Die Stadt München will sich in der Verwaltung weitgehend von Linux und Open-Source-Software verabschieden. Doch was sind die Gründe? Handelt es sich hierbei um eine industriepolitische Entscheidung oder eine technisch, strategisch, operativ, realpolitisch, postfaktisch notwendige Maßnahme? Hierüber gibt es zahlreiche unterschiedliche Meinungen und Ansichten. Diese Ansichten wollen wir auf Denkhandwerker vorstellen und diskutieren.

Brigitte Wolf,  von der Fraktion „Die Linke“ im Stadtrat München antwortete auf unser Anfrage:

Brigitte Wolf, Die Linke, München Stadtrat

„Der Mehrheitsbeschluss des Münchner Stadtrats zur Ablösung von Linux-Clients durch Microsoft-Clients ist ein abschreckendes Beispiel dafür, wie dogmatisches Festhalten an einmal eingenommenen Positionen und technisches Halbwissen dazu führen, die Arbeitsleistung vieler Menschen ad absurdum zu führen, sehr viele Ressourcen in der IT der Stadt München zu blockieren und hohe zusätzliche Kosten auszulösen.

Die CSU-Fraktion hatte bereits 2002 den damaligen Beschluss zum Wechsel auf Linux-Clients nicht mitgetragen und sieht jetzt die Gelegenheit für eine Rolle rückwärts zurück zu Microsoft.

Allerdings: Die technische Entwicklung ist in den letzten Jahren ein gutes Stück voran gekommen. Die Entwicklung geht immer schneller dahin, dass Fachanwendungen im Rechenzentrum auf Servern laufen, und für die Ansteuerung Thin-Clients genügen. Alle neuen Fachanwendungen der Stadt werden browserfähig entwickelt, Altanwendungen, die noch mit einem Betriebssystem „verheiratet“ sind, sollen möglichst rasch abgelöst werden.

Der städtische Eigenbetrieb it@M hat gerade ein Konzept für virtuelle Arbeitsplätze vorgestellt. Damit sollen alle Anwendungen künftig von Clients mit beliebigen Betriebssystemen genutzt werden können: Nicht nur Windows- oder Linux-Clients, sondern auch Android, MacOS oder iOS Betriebssysteme werden unterstützt.

Das heißt, die Grundsatzfrage „Microsoft oder Linux?“ verliert zunehmend an Brisanz.

Dennoch: Die Konzentration auf Linux-Clients war und ist auch ein Baustein für besseren Datenschutz und Datensicherheit, und auch für die Attraktivität der Stadt München für IT-Fachkräfte. Und statt nun alle Kräfte auf die anstehende Umorganisation der städtischen IT zu konzentrieren, schlagen CSU und SPD technisch überholte Schlachten. Bleibt nur zu hoffen, dass Fach- und Kostenargumente doch noch zu einer Revision der Entscheidung führen.“

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