Wenn Mitarbeiter kündigen, bieten sich aber auch gleichzeitig neue Chancen: Jede personelle Veränderung im Team ermöglicht es, neue Konstellationen und frischen Wind in die Abteilung zu bringen.

Daher stelle ich bei personellen Veränderungen und Austritten die Zusammenstellung meines Teams und auch die Organisationsstruktur in meinem Bereich grundsätzlich auf den Prüfstand: Wie muss ein Team aussehen, das der digitalen Transformation gewachsen ist, sich stetig weiterentwickeln kann und dadurch zukunftsfähig ist?

Die  Digitalisierung stellt für mich dabei nur einen neuen Rahmen dar. Natürlich werden heute andere Skills von Mitarbeitern erwartet als noch vor 20 Jahren. Jedoch glaube ich fest daran, dass der Mix des Teams entscheidend für den Erfolg des Unternehmens ist. Wir brauchen die Erfinder genauso wie die Wegbereiter, Koordinatoren, Macher, Beobachter, Mitspieler, Umsetzer, Perfektionisten wie auch die Spezialisten. Jeder von ihnen leistet seinen Beitrag im Team, mit allen Stärken und Schwächen sowie Charakteristika. Es ist also meine Aufgabe, das richtige Gleichgewicht in der Zusammenstellung der Teams zu finden.

Dabei habe ich als Führungskraft in den letzten Jahren vier zentrale Dinge gelernt: Stelle Mitarbeiter ein,

  1. die unnormal ungewöhnlich sind.
  2. die dir nicht ähnlich sind.
  3. die nicht zwangsläufig aus deiner Branche kommen.
  4. die nicht irgendwas mit Management studiert haben.

Erst neulich war ich auf der Next Conference in Hamburg und durfte die wunderbare  Claire Burge, Geschäftsführerin von Chaos & Rocketfuel, kennen lernen. In ihrem Vortrag „This is Productivity“ ging es vor allem darum, dass Achtsamkeit gegenüber sich und seinen Teammitgliedern viel erreichen kann. Besonders interessant fand ich aber ihre Sichtweise dazu, wie die zukünftige Welt des Arbeitens aussieht und welche Skills die Mitarbeiter von morgen benötigen. Zum einen „Kreativität“ und zum anderen „kritisches Denken“.

© Roksana Leonetti

Auch  Dietmar Dahmen, den ich auf dem Disruption Day in Hamburg live erleben durfte, springt auf diese Aussagen auf, dass wir Mitarbeiter brauchen, die auch mal „Nein“ sagen oder kritische Fragen stellen, sodass „Warum?“ oder „Warum nicht?“ feste Bestandteile von internen Diskussionen sind. Es braucht also Mitarbeiter, die Dinge hinterfragen und sich nicht mit dem Gegebenen zufrieden zu geben, eben disruptive Menschen, die alles verändern und das Alte grundsätzlich infrage stellen. Gleichzeitig sagt er aber auch, dass man auch diejenigen Kollegen im Team braucht, die den Gegenpol bilden und weniger durch Kreativität oder Kritik als durch Beständigkeit und Kenntnisse der Historie eines Projekts oder Unternehmens das Gleichgewicht im Team bilden.

Frischen Wind oder neue Denkanstöße bekommt man als Unternehmen insbesondere von Mitarbeitern, die nicht aus der Branche kommen. Wir haben bei uns in der Vertriebsmannschaft zahlreiche Quereinsteiger, die sehr erfolgreich sind. Egal ob Fleischer, Koch oder Kaufmann – je bunter der Strauß an Mitarbeitern, desto mehr profitiert das Team davon. Selbiges gilt für Uniabsolventen, die wir im Marketing oder Produktmanagement suchen. Es muss nicht immer ein Studium der Wirtschaftswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre oder Management sein. Wie wär’s mal mit Geistes- und Sozialwissenschaftlern? Traut euch und sucht das Unnormale, Ungewöhnliche und Andere. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass es eine Bereicherung für euer Team ist.

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Roksana Leonetti
Roksana Leonetti ist seit Juli 2016 Gastautorin bei Denkhandwerker.Sie verantwortet in der Schlüterschen Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG  in Hannover das Business Development, Produkt- und Prozessmanagement sowie die Produktberatung. Die Schlütersche ist ein Mediendienstleister für kleine und mittlere Unternehmen und entwickelt für ihre Kunden Werbe- und Marketingkonzepte – digital, in Print oder crossmedial, alles aus einer Hand. Als Digital Native und Teil der Generation Y war Roksana bereits als Online-Redakteurin und Online-Produktmanagerin für die Schlütersche tätig und ist Expertin für lokales Marketing. Sie ist ständig auf der Suche nach neuen Werbemöglichkeiten für klein- und mittelständische Unternehmen und hat ein Faible für Social Media. Privat verbringt sie viel Zeit mit der Familie, kocht und reist gerne. Fremde Speisen und ferne Länder reizen sie besonders. Als geborene Schützin ist sie optimistisch, ehrlich und abenteuerlustig.