beschreiben, was das Social Intranet ist. Wir sehen dabei unter anderem die Prozessintegration als entscheidendes Element.

Was bedeutet das?

Das bedeutet, dass wir nicht nur eine Kommunikation von Mitarbeitern untereinander auf bzw. mit einer technischen Plattform haben. Stattdessen beziehen wir die gesamten Unternehmensprozesse und alle Daten, z. B. aus einzelnen Applikationen oder Datensilos wie CRM und ERP, in diesen Kommunikationsprozess mit ein. Ich persönlich sehe keine komplette Trennung in der Kommunikation zwischen Menschen und einer Kommunikation zwischen Menschen und Prozessen; Ich würde sogar die Kommunikation mit Maschinen ebenfalls einbeziehen.

Wenn wir kurz einen Schritt zurückgehen. Im Unternehmen gibt es, bezogen auf die Kommunikationsrichtung, zwei Wege: einmal top-down, die strategische Kommunikation von oben nach unten, aber auch die Kommunikation von unten nach oben, bottom-up im Sinne von Diskutieren und Hochbringen von Themen. Welche Rolle hat diese Thematik im Aufbrechen von Informationssilos, bzw. für das Wissensmanagement, dass diese beiden Flüsse synchronisiert sind?

Ich denke, es ist wichtig, „top-down“ vorzugeben, dass Netzwerke gebildet werden können, um diesen Informationsaustausch erst einmal auf eine gute Basis zu stellen. Und dann eben Mitarbeiter auch zu motivieren, zu sagen: Hey, gebt Wissen weiter und nehmt Wissen auf. Um dieses Netzwerk zu stärken. Es muss eine Top-down -Vorgabe sein zu sagen: Ja, wir wollen das! Nur so kann Kommunikation überhaupt „bottom-up“ gelebt werden kann.

Okay. Können Sie ein Beispiel geben für das Aufbrechen solcher Datensilos, wie kann das aussehen? Oder, aus Ihrer Erfahrung, aus der Praxis: Wie kann das gelebt werden?

In jedem Unternehmen gibt es eine Vielzahl von Systemen, beispielhaft ERP, CRM-Systeme, Support-Datenbanken und viele mehr. Ein Vertriebsberater hat in der Regel Zugriff auf das CRM-System, sieht aber oft nicht auf einen Blick, welche zusätzlichen Informationen im ERP-System hinterlegt sind oder ob gleichzeitig im Support Anfragen eskaliert werden.

Und alleine bei diesem kleinen, alltäglichen Beispiel wird klar, welche Vorteile ein Portal, ein Social Intranet im Rahmen eines Digital Workplace haben kann. Hier können alle Informationen gezielt in personalisierten Schichten zusammengeführt werden.

Ja, aber es kommt doch zunehmend nicht nur auf die personalisierten Schichten für eine effiziente Informationserstellung und strukturiertes Wissensmanagement an. Vielmehr muss es doch zunehmend darum gehen, Informationen und Prozessdaten automatisiert bereitzustellen. Also eine Automatisierung von Prozessen, bei denen der Mensch zunehmend nur regelnd und steuernd eingreift. Wie passt die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine hier mit diesem Social-Intranet-Ansatz zusammen? – Oder, anders gefragt: Wo sehen Sie da Chancen, aber auch Risiken in der Umsetzung?

Das passt alles sehr gut zusammen; und das wird auch die Zukunft sein. Ein Beispiel: Wir haben mit dem Unternehmen SICK, einem Weltmarktführer im Bereich intelligenter Sensorik, ein Co-Innovationsprojekt durchgeführt. Und hier haben wir eine Demo-Produktionsanlage abgebildet, die eine 360°-Grad-Sicht auf die gesamte Produktion bietet. Das bedeutet: In dem Moment, wo ein Produktionsauftrag gestartet wird, z. B. in unserer Lösung Intrexx, kann die Kommunikation in alle Richtungen ganzheitlich gesteuert werden. Ein Dialog mit Kunden und Lieferanten wird ermöglicht, die Prozessqualität wird erhöht. Durch unterschiedliche Trackingmethoden kann quasi jederzeit in den Produktionsprozess eingegriffen werden. Sensoren liefern die dazu wichtigen Informationen. In anderen Worten: Von der Produktion bis über Servicedienstleistungen, die im Lebenszyklus eines Produkts anfallen, haben wir die Möglichkeit, alles lückenlos zu erfassen und zu hinterlegen.

Ein analoges Szenario haben wir mit der Firma Montana in die Praxis umgesetzt. Montana teilt sich quasi den Weltmarkt mit einem anderen Anbieter im Bereich Skischleifroboter. Das sind diese Maschinen, die an jeder Berg- und Talstation oder bei großen Skiverleihern aufgestellt werden oder die direkt bei den Herstellern wie Rossignol oder Stöckli zum Einsatz kommen. Diese Maschinen werden an den Stationen in der Hauptsaison zum Teil tatsächlich im Dreischichtbetrieb betrieben. Ein Ausfall ist nicht akzeptabel.

