Zwei große Trends und nachhaltige Entwicklungen kommen zusammen: die kollaborative Ökonomie und die autonome, respektive automatisierte Welt, die zum Beispiel eine gemeinsame Mobilität aus selbstfahrenden Autos bedeutet. Deshalb starten wir mit einem kleinen Exkurs & ziehen dann die Schlussfolgerungen u.a. für die Unternehmens-IT.

Gerade das Thema selbstfahrende Autos ist momentan in einer breiten – auch gesellschaftlichen – Diskussion angekommen. Beflügelt durch u. a. Tesla auf der einen Seite, Uber sowie Lyft auf einer weiteren und Google sowie Apple auf der anderen Seite kommen die Anbieter BMW, Mercedes, Ford, Volvo, Yamaha langsam immer schneller in Schwung und arbeiten an autonomen Autos mit karbonfreien Antriebssystemen.

Aber nicht nur die Anforderungen am Markt und die Marktteilnehmer ändern sich, sondern auch die Geschäftsmodelle. Zu den favorisierten Geschäftsmodellen zählen:

  1. On-demand-Services
  2. Subskription, also Pro-rata-Modelle
  3. Besitz bzw. Finanzierung und Leasing
  4. sich selbst besitzende Autos im Sinne von Computer-owned-Unternehmen/„Distributed Autonomous Organization“ (DAO)

Diese unterschiedlichen Geschäftsmodelle richten sich an unterschiedliche bzw. sich überschneidende Zielgruppen, zum Beispiel urbane Regionen (Geschäftsmodell 1), urbane und suburbane Regionen, Menschen mit speziellen Anforderungen oder Bedarfen sowie eine fortschrittliche künstliche Intelligenz, die eine Flotte selbst verwalten kann. So unterschiedlich die einzelnen Geschäftsmodelle und Zielsegmente sind, so different sind auch die möglichen Betreiber bzw. Anbieter. Angefangen bei den „klassischen“ Autoherstellern, über ODMs, Autovermieter oder Technologieunternehmen wie Tesla, Uber oder Google bis hin zu sich selbst „besitzenden“ Mobilitätseinheiten – im weitesten Sinne wie Distributed Autonomous Organizations.

 

Kurzum und zusammenfassend: Kollaborative und autonome Fahrzeuge werden nicht nur erheblich die Art und Weise beeinflussen, wie wir Menschen Raum (und Zeit) überwinden oder Güter transportieren, sondern vielmehr auch die Geschäftsmodelle, in denen unsere Wirtschaft agiert und wie sich zum Beispiel Städte oder unsere Gesellschaft(en) verändern werden.

 

Übertragung auf die Unternehmens-IT

Die gleiche Entwicklung ist in der IT respektive der Unternehmens-IT zu sehen. Neue Geschäftsmodelle der Hersteller, basierend auf Anforderungen des Marktes, eigenen wirtschaftlichen Anforderungen und Segmentierung haben in den letzten Jahren zahlreiche neue Produkte und Services in Anwenderunternehmen gespült. Und der Trend hält an. Dies führt dazu, dass der Produktions- und Wirtschaftsfaktor „IT“ vom Kern des Unternehmens entfremdet wird. Was bedeutet das? Einerseits hält IT einen immer tieferen Einzug in die Wertschöpfung nahezu aller Unternehmen; IT bzw. digitale Prozesse sind elementar für bestehende und neue Geschäftsmodelle. Auf der anderen Seite wird sich die Wertschöpfungstiefe bezogen auf „IT“ weiter und vollumfänglicher reduzieren. Aktuelle Beispiele sind Cloud-Computing und Analytics; in naher Zukunft werden es Microservices, Business-Process-Services sowie KI- und AI-Systeme sein.

Dies bedeutet, dass eine Vielzahl von Unternehmen zukünftig, ähnlich wie es heute in der Automobilbranche die Regel ist, nicht mehr in der Lage sein wird, die eigentlichen Kernleistungen – das eigentliche „Produkt“ – zu produzieren. Besonders die polipolistischen und monopolistischen Strukturen der IT-Industrie werden eine solche Abhängigkeit verstärken.

Aus diesem Grund ist es wichtig, bei allen IT-Lösungs- und Infrastrukturentscheidungen sowie der Weiterentwicklung eigener Geschäftsmodelle darauf zu achten,

  1. wem die Intelligenz gehört
  2. welche Abhängigkeiten in welchen Situationen entstehen,
  3. Abhängigkeiten zu verhindern.

 

Was bleibt

Die verantwortlichen in (einer Vielzahl) von Unternehmen und der Unternehmens-IT haben es in den letzten 20 bis 25 Jahren nicht geschafft, sich von den IT-Herstellern zu emanzipieren. Auch der Paradigmenwechsel in Richtung Cloud-Computing konnte hier nicht genutzt werden, um vorhandene Asymmetrien abzubauen. Durch die sich wandelnden Geschäftsmodelle der IT-Anbieter wird es zunehmend zu einer noch größeren Abhängigkeit – und nicht nur in Einzelfällen – zu einer digitalen Entmündigung der Anwenderunternehmen kommen. Ferner werden durch zunehmende Joint-Ventures der großen IT-Hersteller mit Kompetenzträgern aus allen Branchen neue Wettbewerbssituationen entstehen, die in diesem Kontext eine weitere Herausforderung darstellen.

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Axel Oppermann
Axel Oppermann ist seit über 15 Jahren als IT-Marktanalyst tätig. Aktuell arbeitet er für das Beratungs- und Analystenhaus Avispador als Analyst. Axel schreibt bei Denkhandwerker über Trends und nachhaltige Entwicklungen.