Stossen wir eine neue Tür auf? Die vom digitalen persönlichen Assistenten zu meiner besseren digitalen Dublette, meinem persönlichen Besser-Ich?

Das Thema digitale, persönliche Assistenten, die mich sowohl privat wie auch im Job bei meiner Aufgaben unterstützen, ist derzeit nicht zuletzt durch Alexa in aller Munde. Ich habe mich ja auch hier zu verschiedenen Aspekten – gerade auch dem Thema Data Privacy – gewidmet. Nun habe ich über das Blog von Chris Nerney diesen Beitrag von Michael Schrage auf Harvard Business Review gefunden. Er stösst eine neue Tür auf, die vom digitalen persönlichen Assistenten zu meiner besseren digitalen Dublette, meinem persönlichen Besser-Ich.

Siri is super, Alexa is awesome, and Cortana’s quite clever, but better bots and digital assistants aren’t going to determine personal productivity’s data-driven future. Tomorrow’s most effective executives will merge and marry workplace data and analytics to digitally design more-productive versions of themselves. Those digital “selves” will shape how work gets done.

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Bisher helfen uns die persönlichen Assistenten bei mehr oder weniger einfachen Routinetätigkeiten, geben mir die Wettervorhersage, suchen mir Information oder navigieren mich wo hin. Ähnlich sind auch die Einsatzszenarien im beruflichen Umfeld. Arrangiere mir einen Termin mit Lars und Gunnar.

Die von Schrage skizzierten Assistenten sind viel schlauer: Ähnlich wie auf Amazon lernen die Assistenten aufgrund meines Surf- und Kaufverhaltens und geben mir Empfehlungen. Allerdings muss natürlich ein Assistent hier umfassenden Zugriff auf E-Mail, Chat, Dokumente und andere unternehmensrelevante Daten haben. Nur so ist der Assistent in der Lage, wirklich vernünftige Empfehlungen zu geben. Das System braucht im Idealfall einen 360-Grad-Sicht auf meinen Job und mein Unternehmen.

Daneben kommen noch weitere, smarte Fähigkeiten der künstlichen Intelligenz hinzu. Schrage führt den IBM Watson  Tone Analyzer als Beispiel an, der in der Lage ist den emotionalen Ton von Texten und Konversationen zu analysieren, mich auf potentiell „negative“ Schwingungen aufmerksam macht und mir Verbesserungsvorschläge unterbreitet.

The exec might use selvesware such as IBM Watson’s Tone Analyzer, which doesn’t just analyze Slack chats and emails but also recommends tonal and textual edits that preserve substance while enhancing style.

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Annette Zimmermann, Research Vice President bei Gartner, nennt es emotionale künstliche Intelligenz. Und es wird über reine Textanalyse hin zu Audio- und Videoanalyse gehen:

“In the future, more and more smart devices will be able to capture human emotions and moods in relation to certain data and facts, and to analyze situations accordingly,”

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Es geht um Daten-, Verhaltens- und Emotionsanalyse. Es geht um Analyse der eigenen Verhaltensweisen und der Optimierung, um ständige Selbstbeobachtung durch das neue Über-Ich, das so zum Besser-Ich werden soll. Und dabei assistieren – so schreibt Schrage – auch noch Wearables von der SmartWatch bis zur Datenbrille oder smarten Linsen und den vielen intelligenten Devices im Internet der Dinge. So entsteht das neue Duplikat, ein Zwilling, der schneller, besser, weiter, einfühlsamer, produktiver und was weiß ich noch ist.

Immerhin spricht Schrage noch die Frage der Datenhoheit und Data Privacy an. Wem gehören in einem solchen Szenario welche Daten? Wie weit dürfen, können, sollen Gesundheitsdaten mit einbezogen werden, denn natürlich haben auch sie direkten Einfluss auf die persönliche Leistungsfähigkeit.

Ich gebe zu, mir stockt etwas der Atem bzw. die Tastatur bei dieser Vision. Losgelöst davon, was in welchem Zeitraum machbar sein wird und losgelöst von allen Hürden des Datenschutzes: Ich bin ein Freund und Verfechter persönlicher Assistenten, die mir nervige Routinetätigkeiten abnehmen. Auch wäre es hilfreich, wenn mir diese Assistenten in meinem Arbeitskontext helfen, eben intelligent assistieren würden, mir beispielsweise zum richtigen Zeitpunkt die richtige Information bereitstellen würden. Aber wie weit soll die Hilfe gehen? Wie weit soll wo immer ich bin und was immer tue optimiert, ja über-optimiert werden? Bis zum digitalen Besser-Ich?

 

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Stefan Pfeiffer
Stefan Pfeiffer ist seit Oktober 2016 Gastautor bei Denkhandwerker. Der ehemalige Journalist ist bei der IBM Deutschland-Österreich-Schweiz für das CIO Marketing zuständig und bloggt als CIOKurator und DigitalNaiv.