Wir haben gemeinsam mit den Mitarbeitern von Montana ein Portal aufgebaut, das dem Betreiber der Maschine einen direkten Zugriff auf relevante Informationen ermöglicht. Hierzu zählen die aktuelle Auslastung, aber insbesondere auch Informationen über Abnutzung, den Schleifgrad, verbleibende Nutzungsdauer etc. Der Betreiber bekommt zusätzlich Informationen über die Ski und den Kunden; also ob es sich exemplarisch um einen Leihski oder einen Kundenski handelt. Er hat immer die absolute Übersicht: „Wie produktiv bin ich gerade – wie ist meine Maschine gerade ausgelastet?“ Aber er hat natürlich auch die kompletten Wartungsinformationen.

Aber nicht nur der Betreiber hat die Übersicht, sondern auch der Hersteller der Maschine. So kann der Service für die Maschine optimiert werden. Es gibt eine lückenlose Historie über Reparaturen, Verschleiß und weit darüber hinaus. Über das Portal können sich Hersteller und Betreiber austauschen. Sie können direkt kommunizieren, haben alle relevanten Informationen und können so ihre gemeinsamen Ziele forcieren.

Welche Rolle hat dann in diesem Zusammenhang Predictive Maintenance bzw. das, was im weitesten Sinne unter künstlicher Intelligenz verstanden wird?

Das lässt sich wunderbar verbinden! Social-Intranet-Portale sind natürlich nicht unbedingt dafür entwickelt, Datenanalysen zu realisieren. Aber die Integration von entsprechenden Frameworks ist ja quasi kumulativ; kann auf bzw. aus jeder Cloud-Form integriert werden.

In anderen Worten: Die Zukunft von Social Intranet im Kontext eines Digital Workplace und der Geschäftsausrichtung liegt in einer umfassenden Integration von Maschinendaten, einer Steigerung der Automatisierung und der Erweiterung der Prozesse um kognitive Services?

Das sind alles interessante und relevante Möglichkeiten, den Nutzen zu steigern und die Zukunftssicherheit in den Unternehmen zu erhöhen. Assistenzsysteme werden die Arbeitswelt stark verändern. Damit das möglich ist, sind Beratungskompetenz und Prozesswissen unabdingbar. Unternehmen müssen diese Fähigkeiten aufbauen.

Durch das Internet der Dinge werden Gegenstände zunehmend „intelligent“ und miteinander vernetzt. Die digitale und die physische Welt verschmelzen so zu einer Smart-Service-Welt. Wichtige Erfolgskriterien sind Mitarbeiter-Know-how oder die Leistungsfähigkeit des IoT-Stacks. An erster Stelle aber steht die Agilität. Unternehmen sollten Projekte nicht durchplanen, sondern sie iterativ verwirklichen. Sie sollten zudem ihre Organisationsstruktur aktualisieren und sich zu Serviceprovidern mit neuen Geschäftsmodellen entwickeln. Worauf kommt es aus Ihrer Sicht weiterhin an?

An kognitiven Systemen und intelligenten Datenanalysen wird kaum ein Unternehmen mittelfristig vorbeikommen. Darüber wird Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden Jahren definiert. Und wir bei United Planet unterstützen unsere Kunden darin, die physische und die digitale Welt zu integrieren.

Was können Sie konkret leisten – was bieten Sie?

Wir bieten neben Expertenwissen die optimale Plattform, um digitale Transformationsprojekte oder Prozesse nach den individuellen Anforderungen unserer Kunden angehen zu können. Unsere Plattform Intrexx kann im Bereich Integration, Prozesse, Applikation sowie Kollaboration umfassend alle Anforderungen abdecken.

Jeder Transformationsprozess ist mit einem Change-Management verbunden. Es gilt, alle Mitarbeiter auf den Weg mitzunehmen. Dazu muss man sich auch mit Ängsten auseinandersetzen, die eventuell bestehen. Viele Lösungen bergen außerdem die Gefahr, aufgrund der langen Projektlaufzeiten nicht zu durchschlagendem Erfolg zu führen.

Stattdessen ist es extrem hilfreich, eine Plattform an der Hand zu haben, mit der Sie Lösungen umsetzen, während andere noch Pflichtenhefte schreiben. Intrexx bietet Ihnen die Möglichkeit wirklich minimalinvasiv, ohne hohe Projektkosten, sofort an Ihre Kernprozesse anzudocken.

Axel Oppermann
Axel Oppermann ist seit über 15 Jahren als IT-Marktanalyst tätig. Aktuell arbeitet er für das Beratungs- und Analystenhaus Avispador als Analyst. Axel schreibt bei Denkhandwerker über Trends und nachhaltige Entwicklungen.